Grenzerfahrung - DER SPIEGEL
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Grenzerfahrung "Wer hier nicht irre wird, hat 'ne Macke"

Ein Leben wie im Film: Als Wehrpflichtiger an der innerdeutschen Grenze erlebte Holger Jancke den Irrsinn des Kalten Krieges. Seine Erinnerungen boten den Stoff für eine bitterböse Groteske - 20 Jahre nach dem Mauerfall läuft sie in den Kinos.
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Deutsch-deutsche Debakel: Vor den Genossen muss er Rechenschaft ablegen. Der Drucker-Lehrling Christian Blank (Rainer Frank) will seiner Jana zeigen, wie sehr er sie liebt. Leider führt das zur Vernichtung von vielen Tonnen Papier und Kupfer - Materialien, die für Devisen aus dem Westen importiert werden mussten. Blank ist der festen Überzeugung, dass ihn dieser Fauxpas an die Grenze bringt. Szene aus "Drei Stern Rot". Der reale Hintergrund ist der Milliardenkredit, den die Bundesrepublik 1983 der chronisch klammen DDR bewilligte. Eine Bedingung für den Kredit war die Räumung der Minen an der deutsch-deutschen Grenze. Daraufhin wurden viel mehr junge Männer als bislang zu den Grenztruppen einberufen - so auch der Drehbuchautor Holger Jancke.

Foto: Ringo Rösener/Hoferichter & Jacobs GmbH
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Grenztafel: Dahinter warten die Grenzer der DDR.

Foto: Jörg Kramer
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Das Grauen auf zwei Beinen: Major Mirco Nattenklinger (Dietmar Mössmer) ist der personifizierte Alptraum des Grenzers Christian Blank. Er ist ein Dämon, ein Widergänger, ein fleischgewordenes Trauma und steht für das seelische Dilemma so mancher DDR-Soldaten, die unfreiwillig an der Grenze dienen mussten. Szene aus "Drei Stern Rot".

Foto: Ringo Rösener/Hoferichter & Jacobs GmbH
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Vor dem ersten Mal: Christian Blank (Rainer Frank) und seine Kameraden warten auf ihren ersten Grenzdienst in Ödeleben - der sarkastische Nachklang der echten Grenzerkaserne Hötensleben (Sachsen-Anhalt). Heute steht dort einer der letzten Teile der Mauer und erinnert an den sogenannten Antifaschistischen Schutzwall. Szene aus "Drei Stern Rot".

Foto: Ringo Rösener/Hoferichter & Jacobs GmbH
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Zigarettenpause: Alltag der Grenzer - Zwischen Anspannung und Langeweile.

Foto: Archiv Grenzmuseum Schifflersgrund
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Hauptmann Dreifalt und der Einsatzplan: Wer würde mit wem fliehen? Wer wird wen davon abhalten? Welche zwei Soldaten kann man bedenkenlos gemeinsam an die Grenze stellen? Hauptmann Dreifalt (Victor Schéfe) versucht das Problem auf dem Schachbrett zu lösen, doch steht er immer kurz vor der Verzweiflung. Szene aus "Drei Stern Rot".

Die Grenzdienstplanung bedeutete immer auch Koordinierung von Misstrauen. Der Regisseur Olaf Kaiser bringt es mittels dieses Paranoia-Spiels auf den Punkt.

Foto: Ringo Rösener/Hoferichter & Jacobs GmbH
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Selbstschussanlage: Grenzsicherung gegen Aus- und Einbruch.

Foto: dpa
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Schusswaffengebrauchsbestimmung: Ein Schuss fiel am Grenzzaun. Keiner der Rekruten kann sagen, warum oder gar auf wen geschossen wurde, aber das Fehlen der Patrone lässt sich nicht bemänteln. Nun sitzen sie in der relativen Zuflucht ihrer Soldatenstube und basteln an einer wahnwitzigen Erklärung: Die DDR-Grenztruppen erzeugten Berge von Akten mit oftmals absurdem Inhalt.

Szene aus "Drei Stern Rot".

Foto: Ringo Rösener/Hoferichter & Jacobs GmbH
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Damenbesuch in der Kaserne: Jana (Meriam Abbas) schlug sich durchs Grenzgebiet, um ihre große Liebe Christian Blank in der Kaserne zu besuchen. Szene aus "Drei Stern Rot".

Wehrpflichtige Grenzsoldaten dienten in der DDR immer weitab von ihren Heimatorten. Sie erhielten in 545 Tagen Dienst insgesamt nur 18 Tage Urlaub. Die meisten Beziehungen zerbrachen daran. Zivilisten war es verboten, die im Sperrgebiet liegenden Grenzerkasernen zu besuchen. Jana tat es dennoch.

Foto: Ringo Rösener/Hoferichter & Jacobs GmbH
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Was am Ende bleibt: Was bleibt am Ende, außer Erinnerungen, die man vergessen wollte? Eine Statistenrolle in einem Film über die Mauer lässt das Verdrängte in Christian Blank (Rainer Frank) explodieren. Er muss sich der Vergangenheit stellen, denn sie verfolgt ihn immer noch: Einmal Grenzer, immer Grenzer!

Aus: "Drei Stern Rot"

Foto: Ringo Rösener/Hoferichter & Jacobs GmbH
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?