Görlitz Kaufhaus im Dornröschenschlaf
Eine Eingangshalle wie ein Ballsaal: Das Kaufhaus in Görlitz ist eines der besterhaltensten Warenhäuser aus dem frühen 20. Jahrhundert. Es wurde 1913 als "Kaufhaus zum Straußen" eröffnet. Damals galt Görlitz als Destination für vornehme Berliner.
Ein mit Jugendstilornamenten bemaltes Glaskuppeldach überspannt den Lichthof. Zur Eröffnung 1913 bot das Kaufhaus einen Konfektions- und einen Orientsaal. Das Warensortiment entsprach dem in den damaligen Metropolen.
Das Kaufhaus wurde dem legendären Warenhaus Wertheim in Berlin nachempfunden. Das Gebäude enthält Jugendstil-Elemente, wird aber dem Historismus zugerechnet.
Heute liegt eine dicke Staubschicht auf den Kronleuchtern im Kaufhaus. Nach der Wiedervereinigung übernahmen Karstadt und Hertie das Haus. Doch Hertie ging pleite und das Kaufhaus wurde 2009 geschlossen.
Allerdings war das Kaufhaus nicht komplett geschlossen. Corinna Schneider führte in einer Ecke der Eingangshalle eine Parfümerie-Filiale weiter. Sehr zur Freude von Touristen, die so einen Blick ins Innere erhaschen konnten.
Der jetzige Besitzer will an die gute alte Zeit anknüpfen. Inzwischen wird im Kaufhaus gebaut. Der Unternehmer Winfried Stöcker hat das Gebäude im Sommer 2013 gekauft. Er will ein exquisites Warenhaus in Görlitz schaffen.
Selbst auf der Baustelle ist die Faszination des alten Kaufhauses noch zu spüren. Der Staub auf dem Treppengeländer weckt nostalgische Gefühle.
Der Investor will das Gebäude behutsam restaurieren, um ihm seinen Charakter als historischer Einkaufstempel zurückzugeben.
Nach der Wiedervereinigung übernahmen westdeutsche Konzerne das Haus. Bis 2009 betrieb Hertie das Kaufhaus. Dann ging der Konzern pleite und mit dem Ausverkauf in Görlitz (hier ein Bild vom August 2009) war vorerst auch das Ende des Görlitzer Kaufhauses gekommen.
Das historische Görlitz ist ein beliebtes Touristenziel. Doch wirtschaftlich steht es um die Region schlecht. Görlitz hat eine Arbeitslosenquote von 12 Prozent, die Stadt ist Schlusslicht bei der Kaufkraft in Deutschland, es ziehen mehr Menschen weg als geboren werden.
Wer durch die Pflasterstein-Gassen geht, vorbei an den sorgfältig restaurierten Häusern, den beschleicht das Gefühl, er spaziere durch eine Kulisse. Die Straßen sind oft menschenleer und alles ist so adrett, dass die Stadt wie ein Museum wirkt.
Die Görlitzer Kulisse nutzen auch Filmemacher. Wes Anderson drehte im leerstehenden Kaufhaus seinen Film "Grand Budapest Hotel".
Im obersten Geschoss des Kaufhauses sind noch Überbleibsel der Dreharbeiten zu finden.