Groschenromane - DER SPIEGEL
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Groschenromane Die Welt für fünfzig Pfennig

Verdammt cool, niemals müde, unsterblich: Perry Rhodan, Jerry Cotton oder John Sinclair kämpfen seit Jahrzehnten gegen fiese Dunkelmänner - und die Leser lieben sie dafür. Auch wenn es oft eine heimliche Liebe ist. Von Johanna Lutteroth
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Der Allroundman: Ähnlich wie James Bond setzte Frank Kenney alle Mittel, die die moderne Technik seiner Zeit zu bieten hatte, im Kampf gegen das Böse ein: Er besaß ein Taschenmesser mit hunderten von Anwendungsmöglichkeiten, eine Pistole, die Miniraketen abschoss und eine Vielzweckarmbanduhr, mit der er unter anderem fotografieren konnte. Frank Kenney hatte für den Notfall ein Dynamitdepot in einem hohlen Zahn und trug einen Sender im Schuhabsatz, um immer aufspürbar zu sein. Die Abenteuer, die er erlebte, trugen so verheißungsvolle Titel wie: "Eisberge bedrohen New York", "Invasion vom vierten Mond" oder "Retortenriesen schrecken Europa". Frank Kenney erschien zwischen 1949 und 1951.

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Der blutrünstige Abenteurer: Zusammen mit seinem Freund Jan Tim erlebte Bill Rocky wilde Abenteuer in Brasilien, Sibirien, Mexiko, Kanada und vielen anderen Orten der Welt. Die Hefte waren extrem brutal und scheuten auch vor drastischen Schilderungen von Gewalt nicht zurück. Es erscheint fast absurd, dass der Verlag seinen Lesern als Extra zu Weihnachten ein Luftgewehr mit Kipplauf anbot. Kostenpunkt 20 Mark.

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Der Erbe von Atlantis: Bis 1945 war "Sun Koh - Der Erbe von Atlantis" in drei Auflagen erschienen. 1949 wurde die Serie dann neu aufgelegt. Sun Koh gilt als Vorläufer von Perry Rhodan, obwohl er niemals ins Weltall gereist ist.

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Der Retter der Welt: Im ersten Heft landet Perry Rhodan auf dem Mond und findet dort ein außerirdisches Raumschiff, das den Arkoniden gehört. Zum Glück. Denn mit Hilfe arkonidischer Technik kann er im zweiten Heft die Erde vor dem dritten Weltkrieg bewahren.

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FBI-Agent mit Kultstatus: 1954 ermittelte Jerry Cotton zum ersten Mal. Seither geht er jede Woche aufs Neue gegen das organisierte Verbrechen in New York vor. Jerry Cotton ist einer der Groschenhelden mit unangefochtenem Kultstatus. Auch heute noch. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Serie war das amerikanische Umfeld des Helden. FBI, New York - der Leser hatte die Chance, die USA besser kennenzulernen. Das kam offensichtlich gut an, wie das hier abgebildete Heft aus dem Jahr 1967 zeigt. Es bot viele Extras: Ein Stadtplan von Manhatten, einen Führer durch New York und die Geschichte des FBI.

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Abenteuer im Weltall: 1957 legte der Moewig-Verlag seine erste Science-Fiction-Serie auf. Im Gegensatz zu den klassischen Heftserien hatte diese Serie keinen feststehenden Titelhelden, der in jedem Heft neue Abenteuer erlebte. Jedes Heft hatte eine eigene, unabhängige Geschichte. Zwischen 1957 und 1968 erschienen 555 Science-Fiction-Geschichten.

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Die erste Deutsche Science-Fiction-Serie: "Jim Parkers Abenteuer im Weltraum" war die erste deutsche Science-Fiction-Serie. Sie kam 1953 auf den Markt und lief unter dem Titel Utopia-Zukunftsromane. Bis 1957 rettete Jim Parker in den Utopia-Romanen des Pabel-Verlags die Welt vor giftigen Meteoriten, Kometen und bedrohlichen Ufos. Dann verschwand er von der Bildfläche, die Utopia-Zukunftsromane taten es nicht. Bis 1968 erschienen 596 Utopia-Zukunftsromane, die ähnlich wie die Terra-Hefte eigenständige Geschichten erzählten. Als der Moewig-Verlag 1959 titelte "Utopia stirbt..." reagierte der Pabel-Verlag sofort: "Nichts Gutes kam von Terra", hieß es auf der Nr. 160 aus dem Jahr 1959.

