Gianluigi Buffon Titel, Tränen und ein paar Skandale
So kennen ihn die Fußballfans: Gianluigi Buffon begeisterte nicht nur mit sensationellen Paraden, sondern auch mit seinen emotionalen Ausbrüchen.
Julian Finney/ Getty Images
1995 feierte Buffon sein Debüt in der Serie A. Mit 17 Jahren lief er am 19. November für Parma auf, nachdem sich der Stammkeeper verletzt hatte. Gegner war damals die AC Mailand, das Spiel endete 0:0. Kein Gegentor fangen - daran hat Buffon bis heute Gefallen.
1997 debütierte Buffon auch in der Nationalmannschaft, er wurde für den verletzten Giancarlo Pagliuca (l.) eingewechselt. 1:1 spielte Italien im WM-Qualifikationsspiel gegen Russland. Bei der anschließenden Weltmeisterschaft in Frankreich saß Buffon, der auch die Nachwuchs-Auswahlteams Italiens durchlaufen hatte, jedoch nur auf der Bank.
Der erste internationale Titel: 1999 gewann Buffon mit Parma den Uefa-Pokal. Im Finale bezwangen die Italiener Olympique Marseille 3:0. In diesem Jahr wurde er noch vor Hernán Crespo und Gianfranco Zola zum "Parma-Spieler des Jahrzehnts" gewählt. Doch es half nichts: 2001 wechselte Buffon für die Rekordsumme von 52 Millionen Euro zu Juventus.
Mit Juve gewann Buffon auf Anhieb die Meisterschaft und musste in der Saison 2001/2002 die wenigsten Gegentreffer hinnehmen. Bei der anschließenden WM in Japan und Südkorea lief er dann auch erstmals als Nummer eins Italiens auf. Er absolvierte sämtliche Spiele, doch Italien schied im Achtelfinale gegen Gastgeber Südkorea aus - obwohl Buffon einen Elfmeter gehalten hatte.
2003 stand Buffon mit Juve erstmals im Finale der Champions League - gegen Milan. Doch trotz einer exzellenten Leistung des Keepers, der im Elfmeterschießen zwei Mailänder Versuche abwehren konnte, setzte sich am Ende der Ligarivale durch.
Buffon auf dem Weg zur nächsten EM-Enttäuschung: 2004 konnte sich Italien in einer Gruppe mit Dänemark, Bulgarien und Schweden nicht durchsetzen und schied bereits nach der Vorrunde aus.
2006 war das wohl turbulenteste Jahr in Buffons Karriere: Mit Juve gewann er den Scudetto, doch der Titel wurde - ebenso wie der aus dem Vorjahr - aberkannt. Grund war ein Manipulationsskandal, Juve wurde zudem zum Zwangsabstieg verurteilt.
Auch Buffon wurde zunächst der Manipulation verdächtigt, doch die Vorwürfe erhärteten sich nicht. Allerdings kam heraus, dass er rund 1,5 Millionen Euro bei Fußballwetten verloren hatte. Doch er hatte nur auf ausländische Ligen gewettet, zudem hatte er das Geld zu einer Zeit verspielt, in der es den Profis noch erlaubt war, zu wetten.
Sein größter Triumph: 2006 gewann Buffon mit der Nationalmannschaft den Weltmeistertitel in Deutschland. Im Halbfinale hatten die Italiener den Gastgeber aus dem Turnier geworfen, im Finale siegten sie gegen Frankreich. Buffon musste während der WM nur einen Treffer aus dem Spiel heraus hinnehmen. Er wurde als bester Torhüter ausgezeichnet.
Im Finale der WM 2006 tröstete er den französischen Superstar Zinédine Zidane, der im letzten Spiel seiner Karriere nach einem Kopfstoß gegen Italiens Marco Materazzi die Rote Karte gesehen hatte. Allerdings hatte Buffon diese Karte zuvor beim Schiedsrichter eingefordert.
Aufgrund des Abstiegs von Juventus spielte der wohl beste Keeper der (damaligen) Fußballwelt nach dem WM-Triumph in der zweiten italienischen Liga. Allerdings nicht lange: Obwohl einige Stars vor der Saison den Verein verlassen hatten, stieg Juve direkt wieder auf - trotz der Belastung von neun Strafpunkten.
2008 blieb Buffon dann nur die Wahl ins All-Star-Team der Europameisterschaft, einen Titel gab es nicht: Mit Italien schied er im Viertelfinale gegen Spanien im Elfmeterschießen aus.
Nach der EM 2008 musste Buffon wegen einer Verletzung mehrere Monate pausieren, es wurde bereits über ein Karriereende des Keepers spekuliert. Doch er kehrte zurück - und wurde heftig von Manchester City umworben. Eine Ablöse von 75 Millionen Euro stand im Raum, doch Juve - und Buffon - lehnten ab.
