Ghetto Theresienstadt - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

NS-Getto Theresienstadt Relaisstation des Holocaust

Die von hohen Mauern umgebene, spätbarocke Festung Theresienstadt wurde zwischen 1941 und 1945 von den Nationalsozialisten als Sammel- und Durchgangslager für mehr als 140.000 Juden missbraucht.
1 / 10

Gestapogefängnis: Luftbild der sogenannten "Kleinen Festung" Theresienstadt, die unmittelbar neben der "Großen Festung" (der eigentlichen, zum Getto umfunktionierten Stadt) liegt. Auf diesem Areal, das schon seit dem 19. Jahrhundert als Haftanstalt diente, errichteten die Nationalsozialisten im Juni 1940 ein Gestapogefängnis. Es war die Filiale des berüchtigten Prager Gestapogefängnisses Pancrac.

2 / 10

"Arbeit macht frei": In der Kleinen Festung waren vor allem Angehörige des tschechischen Widerstands gegen die nationalsozialistische Okkupation interniert. Über dem Festungstor prangte der gleiche menschenverachtende Slogan, den die Schergen des NS-Regimes auch am Tor des Stammlagers Auschwitz angebracht hatten: "Arbeit macht frei".

3 / 10

Ort des Grauens: Das Foto zeigt den Galgen in der Kleinen Festung Theresienstadt. Dort, im vierten Hof, wurden die Exekutionen der Häftlinge vollstreckt.

4 / 10

Tausendfache Qual: Laut Historiker Wolfgang Benz, der den Begriff von Theresienstadt als "Relaisstation des Holocaust" geprägt hat, durchliefen insgesamt 27.000 Männer und 5.000 Frauen das Gestapogefängnis in Theresienstadt.

5 / 10

Ungeheurer Schock: Juden bei der Ankunft im Lager Theresienstadt (Aufnahme von 1943). Der Öffentlichkeit gegenüber verklärten die Nationalsozialisten das Zwangslager als sicheres Altersgetto und Vorzeigeinstitution. Zahlreiche Juden bezahlten sogar Geld, um nach Theresienstadt zu kommen - umso größer war der Schock beim Anblick des hoffnungslos überfüllten Lagers.

6 / 10

Hohe Sterblichkeit: Aufgrund der verheerenden Zustände war die Mortalität in Theresienstadt extrem hoch: Mehr als 33.000 Menschen starben im Getto - dies entspricht rund einem Viertel aller Häftlinge. Vor allem aus Angst vor Seuchen ließ die SS ein Krematorium (Foto) errichten.

7 / 10

Schwieriges Gedenken: Das Krematorium (Foto von ca. 1943) ist heute Teil der Gedenkstätte Theresienstadt. Insgesamt waren in dem NS-Zwangslager zwischen 1941 und 1945 mehr als 140.000 Juden inhaftiert. Die systematische Aufarbeitung der Geschichte des Gettos setzte in Terezin erst nach dem politischen Umbruch 1989/90 ein.

8 / 10

Grenzenloser Zynismus: Die Juden im Getto Theresienstadt waren auf engstem Raum zusammengepfercht, die Lebensbedingungen haarsträubend (Foto vom 8. Mai 1945, dem Tag der Befreiung von Theresienstadt). Dessen ungeachtet hielten die Nationalsozialisten die Lüge vom "Vorzeigelager" Theresienstadt aufrecht, in dem für die internierten Juden gute und sichere Lebensbedingungen herrschten.

Foto: imago
9 / 10

Dokument der Täuschung: Um die Welt zu täuschen, wurde 1944 im Getto der Film "Theresienstadt. Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet" gedreht. Der SS-Propagandastreifen gaukelt ein friedliches und idyllisches Leben vor. In Theresienstadt - so die zynische Botschaft - würden die Menschen ihren Berufen nachgehen und sich nach Feierabend beim Sport, im Theater oder zum Konzert treffen. Das Szenenbild aus dem Film zeigt ein vermeintlich ungezwungenes Fußballspiel auf dem Hof einer Kaserne.

10 / 10

Das Ende: Am 8. Mai 1945 marschierten Truppen der Roten Armee in Theresienstadt ein, kurz darauf erreichten sowjetische Sanitätseinheiten das Getto. Nachdem das Zwangslager geräumt worden war, zog die einst aus ihren Häusern vertriebene Zivilbevölkerung wieder in die Stadt ein.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?