Grünen-Gründer 1979 - DER SPIEGEL
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Grünengründer 1979 Alles kleine Missionare und ein Nazi

"Sie waren alle kleine Missionare, viele Egozentriker, Spinner und Blödmänner" - so beschreibt es einer, der dabei war. Mitte März 1979 gründete sich in Frankfurt eine "Sonstige Politische Vereinigung" und nannte sich "Die Grünen".
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Flower Power: Die Grünen verstanden sich von Anfang an als europäisches Projekt. Anfang April 1979 in Brüssel. Vorn: Roland Vogt (deutsche Liste, die Grünen); mittlere Reihe v.l.n.r.: Joseph Beuys, Manfred Siebker (Grüne), Solange Fernex (französische Liste "Europe Ecologie"), Baldur Springmann (Grüne), Gerda Degen (Grüne), Marco Panella (italienische Partito Radicale); hintere Reihe v.l.n.r.: Marc Dubrulle (flämische Liste) und Merete Mattern (Grüne); Luc Versteylen (flämische Liste); Petra Kelly, Wilhelm Knabe, Milan Horacek (Grüne), Jonathan Tyler (britische Ecology Party); Maurits Henkemann und Ad Melkerts (niederländische Politieke Partij Radikalen). und Gerda Degen (Grüne), Marco Panella Das Programm der Deutschen war denn auch anfangs nicht in Grün, sondern blau.

Foto: Heinrich-Böll-Stiftung/ Archiv Grünes Gedächtnis
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Hauptquartier in Bonn: Schräg gegenüber des Konrad-Adenauer-Hauses der CDU; auf der gleichen Seite der Friedrich-Ebert-Allee wie das Ollenhauer-Haus der SPD; hier residierte die Grüne Aktion Zukunft (GAZ) des Ex-CDU-Bundestagsabgeordneten Herbert Gruhl. In dem Bungalow konnte die frisch gegründete "Sonstige Politische Vereinigung Die Grünen" mehrere Räume übernehmen und eine Bundesgeschäftsstelle einrichten.

Foto: Michael Sontheimer
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Die Jeanne d'Arc der Anti-Atombewegung: Petra Kelly, geboren 1947 im bayerischen Günzburg, studierte in den USA und arbeitete von 1972 bis 1982 für die Europäische Kommission in Brüssel. 1979 trat sie aus der SPD aus. Sie zählte zunächst nicht zu den Prominenten unter den grünen Parteigründern, wie Rudi Dutschke oder Joseph Beuys, aber die ebenso rastlose wie ehrgeizige Verwaltungsrätin hatte eine Mission. Sie predigte gegen den Atomstaat und die Risiken der Kernenergie. Hier bei einem Wahlkampfauftritt am 18. Mai 1979 auf dem Münchner Marienplatz. Später wurde sie in den Bundestag gewählt, aber isolierte sich bei den Grünen und kam 1992 in Bonn mit ihrem Lebensgefährten Gert Bastian durch dessen Pistole zu Tode. Die genauen Umstände ihres Todes konnten nie aufgeklärt werden.

Foto: Heinrich-Böll-Stiftung/ Archiv Grünes Gedächtnis
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Frauenpower: Eva Quirstorp, Pfarrerstochter vom Niederrhein, knallrote Haare, war 1967 in Westberlin in die Studentenbewegung geraten und brachte den Feminismus in die neue Partei. Sie lernte Petra Kelly 1978 auf einer Anti-Atomkonferenz in Dublin kennen und kandidierte im Frühjahr 1979 auf der Liste der Grünen für das Europaparlament.

Foto: ullstein bild/ Gisbert Paech
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Am Anfang war das Atom: Eine entscheidende Rolle bei der Gründung der Grünen spielten Bürgerinitiativen, die sich gegen den Bau von Atomanlagen zur Wehr setzten. Die Lehrerin Gerda Degen, geboren 1907, aus Moers kam von einer Bürgerinitiative gegen den in Kalkar geplanten "Schnellen Brüter" zu den Grünen - hier im Frühjahr 1979 in der Bonner Geschäftsstelle.

Foto: Michael Sontheimer
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Der Rote Rudi: In den Sechzigerjahren Kopf und Stimme der Studentenbewegung wurde Rudi Dutschke Ostern 1968 in Westberlin von einem Neonazi angeschossen und schwer verletzt. Mit seiner Familie hatte er im dänischen Ahaus eine neue Heimat gefunden, doch für die Gründung der Grünen kam er häufig nach Deutschland. Der Rote Rudi wurde grün, ging von der Klassenfrage zur Gattungsfrage über. Dutschke war von Anbeginn ein einflußreicher Teilnehmer an den Diskussionen über die Gründung einer linken, ökologischen Partei - hier 1979 bei einer Wahlkundgebung der Bremer "Grünen Liste".

Foto: Werner Schilling/ picture alliance / Werner Schilling/dpa
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"Jeder ist ein Künstler", hatte er gesagt. Dann ist auch jeder ein Politiker. Der Düsseldorfer Kunstprofessor Josef Beuys war eine wichtige Figur bei der Gründung der Grünen. Durch Beuys fand auch der Landwirt und Soziologe Lukas Beckmann zu den Parteigründern. Auf dem Gründungstreffen der "Sonstigen Politischen Vereinigung Die Grünen" zählte er zur kleinen Delegation der Freien Internationalen Universität, die Beuys zusammen mit Heinrich Böll und anderen gegründet hatte. Im Frühjahr 1979 organisierte Beckmann von Bonn aus den Wahlkampf für die ersten Direktwahlen zum Europaparlament.

