Gordon Brown Abgang eines Underdogs
Gordon Brown wurde 1951 in Glasgow geboren. Er wuchs in der Arbeiterstadt Kirkcaldy auf, studierte später Geschichte und hatte nach dem Master-Examen bis 1975 das Ehrenamt eines Rektors der Universität Edinburgh inne. Später arbeitete er als Journalist. Seit Studentenzeiten war er Mitglied bei der Labour-Partei und schaffte 1983 den Sprung ins Unterhaus.
Im Unterhaus teilte er sich ein fensterloses Büro mit einem anderen Neuling: Tony Blair. Zusammen entwickelten sie eine moderne Vision der alten Arbeiterpartei. Die Tony-und-Gordon-Show begann: hier der mürrische Prediger und Zahlenakrobat Brown, dort der rotwangige Anwalt und Charmeur Blair. "Sie sind der Lennon und der McCartney der britischen Politik", schrieb der Soziologieprofessor Anthony Giddens.
1997 gewann Labour die Wahlen - Blair wurde Premierminister, Brown Schatzkanzler. In seiner neuen Funktion entließ Brown als erstes die Bank von England in die Unabhängigkeit, er stabilisierte die öffentlichen Haushalte.
Doch Harmonie gab es selten. Blair hielt sich auch nicht an die Abmachung, dass Brown nach zwei Amtszeiten sein Nachfolger werden würde. Er zögerte die Entscheidung lange hinaus.
2007 endlich konnte Gordon Brown das Image des ewigen Zweiten abschütteln: Er wurde Premierminister. Er will sich als kompetenter Ökonom präsentieren, doch dann kommt die Krise: Die Arbeitslosigkeit steigt, der Schuldenberg wächst noch höher.
In der Wahl hat Brown die Quittung kassiert für die Gesamtbilanz von 13 Jahren Labour-Regierung. Seine Partei ist ausgebrannt und zerstritten - und er konnte sich von vornherein nur wenig Chancen auf einen Wahlsieg ausrechnen.
Sein Wahlkampf verlief uninspiriert und unglücklich. In allen drei TV-Debatten schnitt Brown beim Publikum als schlechtester der Kandidaten ab.
Labour ist im Unterhaus nur zweitstärkste Kraft geworden - theoretisch hätte Brown noch Chancen aufs Weiterregieren gehabt, da keine Partei die absolute Mehrheit erreicht hat. Dazu hätte er aber die Unterstützung der Liberaldemokraten und Unabhängigen benötigt.
Die Ära von "New Labour" endete mit den Worten "Danke und auf Wiedersehen": Fünf Tage nach der verlorenen Wahl trat Gordon Brown zurück - als Premier und Labour-Chef.
Sein letzter Akt als Premierminister: Gordon Brown reichte bei Queen Elizabeth II. im Buckingham Palace seinen Rücktritt ein. Sie nahm an und bat umgehend den konservativen David Cameron, Browns Nachfolge anzutreten.