Gili Trawangan: Überreste vom Paradies - DER SPIEGEL
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Zwischen Sand und Müll Zu Besuch auf Gili Trawangan

Vor über 30 Jahren verbrachten Thomas Eglis Eltern einige Tage auf Gili Trawangan - und erzählen noch heute von ihrem Urlaubsparadies. Der Fotograf wollte wissen: Wie sieht es dort heute aus?
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Unberührte weiße Strände, blaues Wasser, atemberaubende Korallenriffe und freundliche Einheimische: So beschreiben die Eltern von Thomas Egli ihren Aufenthalt auf Gili Trawangan im Jahr 1985. Über 30 Jahre später hat ihr Sohn nun diese Erinnerungen mit der Realität verglichen. In seiner Serie "Paradise Island" zeigt der Fotograf, was der boomende Tourismus mit der Insel gemacht hat.

Foto: Thomas Egli
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In den Neunzigjahren schufen die Einheimischen erstmals Unterkünfte auf Gili Trawangan, in denen die wenigen Touristen übernachten konnten. Von 2009 bis 2015 stieg die Zahl der Besucher von 39.000 auf über eine Million pro Jahr rapide an - unter anderem wegen einer direkten Schnellbootverbindung. Jeden Monat entstehen neue Unterkünfte für Touristen.

Foto: Thomas Egli
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"Die Insel ist eine Ansammlung von Verrückten. Diejenigen, die kommen, aber auch diejenigen die hier bleiben, sind alle verrückt. Es ist eine Insel voller Idioten, ernsthaft!", sagt Brian, des Besitzer des Partybootes "Drunken Monkeyz", das er 2013 mit Freunden eröffnet hat. Egli sprach in den sechs Wochen, die er auf der Insel verbrachte, mit vielen Einheimischen und Touristen.

Foto: Thomas Egli
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Auf der Insel leben rund 1000 bis 3000 Menschen. An Silvester ist Gili Trawangan so überfüllt, dass sich Tausende von Menschen auf den Straßen drängen. Egli lenkt die Aufmerksamkeit auf die negativen Auswirkungen, die der Tourismus mit sich bringt, zeichnet mit seinen Fotos ein Bild, das sich so gar nicht mit dem einer Trauminsel vereinbaren lässt.

Foto: Thomas Egli
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Gili Trawangan ist als Partyinsel bekannt. An der Surfbar feiern jedes Wochenende zwischen 500 und 1000 Menschen. Sie gehen am Strand oder im Gebüsch auf die Toilette. Alkohol und Drogen gehören laut Egli zur Normalität - obwohl die Insel eigentlich muslimisch geprägt ist.

Foto: Thomas Egli
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Alle Lebensmittel und sonstigen Güter werden mit dem Boot vom Festland angeliefert. Jeden Tag verlässt ein Boot voll leerer Bierflaschen die Insel.

Foto: Thomas Egli
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Durchschnittlich zehn Tonnen Müll fallen jeden Tag an. Die Einheimischen versuchen, so viel wie möglich zu recyceln, aber der größte Teil des Abfalls wird in die Müllgrube in der Mitte der Insel gebracht.

Foto: Thomas Egli
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Beim Graben eines Lochs für die neuen Klärgruben taucht Abfall auf, der erst vor wenigen Jahren begraben wurde. Die Gruben auf der Insel sind überfüllt, Abwasser fließt ungefiltert ins Meer.

Foto: Thomas Egli
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"Es war unglaublich: kristallklares Wasser und eine riesige Fülle an Fischen in allen möglichen Farben und Formen - einfach wunderbar! Ich hatte so etwas noch nie zuvor gesehen und auch danach nicht mehr", erinnert sich Eglis Vater, der 1985 die Insel besuchte.

Foto: Thomas Egli
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"Die Insel verändert sich nicht in Jahren, sondern in Monaten, Wochen und sogar Tagen", sagt Acok Basso, der Besitzer der Sama Sama Bar, einer der drei Bars, die Einheimischen gehört.

Foto: Thomas Egli
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Die Insel war bekannt für ihre atemberaubende Unterwasserwelt. Doch das Fischen mit Dynamit, rücksichtslose Touristen und Wasserverschmutzung haben viele Korallen getötet.

Foto: Thomas Egli
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Fast alle Bewohner der Insel sind Muslime. Fünfmal am Tag hört man die Rufe des Muezzin. Trotz strenger religiöser Regeln haben viele junge Männer vor Ort laut Egli Affären oder Beziehungen zu westlichen Frauen.

Foto: Thomas Egli
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Der 34-jährige Aladin lebt seit 17 Jahren auf Gili Trawangan und hat die Insel bis auf gelegentliche Besuche bei seiner Familie nie wieder verlassen. Früher arbeitete er in einem Restaurant und verkaufte jegliche Art von Drogen. Aber seit vier Jahren raucht und verkauft er nur noch Marihuana und hat einen Traum: ein Restaurant zu eröffnen und Vater zu werden.

Foto: Thomas Egli
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Von den einst paradiesischen Verhältnissen ist Egli zufolge wenig übrig geblieben. Ein Postkartenmotiv, das man zu Hause an den Kühlschrank hängen kann, bleibt Gili Trawangan trotzdem.

Foto: Thomas Egli
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?