Foto: imago/ Sven Simon
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Der Dissident: Milan Horacek, geboren 1946, war 1968 nach der Niederschlagung des "Prager Frühlings" aus der Tschechoslowakei in die Bundesrepublik geflüchtet und hatte sich in Frankfurt mit linksradikalen Spontis und Gewerkschaftern angefreundet. Der wuchtige Mann mit dunkler Löwenmähne und Vollbart unterstützte Dissidenten in seiner Heimat und sorgte dafür, dass die Grünen sich von Anfang an mit Oppositionellen in Osteuropa solidarisierten.

Foto: imago/ Sven Simon
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Gruppenbild mit Dame: Als die Grünen gegründet wurden, gab es offenkundig noch keine Frauenquote und in der neuen Partei dominierten die Männer: Mitglieder des Vorstands (von rechts nach links): August Haußleiter (hinten), Norbert Mann, Herbert Gruhl, Gisela Schuetter, Dietrich Plagemann, Karl Kerschgens und Alfred Vordermeier.

Foto: ASSOCIATED PRESS
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Stunde der Wahrheit: Am Abend des 10. Juni 1979, dem Abend der ersten Direktwahl zum Europäischen Parlament, versammelten sich Kandidatinnen und Anhänger der Grünen in der Bonner Geschäftsstelle, um gemeinsam auf die Ergebnisse zu warten. Die Sonstige Politische Vereinigung erreichte 3,2 Prozent der Stimmen. kam aber wegen der damals geltenden Fünfprozenthürde nicht ins Europaparlament: Herbert Gruhl (vorne links), Petra Kelly, Milan Horacek (zweiter von rechts).

Foto: Michael Sontheimer
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Protestpartei: Am 17. Juli 1979 bei der Eröffnungssitzung des Europäischen Parlaments in Straßburg, dem die Grünen nicht angehörten, gingen ein paar von ihnen dennoch in den Plenarsaal. Sie demonstrierten gegen die ihrer Meinung nach undemokratische Fünfprozenthürde: Petra Kelly (2. von links) und Solange Fernex (rechts daneben) von der französischen grünen Liste "Europe Ecologie", versuchten an der Besuchertribüne Plakate zu befestigen - was Saaldiener verhinderten.

Foto: Heinrich-Böll-Stiftung/ Archiv Grünes Gedächtnis
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Vorläufer: Carl Beddermann gehörte zu den Initiatoren der Umweltschutzpartei Niedersachen (USP), die sich am 11. Mai 1977 in Schwarmstedt zur Gründungsversammlung traf. Sie vereinigte sich mit der Grünen Liste Umweltschutz (GLU), die 1978 bei Landtagswahlen bereits 3,8 Prozent holte. Beddermann - von Beruf Oberregierungsrat - trat allerdings bald wieder aus, und machte bei der Gründung der Grünen nicht mit, weil ihn der wachsende Einfluss der von ehemaligen Maoisten durchsetzten Bunten Listen störte.

Foto: imago/ Sven Simon
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Bürgerliche Männer: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Herbert Gruhl war einer der ganz wenigen etablierten Politiker, der frühzeitig die Bedeutung der ökologischen Frage erkannte und eine Energiewende forderte, weg von den begrenzten fossilen, hin zu alternativen erneuerbaren Energien. Gruhl trat aus der CDU aus, weil er in den Reihen der konservativen Partei als Spinner angesehen wurde, und initiierte im Juli 1978 die Grüne Aktion Zukunft (GAZ). Hier zwei Tage nach der Gründung in Bonn (von links nach rechts): Bernd Faust, Eberhard Griksch, Eberhard Büb, Heimbrecht v. Mengershausen, Herbert Gruhl, Heinz Kaminsky, Eckehard Girschick, Walter Baumhauer. Die GAZ bekam 150 von 500 Delegiertenplätzen für das Treffen zur Gründung der "Sonstigen Politischen Vereinigung Die Grünen" am 17. März 1979 in Frankfurt.

Foto: imago/ Sven Simon
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Der Mann mit dem Hut: Einer der wenigen bekannten Protagonisten bei der Gründung der Grünen war der Düsseldorfer Künstler Joseph Beuys. Hier im Januar 1980 bei einer Tagung der Grünen Nordrhein-Westfalens.

Foto: imago/ bonn-sequenz
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Der Ökobauer: Zu den exzentrischen Vertretern der Gründungsgeneration der Grünen zählte Baldur Springmann, der seinen Bauernhof nach Rudolf Steiners biodynamischer Methode bewirtschaftete. Er trat der Grünen Liste Schleswig-Holstein bei, kandidierte für die Europawahl 1979 auf Platz vier der "Sonstigen politischen Vereinigung Die Grünen" und war bei der Gründung der Partei Die Grünen dabei. Doch er trat bald wieder aus und war schließlich in völkisch-rechtsextremen Splittergruppen aktiv. Wie später bekannt wurde, war Springmann in Hitler-Deutschland Mitglied in der SA, SS und NSDAP.

Foto: imago/ Klaus Rose
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Der Zug rollt: Nachdem die Journalisten die Gründung der "Sonstigen politischen Vereinigungen Die Grünen" weitgehend ignoriert hatten, fand die neue Partei in der Folge große Aufmerksamkeit. Hier Petra Kelly und Lukas Beckmann bei einer Pressekonferenz nach den Landtagswahlen in Hessen im September 1982, bei denen die Ökopartei auf 8,0 Prozent kam und erstmals in das Wiesbadener Landesparlament einzog.

Foto: ASSOCIATED PRESS
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