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Der unorthodoxe Westernheld: Bei Billy Jenkins ging es nicht nur um einfache Postkutschenüberfälle und Viehdiebstähle wie in den anderen Western. Er legte Falschmünzern, Autobahnräubern und hinterhältigen Verbrechern, die sogar Drogen und Pestbazillen einsetzten, das Handwerk. Die Reihe erschien erstmals 1949 im Uta-Verlag und hielt sich insgesamt 14 Jahre. Um den Leser glauben zu machen, es handele sich bei den Geschichten um Tatsachenberichte, veröffentlichte der Verlag auf den Innenseiten des Covers Fotos des Helden. Deswegen ist Billy Jenkins auch einer der wenigen Groschenhelden, die altern durften. In einer der späten Ausgaben ist er im Straßenanzug abgebildet und sieht wie ein älterer Herr aus - nicht wie ein Westernheld.

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Geburtsstunde der Science-Fiction-Magazine: 1955 brachte der Pabel-Verlag den ersten Utopia-Sonderband und damit das erste deutsche Science-Fiction-Magazin auf den Markt. Es umfasste Kurzgeschichten, Fotos und themenspezifische Artikel. Die Utopia-Magazine, die anfangs noch Sonderband hießen, waren ein Pantheon der Science-Fiction-Literatur. Alle namhaften Autoren kamen hier zu Wort. 1959 wurde das Magazin eingestellt.

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Neu aufgelegte Bestseller: Im September 1962 brachte der Moewig-Verlag eine neue Serie auf den Markt, in der die Bestseller Terra-Romane neu aufgelegt wurden. Diese neue Reihe hieß Terra-Extra und erschien im Wechsel mit den normalen Bänden der Terra-Romane. Sechs Jahre nach der ersten Auflage wurde diese Reihe eingestellt.

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Der spanische Robin-Hood: Im Herbst 1949 brachte der Kleinbuch-Verlag die erste deutsche Ausgabe der spanischen Heftserie Coyote heraus. Verglichen mit den anderen Romanheften war Coyote extrem teuer. Statt der üblichen 40 oder 50 Pfennige kosteten die Hefte eine Mark. Der Verlag begründete den hohen Preis mit allerlei Extras, die Coyote bot: Kurzgeschichten, Reiseberichte, Reportagen und Rätsel. Schon früh versuchte der Verlag, die Leser mit Merchandising-Maßnahmen an die Reihe zu binden. Es gab den Coyote-Club, Coyote-Festspiele und später Coyote-Bücher. Hier ist eine Ausgabe aus der spanischen Heimat von Coyote zu sehen.

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Epigone von Perry Rhodan: Ren Dhark ist insofern eine interessante Serie, als der Martin-Kelter-Verlag mit dieser Figur Perry Rhodan den Rang streitig machen wollte. Ohne Erfolg. 1966 erschien "Rhen Dark- Weg ins Weltall" zum ersten mal. Bereits zwei Jahre später wurde das Heft eingestellt, weil die Verkaufszahlen zu stark gesunken waren.

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Unangefochtener Spitzenreiter: 1961 kam das erste Perry-Rhodan-Heft mit dem Titel "Unternehmen Stardust" auf den Markt. Es hatte eine recht bescheidene Auflage von 35.000 Heften. Doch schon nach der 13. Ausgabe war klar, dass Perry Rhodan auf eine unerwartet positive Resonanz stieß. Mittlerweile sind rund eine Milliarde Perry-Rhodan-Hefte verkauft worden. Es ist die erfolgreichste und meistverkaufte Groschenheftserie. Noch immer erscheint jede Woche ein neues Heft. Die aktuelle Auflage liegt bei 135.000 Stück.

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John Sinclair: Das Cover von John Sinclair Nr. 1 (1. Auflage, Bastei Verlag).

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