Grubenkatastrophe Luisenthal Feuerhölle in 600 Metern Tiefe
Katastrophe: Unmittelbar nach dem Unglück in der saarländischen Grube Luisenthal warten drei Kumpels auf Nachricht. Gegen 7.45 Uhr hatte sich 600 Meter unter der Oberfläche Methangas entzündet - Schlagwetterexplosion nennen das die Bergleute. 299 Menschen starben, die meisten jedoch nicht an Verbrennungen, sondern an Gasvergiftungen.
Schockierte Kollegen: Um 15.20 Uhr, siebeneinhalb Stunden nach dem Unglück, sind Kumpel der Grube Luisenthal zu sehen. Der Schock steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Überlebende Bergarbeiter traumatisierte die Katastrophe fürs Leben. Johann Rausch, der trotz seiner Verletzungen den ganzen Tag weiterarbeitete, spricht bei einestages über den Anblick zweier Bergleute,...
Reiner Oettinger
...die mit schwersten Verbrennungen aus der Tiefe geholt wurden: "Niemals werde ich diesen Anblick vergessen." Man könne nicht mit Worten beschreiben, "wie verbrannte Menschen aussehen".
Keine Wunder: Ein Rettungswagen mit Saarbrücker Kennzeichen im Einsatz in Völklingen, Tausende stehen am Straßenrand. Doch die Hoffnung auf ein Wunder erfüllte sich für die allermeisten Angehörigen nicht. "Man fand fast nur Tote", erinnert sich Gerhard Thurn im Gespräch mit einestages. Thurn hatte als Ortskundiger den Rettungskräften in den Stollen und Gängen den Weg gewiesen.
Kumpels vor der Zeche: Wenngleich es die schwerste Bergwerkskatastrophe in der Geschichte der Bundesrepublik war, die sich vor 50 Jahren in Luisenthal ereignet hatte, geriet die Tragödie nahezu in Vergessenheit. Anders als beim Unglück in Lengede, wo 1963 noch Tage später Verschüttete geborgen wurden, gab es in Luisenthal kein "Wunder".
Anteilnahme: Bergarbeiter aus ganz Deutschland verfolgten in den Zeitungen das Schicksal ihrer Berufskollegen. Hier lesen zwei Steinkohlekumpel aus Zwickau vor Schichtbeginn die neuesten Nachrichten von der Katastrophe.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-90406-0001
Prominente Bestürzung: Zur zentralen Trauerfeier am 10. Februar kam auch Bundespräsident Heinrich Lübke, Mitte. Rechts neben ihm sitzt Saarlands Ministerpräsident Franz-Josef Röder, rechts außen im Bild hat Ludwig Erhard, Vizekanzler und Wirtschaftsminister, Platz genommen. Doch nicht nur die deutsche Politikprominenz kondolierte - auch US-Präsident John F. Kennedy und Papst Johannes XXIII. schickten Beileidsbekundungen ins Saarland.
Beisetzung: 299 Menschen waren bei dem Unglück in der Grube Luisenthal ums Leben gekommen, doch die Ursache der Explosion konnte nie geklärt werden. War es eine kaputte Kopfleuchte oder doch eine verbotenerweise angezündete Zigarette? Vor dem Landgericht Saarbrücken waren 1964 13 Männer wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Doch der Prozess endete mit Freisprüchen.
Schmerz der Hinterbliebenen: 222 Ehefrauen hatten bei der Katastrophe ihren Mann verloren, 354 Kinder ihren Vater. Das Foto wurde auf der zentralen Trauerfeier am 10. Februar 1962 aufgenommen.
Hoffen und Bangen: War zunächst nur von elf Opfern die Rede gewesen, stieg die Zahl in den Stunden nach der Katastrophe rasch auf 240. Erst am Morgen nach dem Unglück wurden die Listen der Toten herausgegeben.
Gedenkstätte: 1965 wurde für die Opfer des Grubenunglücks das Denkmal der Heiligen Barbara in der Nähe von Völklingen errichtet.
Eine Stadt in Trauer: Eine Fahne vor der Grube Luisenthal wurde in Gedenken an die Opfer auf Halbmast gesetzt.
Die wenigen Überlebenden der Katastrophe kämpfen heute noch mit den Erinnerungen an das tragische Unglück: "Die Sache holt mich immer wieder ein", erzählt der damals erst 17-jährige Bergwerkslehrling Harmut Warken.
Erinnerung an den "Schwarzen Tag": Zum ersten Jahrestag der Katastrophe wurden auf dem Bergwerksgelände am Gedenkstein für die fast 300 Opfer Kränze niedergelegt.