Fraktionschef Gregor Gysi Nach zehn Jahren ist Schluss
Gregor Gysi - er ist der Star der Linken.
Seit fast zehn Jahren ist er Fraktionschef der Linken im Bundestag. Seit 2013 darf er sich Oppositionsführer nennen: Im aktuellen Bundestag hat seine Partei einen Sitz mehr als die Grünen.
Jetzt hat er seinen Rückzug angekündigt: Dies sei das letzte Mal, dass er als Fraktionschef auf einem Parteitag spreche, sagte er am Sonntag vor den Linken-Delegierten in Bielefeld.
Anwalt Gysi begann seine Parteikarriere gleich nach dem Mauerfall, im Dezember 1989. Damals übernahm er noch den Vorsitz der DDR-Einheitspartei SED, aus der kurz darauf die SED-PDS wurde.
Nach und nach - unabhängig von den jeweiligen Parteinamen - gehörte Gysi (hier noch ein Bild von 1989) dann zum Spitzenpersonal von PDS, Linkspartei und schließlich der Linken.
Der damalige PDS-Politiker 1999 in Berlin-Niederschönhausen: Mit seiner dreijährigen Tochter Anna und seiner Frau Andrea Lederer geht er bei 1999 geht er zur Abstimmung für die Abgeordnetenhauswahlen. Von der früheren PDS-Abgeordneten ist er mittlerweile geschieden.
Gysi 2008 in der Traditionsgaststätte "Zur letzten Instanz" in Berlin-Mitte mit den DDR-Kritikern Andrej Bahro (r.) und Florian Havemann (l.). Ab 1971 arbeitete Gysi als einer der wenigen niedergelassenen Rechtsanwälte in der DDR, er vertrat später auch prominente Oppositionelle wie Bahro und Havemann. Noch aus dieser Zeit rührt die Debatte, ob Gysi als Informeller Mitarbeiter (IM) für die Stasi Mandanten bespitzelt hat. Gysi selbst bestreitet dies vehement. Im Zusammenhang mit den Vorwürfen ermittelt in Hamburg aber immer noch die Staatsanwaltschaft.
Immer wieder machte Gysi die Gesundheit zu schaffen. Er hat drei Herzinfarkte, einen Hörsturz und eine Hirnoperation hinter sich.
Gysi und seine Stellvertreterin Sahra Wagenknecht: Die prominente Vertreterin des linken Flügels wollte eigentlich Gysi beerben. Doch dann erklärte sie Anfang März, sie wolle nicht Chefin der Linken-Fraktion werden.
Auch die Parteivorsitzende der Linken, Katja Kipping, will im Herbst nicht an die Spitze der Bundestagsfraktion wechseln. "Ich stehe als Fraktionsvorsitzende nicht zur Verfügung."
Gysi umwirbt anders als Wagenknecht die SPD, hier eine Aufnahme aus dem Bundestag mit Parteichef Sigmar Gabriel. Gysi hatte die Linke zuletzt aufgefordert, für ihre Regierungsfähigkeit zu Zugeständnissen an SPD und Grüne bereit zu sein. Wagenknecht widerspricht im aktuellen SPIEGEL: Ein Bündnis mit den Sozialdemokraten im Bund sei erst denkbar, wenn "da wieder Leute an die Spitze kommen, die sich nicht damit abfinden wollen, dass ihre Partei auf jeden politischen Gestaltungsanspruch verzichtet".