Geschichte der Vogelmänner - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Geschichte der Vogelmänner Die Sturzflugakrobaten

Sie bastelten sich Flügel aus Holz, Leinen oder Satin - und stürzten sich damit Tausende Meter in die Tiefe: Seit den dreißiger Jahren haben Tüftler und Abenteurer immer wieder versucht, in Vogelkostümen elegant zur Erde zu gleiten. Hunderttausende bejubelten diese "Vogelmänner" - und erlebten ihren Tod oft live mit.
1 / 15

Der 33 Jahre alte Base-Jumper Leander Lacey sprang am 17. Oktober 2010 in seinem Flügelkostüm von den Klippen an der Küstenstraße Chapman's Peak auf der Kap-Halbinsel, Südafrika. Sein 375 Meter tiefer Flug dauerte zehn Sekunden.

Foto: Nic Bothma/ dpa
2 / 15

Der Franzose Léo Valentin hing mit seinem Dress nicht immer unter Schaukelgerüsten. Regelmäßig sprang der wohl berühmteste "Birdman" damit auch aus Flugzeugen ab. "Ich wurde fast gevierteilt, als der Wind meine Flügel erfasste", berichtete er 1950 nach seinem ersten Flugversuch enttäuscht. "Wenn das alles war, was man mit Flügeln anfangen konnte, war es nicht der Mühe wert." Später verbesserte er seine Technik erheblich und konnte mit den Flügeln nachweislich die Fallgeschwindigkeit abbremsen. Das Foto zeigt Valentin wenige Wochen vor seinem tödlichen Absturz 1956, als er vor 100.000 Besuchern während einer Flugschau in Liverpool verunglückte.

Foto: Carl Sutton/ Getty Images
3 / 15

Charles John posiert am 8. Mai 1936 in Southampton, England. Seit den dreißiger Jahren unternahmen immer mehr "Vogelmänner" gewagte Flugversuche - mehr als 70 bezahlten den Traum vom freien Fliegen mit ihrem Leben.

Foto: Getty Images
4 / 15

Die "Hommes-Oiseaux", Vogelmänner, sind in Frankreich so beliebt, dass eine französische Zeitschrift im Jahr 2004 eine mehrteilige Artikelserie zu dem Thema auflegte. Anlass war der spektakuläre Flug des Franzosen Léo Valentin, der genau fünfzig Jahre zuvor mit seinen Holzflügeln fünf Kilometer geflogen war. Das Foto zeigt ihn 1950 mit einer früheren Stoff-Konstruktion.

Foto: parapente-saintevictoire.com
5 / 15

Clem Sohn posiert am 25. April 1937 in seinem brandneuen Flügelkostüm mit extra breiter Spannweite auf der Pariser Luftfahrtschau. Vor seinem Auftritt versicherte der Amerikaner einem Journalisten, er fühle sich in der Luft so wohl "wie Sie sich in der Küche Ihrer Großmutter fühlen würden". Doch bei seinem Absprung aus rund 3300 Metern Höhe öffnete sich sein Fallschirm nicht; auch der Reserve-Fallschirm versagte.

Foto: AP
6 / 15

Der von seine Fans als "Birdman" verehrte Clem Sohn im Februar 1936 bei einem Schauflug im Hanworth Air Park, England. Mit seinen spektakulären Auftritten im Vogelkostüm verdiente der Amerikaner ein kleines Vermögen. So sprang er auf seiner Englandtournee vierzig Mal und kassierte dafür jeweils 1000 Dollar. Schon bald konnte sich der junge Mann zwei eigene Flugzeuge leisten.

7 / 15

Als Clem Sohn im Februar 1935 aus rund 4000 Metern Höhe erstmals mit seinem Vogelkostüm absprang und damit 75 Sekunden durch die Luft glitt, wurde er über Nacht berühmt. "Ich nutze den Flügel zwischen meinen Beinen genauso wie ein Vogel seinen Schwanz", berichtete er später. Irgendwann, so träumte der Amerikaner, würden alle Menschen Flügel haben und sich damit von Hausdächern in die Lüfte schwingen können.

