Großbritannien Wahlkampf virtuell
Gordon Brown: Der noch amtierende Premier ist Mr. 31 Prozent, wenn man aktuellen Umfragen glauben kann. Zeitweilig sah es so aus, als ob Labour chancenlos in den Wahlgang ginge, was ...
... nicht nur an den äußerst schmerzhaften Auswirkungen der Wirtschaftskrise lag, sondern auch an der zunehmend kritisch gesehenen Verstrickung des Brown-Vorgängers Tony Blair in die Irak-Politik des amerikanischen Ex-Präsidenten George W. Bush. Dazu kamen interne Krisen um Spesenabrechnungen und Selbstbegünstigungen von Labour-Funktionären, ...
... die die Glaubwürdigkeit der Regierung Brown weiter erschütterten. Zuletzt aber konnte Brown wieder deutlich zulegen, auch ...
... weil sein jugendlicher Herausforderer David Cameron (aktuelle Umfragewerte: um 37 Prozent) schwächelte. Die Tories, die unter Camerons Ägide eine ganz erhebliche Verjüngungskur hinter sich brachten, haben vor allem ...
...programmatisch ein Problem: Sie leben eher vom Image der erneuerten Partei als von konkreten, stringend vertretenen Positionen. Typisch für britische Wahlkämpfe tritt nun kurz vor dem Stichtag auch die Klassenfrage wieder in den Vordergrund: Cameron wird als "posh boy", als reicher Knabe aus gutem Hause verspottet. Und in Krisenzeiten drohender Einschnitte ...
...gewinnen solche sozialen Fragen wieder an Gewicht: Cameron hält dagegen und setzt nicht zuletzt auf seine mediale Präsenz. Im TV dürfte er punkten, wie er allerdings auf den interaktiven Rückkanälen von Web und Twitter wegkommt, ist unberechenbar: Das Netzpublikum ist eher selten konservativ. Dort ...
... könnte am Ende sogar Nick Clegg (aktuelle Umfragewerte: um 20 Prozent) punkten: Der jugendliche Liberale (Jahrgang 1967) vertritt zahlreiche Positionen, die einst Labour für sich reklamierte - vor allem in der Sozial-, Steuer- und Gesundheitspolitik. Zeitweilig gelang es Cleggs Liberalen, ...
... sogar Labour in den Umfragewerten zu überholen. Von früheren Regierungs-Involvements unbeschadet könnte Clegg vor allem in den Bürgeräußerungen per Internet besser wegkommen als seine Konkurrenten: Das Spiel auf der Klaviatur der Medien beherrscht der ehemalige Journalist. Am Ende des Wahltages könnte Clegg zum Königsmacher werden.