Das große Selbstbewusstsein des Keepers zeigte sich vor der WM 2010: "Ich bin immer noch der beste Torwart der Welt. Wir werden in Südafrika etwas Großes erreichen", sagte Buffon. Doch daraus wurde nichts: Buffon verletzte sich bei der Weltmeisterschaft, er erlitt im ersten Spiel gegen Paraguay einen Bandscheibenvorfall und fiel für ein halbes Jahr aus. Italien scheiterte als Tabellenletzter in der Vorrunde.
Bei der EM 2012 lief es wieder deutlich besser: Italien stand nach einem Halbfinal-Sieg gegen Deutschland im Endspiel und hatte die große Chance auf den Titel.
Doch Buffon und Co. erlebten im Endspiel gegen Spanien ein Debakel. 0:4 ging Italien unter, es war die höchste Niederlage einer Mannschaft in einem EM-Finale. Buffon wurde, Sie ahnen es, trotzdem ins All-Star-Team gewählt.
Die fünfte Weltmeisterschaft: Bei der WM 2014 in Brasilien war dann wie schon 2010 in der Vorrunde Schluss. Nach der 0:1-Pleite im letzten Gruppenspiel gegen Uruguay standen Buffon und Co. desillusioniert auf dem Platz. Der Keeper wurde, Sie ahnen es erneut, trotzdem "Man of the Match". Immerhin.
2015 war dann wieder ein erfolgreiches Jahr für Buffon. Erstmals holte er mit Juve das Double aus Meisterschaft und Pokalsieg. Zudem kamen die Italiener bis ins Champions-League-Finale. Barcelona, angeführt von Lionel Messi, zerstörte jedoch Juves Traum vom Triple. In der darauffolgenden Saison stellte Buffon einen Serie-A-Rekord auf, als er 973 Minuten ohne Gegentor blieb.
Bei der EM 2016 lief es lange gut für Italien, im Achtelfinale schaltete man noch Titelverteidiger Spanien aus, dann kam es im Viertelfinale zum "Duell der Torwartgiganten" mit Deutschlands Manuel Neuer. Sowohl Buffon als auch der DFB-Keeper hatten im Turnierverlauf bis dahin noch kein Gegentor kassiert.
Das Spiel wurde in einem dramatischen Elfmeterschießen entschieden, Deutschland gewann 7:6. Buffon hielt einen Elfmeter von Thomas Müller und war auch am entscheidenden Elfmeter von Jonas Hector dran, konnte ihn aber nicht parieren. Nach dem Ausscheiden flossen Tränen.
Buffon sorgte abseits des Platzes auch für negative Schlagzeilen. So geriet er in den Verdacht, Italiens Neofaschisten nahezustehen. Einmal wegen der Wahl seiner Trikotnummer 88, einem Symbol der Neonazis, davor bereits wegen eines Slogans auf seinem T-Shirt, den die Faschisten zur Zeit Mussolinis gebraucht hatten: "Boia chi molla" (zu Deutsch ungefähr "Zum Henker, wer zurückweicht"). Buffons Erklärung: "Ein Fan hat es mir geschenkt, was weiß denn ich, was das heißt. Damit habe ich nichts zu tun." Später sagte er einmal: "Heute gibt's das Internet und man kann alles schnell kontrollieren. Damals machte ich diesen Fehler."
Ein anderes Mal kam Buffon in Bedrängnis, weil er sich mit einem gefälschten Abiturzeugnis zum Jura-Studium in Parma eingeschrieben hatte. Dabei hatte er die Schule mit 17 Jahren wegen des Fußballs vorzeitig verlassen. Anfang 2001 musste er für seine Urkundenfälschung etwa 3200 Euro Strafe zahlen.
Seine Anhänger sehen über diese Fehltritte jedoch hinweg. "Supergigi" nennen sie ihn. Immerhin vereint ihn ein Hobby mit den Fußballfans: Er sammelt Panini-Bilder. Gegen Albanien absolvierte Buffon im März dieses Jahres sein 1000. Profispiel.
Dreimal stand Buffon im Finale der Champions League, doch gewinnen konnte er es nie. Zuletzt scheiterte er mit Juventus an Real Madrid im Sommer 2017.
Sein letztes Spiel in der Nationalmannschaft war eines der bittersten seiner Länderspielkarriree: In den Playoffs zur Weltmeisterschaft 2018, ein Turnier, das er unbedingt noch spielen wollte, scheiterte Buffon mit Italien an Schweden. Erneut flossen reichlich Tränen.
Nun ist auch bei Juventus Schluss: Nach 17 Jahren im Tor verlässt Italiens Fußball-Star den Klub am Saisonende. Er werde am Samstag seine letzte Partie für Juve spielen, sagte der 40 Jahre alte Torhüter und Kapitän des italienischen Rekordmeisters.