Foto: Getty Images
8 / 15

Der französische Fallschirmspringer Patrick De Gayardon 1998 über dem Grand Canyon. Bei diesem Sprung, den er den "Flügelflug" nannte, testete er seinen neu entwickelten Anzug mit Flügeln. In diesem Kostüm starb er wenig später, am 13. April 1998, in Hawaii bei einem weiteren Testflug. Der Franzose war zuvor besonders für seine atemberaubende Sprüngen mit einem Snowboard (Skysurfing) weltweit berühmt geworden.

Foto: AP
9 / 15

Der Brite Harry Ward konstruierte sich Flügel aus schwarzem Leinen und Satin, mit folgender, selbstironischer Begründung: "Wenn ich schon ein Batman sein soll, dann will ich auch wie eine verdammte Fledermaus aussehen." Anders als sein Zeitgenosse Clem Sohn verdiente er kaum Geld mit seinen Sprüngen - dafür überlebte er seine Abenteuer und starb im Jahr 2000 im Alter von 97 Jahren.

Foto: parapente-saintevictoire.com
10 / 15

Der Extremsportler und Basejumper Jeb Corliss in seinem Flügelkostüm, hier im Jahr 2007 über dem Perris Valley in Kalifornien. Vier Jahre zuvor hatten er und sein Freund Dwaine Weston versucht, durch die Royal Gorge Bridge im US-Bundesstaat Colorado zu fliegen. Corliss gelang es, unter der Brücke herzufliegen; Weston touchierte einen Brückenpfeiler und starb.

11 / 15

Der Amerikaner Jeb Corliss hat einen Sinn für Dramatik springt ausschließlich in schwarzen Flügelkostümen (Foto von 2007). Konnten die frühen Entwicklungen solcher Anzüge die Fallgeschwindigkeit von 200 Stundenkilometer kaum oder gar nicht abbremsen, so können die modernen Wingsuits die Geschwindigkeit auf bis zu 50 Stundenkilometer senken.

12 / 15

Seit Jahrhunderten haben Erfinder und Flugpioniere auf der ganzen Welt immer wieder versucht, den Menschen ohne Mechanik und Maschinen fliegen zu lassen. Nicht selten endeten die Experimente tragisch.

13 / 15

Der Schweizer Yves Rossy, auch bekannt als "FusionMan", in seinem "Jet Wing". Der Fluggleiter, an deren Konstruktion er selbst mitgearbeitet hatte, besteht aus einem aufklappbaren, starren Flügel aus Kohlenstofffasern und Fiberglas mit rund drei Metern Spannweite sowie vier kleinen Strahltriebwerken. Das Foto zeigt Rossy mit seiner auf den Rücken geschnallten Erfindung während eines Schauflugs am 14. Mai 2008 über Bex, Schweiz.

Foto: AFP
14 / 15

Der Pilot Yves Rossy, hier im November 2010, entwickelte die alte Idee der Flügelkostüme weiter, indem er unter die Flügel Triebwerke schnallte. Damit kann er auf bis zu 300 Stundenkilometer beschleunigen. Die Erfindung ermöglicht es, länger durch die Luft zu gleiten. Rossy überquerte im Jahr 2008 mit seiner Konstruktion in 13 Minuten den Ärmelkanal; ein Flugversuch von Marokko nach Spanien endete dagegen mit einem Absturz im Atlantik.

Foto: AP
15 / 15

Der Extremsportler Ueli Gegenschatz im April 2007 über der Botafogo Bucht in Rio de Janeiro. Insgesamt absolvierte der Schweizer rund 6000 Sprünge, bis er am 11. November 2009 tödlich verunglückte: Eine Windböe erfasste Gegenschatz während des Sprungs vom 88 Meter hohen Sunrise Tower in Zürich-Seebach, so dass er unkontrolliert auf dem Boden aufschlug; wenig später erlag er im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

Foto: AP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?