Mod für "San Andreas" Zum Durchklicken: Das Fanprojekt "GTA: Berlin"
Ein "GTA: Berlin" gab es schon mal - als Hobbyprojekt. 2007 ist die erste Fassung einer Fan-Erweiterung für die PC-Version von "GTA: San Andreas" erschienen. Darin kann man zum Beispiel im Polizeiwagen vor dem Reichstag umherfahren. "GTA"-Fans hatten in ihrer Freizeit seit 2002 an dem Projekt gearbeitet. Über ihre Fortschritte informierten sie mit einer eigenen Website .
Wie unser Kurztest im Jahr 2018 zeigt, wirkt die Spielwelt vielerorts unfertig, sie vermittelt aber eine Idee davon, was aus "GTA: Berlin" hätte werden können.
Im Regierungsviertel sind einige Gebäude und Straßenzüge gut wiederzuerkennen. Hier steht die Hauptfigur vor dem Bahnhof Friedrichstraße. "GTA"-typisch kann man natürlich nicht nur durch die Welt spazieren und Sightseeing machen, sondern auch Autos klauen oder Passanten attackieren. Aber Vorsicht: Die virtuelle Polizei von Berlin lässt sich nicht alles bieten.
Einige Personen arbeiteten nach dem ersten Release 2007 noch lange an "GTA: Berlin" weiter. Diese Szene stammt aus einem unveröffentlichten Prototypen von "GTA: Berlin" für "Grand Theft Auto IV", den der Projektmitarbeiter Rolf Konrad aufgesetzt hat. Ob ein Spiel an einem Ort spiele, den man gut kennt, mache schon viel aus, findet Konrad. "Das ist ein Wow-Moment, wenn man einen Ort live erlebt und dann nochmal zuhause am PC."
Rolf Konrad sagt, er möge das Gefühl, im echten Berlin an Orten zu sein, die Teil der Spielwelt von "GTA: Berlin" sind. Mit seinem Entwicklerkollegen Stefan T. habe er in der Hauptstadt öfter gemeinsam Nachbau und Realität abgeglichen.
Konrad meint, dass man Spielorte umso mehr auf den Prüfstand nimmt, je besser man die Vorbilder kennt. Ein Kumpel spiele oft das Fernfahrer-Spiel "American Truck Simulator", sagt Konrad, und sei begeistert, wie glaubwürdig dessen Spielwelt ist. Aber, so merkt Konrad an: "In Amerika warste halt noch nie." Wenn dem Spieler der direkte Vergleich zur Realität fehle, könne der virtuelle Nachbau leichter begeistern.
Hobby-Entwickler Rolf Konrad hat im Laufe von drei Jahren eine "GTA"-Version des Berliner Hauptbahnhofs gebaut. "Ich wäre daher jetzt wohl von jeder Spielumsetzung des Bahnhofs enttäuscht", sagt er.
Grundsätzlich fände Konrad Spiele mit Berlin- oder Deutschland-Szenario aber interessant. "Amerika ist in Spielen das Standard-Setting", sagt er, "in meinen Augen verliert das langsam an Reiz."
Im virtuellen Berlin eines "GTA: Germany" bräuchte man sowohl die Orte, die Touristen mit der Stadt verbinden, als auch die, die Berliner kennen, sagt Konrad: die Spandauer Altstadt, die Zitadelle, aber auch Plattenbauten oder die Ecke um die Warschauer Straße herum - "alles, was zeigt, dass Berlin eine vielfältige Stadt ist, architektonisch und kulturell".
Es sei aber sinnvoll, Städte auf ihre "wesentlichen Features" einzudampfen, findet Konrad: "Der 15. Stadthausblock interessiert keinen mehr." (Hinweis: Die Bilder ab hier zeigen wieder den 2007er-Mod für "San Andreas".)
Stefan T., Rolf Konrads Mitentwickler von "GTA: Berlin", findet, ein Open-World-Spiel mit Deutschland-Szenario könne sich zwar an "GTA" orientieren, müsse aber auch einen eigenen Charakter entwickeln. Und es müsse mehr bieten als nur einen Nachbau einer Stadt: "Berlin des Berlins wegen wäre mir dann doch zu wenig", sagt er.
Mit Anknüpfungspunkten wie der Nazi- und der DDR-Zeit, aber auch dem heutigen Ost-West-Kontrast hätten Storyschreiber aber genug Ansätze, findet T.: Die Stadt vereine viel, worauf man eingehen könnte.
An den deutschen Städten sei interessant, dass sie oft nicht an einem Raster entstanden, sondern organisch gewachsen sind, sagt T.: "Bei US-Städten sagt man ja, man findet auch dann zu der gewünschten Straße, wenn man einmal später abbiegt. In Berlin dagegen weiß man nie, wo man rauskommt, wenn man falsch abbiegt."
In den Nullerjahren hatte es einige Medienberichte zu "GTA: Berlin" gegeben, ein gewisser Hype war da. Letztlich wurde die Fan-Erweiterung aber nie richtig fertig, angesichts der aufwändigen Pläne der Entwickler für ein Hobbyprojekt konnte sie das wohl auch nicht.
Das erklärt vielleicht, warum sich trotz der "Killerspiel"-Aufregung der Nullerjahre seinerzeit keine große Debatte darüber entspann, ob es in Ordnung sei, dass Spieler ausgerechnet das Regierungsviertel für virtuelle Amokläufe und ähnliche in "GTA" mögliche Aktivitäten nutzen können.
Blick ins Nichts: Die Macher von "GTA: Berlin" wollten nicht nur einige Gebäude Berlins, sondern mehrere Teile der Stadt nachbauen. Die Karte von "GTA: San Andreas" bestand im Original aus drei US-Städten, die an Los Angeles, San Francisco und Las Vegas angelehnt waren.