Grünen-Parteitage Eklats mit Ansage
Grün und nackt: Polit-Happenings der Basis haben bei Grünen-Parteitagen Tradition - wie hier die Nacktdemo von Atomkraftgegner in Karlsruhe 2000. Die Modalitäten des von der rot-grünen Bundesregierung 2002 beschlossenen Atomausstiegs sind in der Partei bis heute schwer umstritten.
Lang ist's her: Die Mitglieder des Grünen-Vorstands während des Gründungsparteitags in Karlsruhe 1980. Vom ersten Vorstand ist bestenfalls noch Herbert Gruhl (3. v. l.) einigen ein Begriff. Er verließ die neue Partei aber schon 1981 im Streit zwischen rechtem und linken Flügel wieder - und mit ihm rund ein Drittel der damaligen Mitglieder.
Radikaler Tierschutz: Auf der Grünen-Bundesversammlung in Hagen 1985 erklärte der früherer DDR-Dissident und Reform-Kommunist Rudolf Bahro seinen Austritt - er und seine Anhänger waren zuvor mit ihrem Antrag zum sofortigen Stopp von Tierversuchen durchgefallen.
Gutes Wahlergebnis: Zufriedene Gesichter zeigen Otto Schily, Petra Kelly und Rainer Trampert (v.l.) 1983 nach dem Einzug in den Bundestag. Damals galt Opponieren noch als höchste politische Tugend für eine Öko-Partei - eine Einstellung, die sich an der Grünen-Basis nach wie vor hält und besonders auf Parteitagen Ausdruck findet.
Traumpaar oder Zwangsehe: Als die West-Grünen bei der Bundestagswahl 1990 unter 5 Prozent abschmierten, retteten ihnen nur die ostdeutschen Bürgerrechtler - im eigenen Wahlgebiet Ostdeutschland erfolgreich - die Privilegien einer Parlamentspartei. Im Mai 1992 begannen die ersten Verhandlungen für eine Fusion, die im Mai 1993 mit dem gemeinsamen Leipziger Parteitag unter Schmerzen auf beiden Seiten besiegelt wurde. Der wiedergewählte Parteisprecher Ludger Volmer (West) und seine neue Mit-Sprecherin Marianne Birthler (Ost) freuen sich darauf, dass jetzt alles besser wird.
Auf's Ohr bekommen: Der Farbbeutelwurf eines Linksautonomen gegen Joschka Fischer, Bundesaußenminister, Vizekanzler und informeller Grünen-Parteichef, auf dem Bielefelder Parteitag 1999 traf auch die Partei...
Nicht mehr ohne Makel: Vehement war "Oberrealo" Fischer für den Einsatz von Nato-Flugzeugen gegen die Serben im Kosovo eingetreten - noch ein wenig vehementer fiel die Antwort aus dem pazifistischen Flügel der Partei aus.
Wegweisend: Basisdemokratie, Abgeordneten-Rotation, Trennung von Amt und Mandat, "Bundesdelegiertenkonferenz" statt Parteitag - die Annäherung der einstigen Antiparteien-Partei an den bundesdeutschen Parlamentarismus war lang und mühsam. Hier streitet Joschka Fscher bei einer der Grünen-typischen "Strukturdebatten", diesmal auf dem Bundestreffen in Karlsruhe 2000, für die Lockerung der Trennung von Amt und Mandat.
Im Zeichen des Castors: Beim Stuttgarter Partikonvent 2001 protestieren Atomkraftgegner gegen den Transport radioaktiver Abfälle in das Endlager Gorleben. Der zeitliche Zusammenfall von Grünen-Parteitagen mit Ereignissen Castor-Transporten bedeuten für die Parteispitze seit jeher erhebliche politische Jonglierkunst, zumal in der Regierungsverantwortung zu Zeiten von Rot-Grün.
Stilfragen: Nicht nur über die Rettung der Welt entzweien sich die Grünen auf Parteitagen gern, es dürfen auch schon mal Schriftgrößen sein. In Köln 2006 musste der Vorstand den Entwurf eines neuen Logos zurückziehen - kritisiert wurde, natürlich, das Vorgehen der Führung, die das Signet ohne Einbindung der Basis entwickelt habe. Aber auch der Umstand, dass "Bündnis 90" künftig in kleineren Lettern erscheinen sollte als "Die Grünen" stieß auf, vor allem im Osten. Parteichefs Reinhard Bütikofer und Claudia Roth scheinen das kommende Debakel bei der Vostellung des Logos in Berlin wenige Tage vor dem Parteitag schon zu ahnen.
Auf ein Neues: Die Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Claudia Roth und Reinhard Bütikofer, schauen sich am Vortag des Parteitag-Auftakts in Nürnberg schon mal in den Kulissen um. Für Zündstoff ist auch diesmal gesorgt - Oswald Metzger, einst hochgehandelter Finanzexperte der Grünen und inzwischen eher als Renegat verschrien, will die Partei nach dem Parteitag verlassen.
Letzter Großer Auftritt: Von seiner Partei inzwischen kaltgestellt, will Oswald Metzger, einst führender Wirtschaftspolitiker der Grünen und entschiedener Gegner einer Hartz-IV-Erhöhung, den Nürnberger Parteitag für einen letzten großen Auftritt nutzen: seinen Austritt. Irgendwie ein Déja vu mit den Anfangtagen, als Grünen-Mitgründer Herbert Gruhl 1981 den Bettel hinschmiss, weil ihm der Laden zu links geworden war.