Geschichte spaltet die Ukraine - DER SPIEGEL
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Weltkriegsgedenken in der Ukraine Dein Held, mein Feind

Nirgendwo wird die Spaltung der Ukraine so deutlich wie beim Gedenken an den Zweiten Weltkrieg. Im Osten des Landes wird Stalin verehrt, der Westen hasst ihn dagegen. Im Westen gilt dagegen Stepan Bandera als Held, ein ukrainischer Faschist, der zeitweise an der Seite der Nazis gegen die Sowjets kämpfte.
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Sowjetische Größe: In Kiew erinnert die Statue der "Mutter Heimat" an den Sieg von Stalins Armeen im Zweiten Weltkrieg. Das Denkmal wurde 1981 errichtet und überragt mit insgesamt 102 Metern alle Gebäude im Zentrum der Hauptstadt der Ukraine. Manche in Kiew würden den Koloss heute am liebsten stürzen.

Foto: Ekaterina Gornostaj
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Widersprüchliches Andenken: In der Schwarzmeerstadt Odessa flattert am Tag des Sieges ein Banner mit Josef Stalins Konterfei. Der Sowjetdiktator ließ Kirchen sprengen und Priester erschießen: "Der Heiligen Rus" gewidmet, steht unter Stalins Porträt in Odessa.

Foto: Eric Gourlan
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Auf dem Maidan in Kiew stellen Künstler ihre Werke aus, ihre Arbeiten tragen englische Titel, der Blick geht nach Westen, selbst der Blick in die eigene Vergangenheit: Zum ersten Mal hat die Regierung in Kiew den 8. Mai als Gedenktag des Weltkriegs begangen. Am 8. Mai 1945 unterschrieben die Deutschen ihre Kapitulation. In Moskau war damals Mitternacht schon vorbei, Russland feiert deshalb traditionell am 9. Mai.

Foto: Eric Gourlan
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Idol und Hassobjekt: In Lwiw im Westen erinnert ein Denkmal an Stepan Bandera. Der Anführer der ukrainischen Nationalisten kämpfte im Zweiten Weltkrieg für eine unabhängige Ukraine, zeitweise auch an der Seite der Nazis. Im Westen des Landes wird er verehrt, auch um sich abzugrenzen von der Sowjet-Vergangenheit. Für Millionen Ukrainer vor allem im Osten ist Bandera dagegen ein Faschist und Mörder.

Foto: Eric Gourlan
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Barrikaden auf dem Maidan: Der Westen und Regionen im Zentrum der Ukraine streben danach, sich von Moskau abzugrenzen, stoßen dabei aber auch viele Ukrainer im Osten des Landes vor den Kopf.

Foto: Eric Gourlan
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Neue Helden: In Kiew erinnert ein Poster an die Helden der "Himmlischen Hundertschaft", so nennen die Maidan-Revolutionäre die rund einhundert Opfer, die durch Kugeln von Scharfschützen ums Leben kamen.

Foto: Eric Gourlan
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Charkiw, Platz der Freiheit im Stadtzentrum: Schülerinnen proben für die traditionelle Siegesparade am 9. Mai.

Foto: Eric Gourlan
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Angst vor einem alten Feind: Der Sieg über den Faschismus ist ein Fixpunkt der Identität nicht nur für Russland, sondern auch für viele Ukrainer im Osten des Landes, so wie hier in Charkiw. Die Propaganda der russischen Staatssender schürt die Ängste vieler Bürger und beschimpft die Regierung in Kiew als als "faschistische Junta".

Foto: Eric Gourlan
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Gedenkveranstaltung am Stadtrand von Charkiw: Veteranen des "Großen Vaterländischen Kriegs" genießen bis heute hohes Ansehen.

Foto: Eric Gourlan
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Vorwärts Marsch, trotz aller Hindernisse: In Odessa am Schwarzen Meer wurde die traditionelle Militärparade erst von den Behörden abgesetzt, fand dann aber doch statt.

Foto: Eric Gourlan
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Gedenkveranstaltung am Denkmal des unbekannten Matrosen in Odessa.

Foto: Eric Gourlan
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Tausende erwiesen den Gefallenen des Weltkriegs die letzte Ehre.

Foto: Eric Gourlan
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Angst vor Terror: Am Tag des Sieges hat ein junger Vater in Odessa seinen Sohn in eine schusssichere Weste gesteckt.

Foto: Eric Gourlan
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Das ausgebrannte Gewerkschaftshaus in Odessa: Bei dem Brand wenige Tage vor dem Tag des Sieges kamen Dutzende prorussische Demonstranten ums Leben, gewaltbereite Maidan-Anhänger hatten das Gebäude mit Molotowcocktails angegriffen.

Foto: Eric Gourlan
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Gedenken an der Ruine: Viele Bewohner von Odessa geben der Regierung die Schuld für die Tragödie, denn Polizeieinheiten standen während des Feuers hinter dem Haus und griffen nicht ein. Nach dem Brand ließ die die Regierung in Kiew Fingerspitzengefühl vermissen: Als Außenminister Frank-Walter Steinmeier einen Kranz für die Opfer niederlegen wollte, wurde ihm das verwehrt.

Foto: Eric Gourlan
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Schülerinnen in Kiew verteilen Gedenkkarten.

Foto: Jochen Hellbeck
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Als Beginn des Zweiten Weltkriegs ist darauf 1941 vermerkt, das Jahr, in dem Hitler die Sowjetunion überfiel. Unter den Westalliierten gilt der Angriff auf Polen 1939 als Kriegsbeginn, so sieht es jetzt auch die neue Führung in Kiew, eine symbolische Abkehr von Moskau.

Foto: Ekaterina Gornostaj
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Bewohner von Sewastopol auf der Krim feiern den Sieg im Zweiten Weltkrieg mit russischen Flaggen.

Foto: Anton Khomutenko
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Viele von ihnen begrüßen begeistert die Annexion durch Russland.

Foto: Anton Khomutenko
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"Wir gedenken und trauern": Stellwand vor dem Gebäude der Gebietsverwaltung Donezk, das seit Wochen von prorussischen Kämpfern der selbst ernannten "Volksrepublik" besetzt ist. Die Separatisten stellen sich demonstrativ in die Tradition des sowjetischen Widerstands gegen den Faschismus, viele von ihnen hängen allerdings selbst rechtem Gedankengut an.

Foto: Alexander Chizhenok
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Verbrüderung zwischen einem Veteran und einer Maidan-Aktivistin auf dem Unabhänigkeitsplatz in Kiew.

Foto: Ekaterina Gornostaj
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Erinnerung an die Opfer des Zweiten Weltkriegs in einem Museum in der Hauptstadt.

Foto: Ekaterina Gornostaj
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Kiew, der sogenannte Ruhmeshügel, nur wenige Kilometer vom Maidan entfernt: Ein Mädchen verkauft am 9. Mai Georgsbänder mit Stalinbildern.

Foto: Ekaterina Gornostaj
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Schüler einer 9. Klasse in der ukrainischen Hauptstadt stellen Kriegszenen nach, hier den rituellen "letzten Walzer" des Rekruten mit seiner Braut.

Foto: Ekaterina Gornostaj
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Der Historiker Jochen Hellbeck hat die Ukraine in den vergangenen Wochen mit einem Team bereist. Hellbeck lehrt in New Jersey. 2012 erschien sein Buch "Die Stalingrad-Protokolle".

Foto: Eric Gourlan
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?