Geteilte Stadt: Berlins unsichtbare Mauer - DER SPIEGEL
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Geteilte Stadt Berlins unsichtbare Mauer

Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall ist Berlin immer noch geteilt: Auf der Karte des sozialen Gefüges ist die alte Grenze genau zu erkennen. Tijs van den Boomen ist bei Streifzügen durch die Hauptstadt Verblüffendes aufgefallen. Ein simpler Kniff zeigt ihm, ob ein Kiez boomt oder verfällt.
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Auch wenn nur noch wenige Meter der Mauer stehen und das Bollwerk aus dem Kalten Krieg fast verschwunden ist, bleibt Berlin eine geteilte Stadt. Aus der politischen Teilung ist eine soziale geworden. Wenn man in einem Stadtplan die Bezirke mit hoher Arbeitslosigkeit hervorhebt...

Foto: Tijs van den Boomen
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...bilden die Grenzen der Stadtteile Neukölln, Kreuzberg, Gesundbrunnen und Wedding den Verlauf der ehemaligen Grenze genau ab. Weitere Brennpunkt der Arbeitslosigkeit: Spandau und die Bezirke am östlichen Stadtrand - Marzahn und Hellersdorf.

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Ein ähnliches Bild ergibt sich, wenn man in der Karte die Viertel hervorhebt, die einen hohen Anteil an türkischstämmiger Bevölkerung aufweisen. In den Stadtteilen...

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...östlich der ehemaligen Mauern sind kaum Migranten zu Hause, das Gros lebt in Neukölln, Kreuzberg, Gesundbrunnen und im Wedding. Ein bezeichnendes Beispiel für diese Trennlinie ist die...

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...Gleimstraße. Auf der Westseite der Straße in Wedding hat mehr als ein Viertel der Einwohner einen türkischen Migrationshintergrund. Im Ostteil der Straße, in Prenzlauer Berg, gilt das nur für jeden fünfhundertsten Bewohner. Das Schild mit dem Text "Rein/Raus" hängt am Gleimtunnel, der die Straße teilt.

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Spielhallen sind ein Indikator, der anzeigt, wie es um das soziale Gefüge in einem Quartier steht. Wenn man die Konzentration solcher Etablissements auf einem Stadtplan Berlins einzeichnet, ergibt sich ein ähnliches Bild wie bei Arbeitslosigkeit und Migrantenanteil. In den Stadtteilen...

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...westlich der ehemaligen Demarkationslinie sind Wettbüros und Spielhallen häufiger als östlich davon. Der "Spielbetrieb" ist ein Kennzeichen von Stadtteilen mit großer Arbeitslosigkeit und sozialer Not.

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494 Spiellokale gibt es in Berlin -wenn in einem Quartier viele neue Geschäfte dieser Art auftauchen, ist das ein Zeichen für den Abstieg des Viertels.

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Ein neues Berliner Gesetz soll verhindern, dass neue Spielhöllen im Umkreis von Kinder- und Jugendeinrichtungen eingerichtet werden. Das Stadtbild wird sich dadurch nicht ändern: Bereits bestehende Spielhallen sind ihrer Existenz bis Mitte 2016 sicher. Und: Wettlokale sind von diesem Gesetz nicht betroffen.

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Woran erkennt man, dass ein Quartier boomt? An der Zahl der Bio-Läden. 199 solcher Geschäfte gibt es in Berlin - und sie kommen auf beiden Seiten der alten Grenze vor. In den alternativen Epizentren Kreuzberg und Schöneberg gab es sie schon vorher - seit dem Fall der Mauer haben sie auch In-Viertel wie Prenzlauer Berg, Frierichshain und Mitte erobert.

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Der LPG BioMarkt in Kreuzberg ist der größte seiner Art in Europa. Weitere Niederlassungen haben in Prenzlauer Berg, Charlottenburg und Alt-Treptow aufgemacht.

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Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?