Guantanamo: Schattenreich der Folterknechte - DER SPIEGEL
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Guantanamo Schattenreich der Folterknechte

Misshandlungen, Erniedrigungen und Folter: Nach den Terroranschlägen vom 11. September funktionierte die Regierung von George W. Bush den Militärstützpunkt Guantanamo Bay auf Kuba zum Gefangenenlager um. Doch Guantanamo wurde bald zum Synonym für die willkürliche Behandlung von Gefangenen - Barack Obama will das Anti-Terror-Camp schließen.
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Das Lager Guantanamo auf Kuba - Symbol für Häftlingsfolter und für eine Justiz ohne Rechtstaatlichkeit. Das Camp wurde nach den Anschlägen vom 11. September 2001 eingerichtet. Die Regierung von US-Präsident George W. Bush bezeichnete die Gefangenen aus dem Krieg gegen den Terror als "unlawful enemy combatants" - als illegale feindliche Kämpfer.

Foto: © Staff Photographer / Reuters/ REUTERS
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Guantanamo-Häftlinge erhielten ausdrücklich nicht den Status von Kriegsgefangenen, für die dann die Genfer Konvention gegolten hätte. Stattdessen galt ein von Präsident Bush verordnetes Regelwerk, das unter anderem die Aburteilung von Gefangenen vor einem Militärtribunal regelte.

Foto: PAUL J. RICHARDS/ AFP
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2006 erklärte der Supreme Court die Militärtribunale jedoch für verfassungswidrig und stellte die Häftlinge unter den Schutz der Genfer Konvention. Der Oberste US-Gerichtshof entschied darüber hinaus 2008, die Gefangenen müssten Zugang zu zivilen US-Gerichten haben, auch wenn sie auf Kuba interniert sind.

Foto: CHIP SOMODEVILLA/ AFP
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"Eine besondere Schande für die USA": Bushs Nachfolger, US-Präsident Barack Obama, hat klar Stellung gegen das Gefängnis bezogen. "Es gibt keinen Zweifel, dass Guantanamo der moralischen Autorität unseres Landes geschadet hat." Zu Beginn seiner Amtszeit hatte er gesagt, Guantanamo werde binnen eines Jahres geschlossen. Als Termin nannte er den 22. Januar 2010, doch die Schließung verzögert sich.

Foto: JEWEL SAMAD/ AFP
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Rund 770 mutmaßliche Mitglieder und Sympathisanten der Taliban und des Terrornetzwerks al-Qaida aus mehr als 40 Ländern haben in den vergangenen sieben Jahren in Guantanamo eingesessen. Hunderte wurden inzwischen entlassen und größtenteils in ihre Heimatländer zurückgeschickt. Im Juli 2010 saßen noch etwa 180 Menschen in dem Lager ein.

Foto: AFP/ US NAVY
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Auf dem Gelände des US-Marinestützpunkts Guantanamo Bay gibt es mehrere Camps. Das berüchtigte Camp X-Ray, in dem Terrorverdächtige in orangefarbenen Overalls in Drahtkäfigen einsaßen, wurde noch 2002 geschlossen.

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Verhörmethoden im Camp X-Ray: Stühle und Tisch in einem Verhörzimmer. Auf brutale Art und Weise wurden die Gefangenen von Guantanamo verhört. Zu den Techniken zählten unter anderem, dass Gefangene über einen langen Zeitraum nackt in einer schmerzvollen Position stehen mussten und ihnen feste Nahrung verwehrt wurde. Zudem wurde Häftlingen ein Plastikhalsband umgelegt, an dem sie gegen Wände geschleudert wurden.

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Das Gras in Camp X-Ray wächst inzwischen kniehoch. Doch die Verhörmethoden sind nicht vergessen, besonders berüchtigt ist das Waterboarding. Dabei sollen durch die Simulation des Ertrinkens Aussagen erzwungen werden. Der Kopf des Verhörten wird dabei immer wieder mit Wasser übergossen. Wer dieser Prozedur unterzogen wird, hat das Gefühl zu ertrinken und bekommt Todesangst.

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Fast 200-mal wurde Guantanamo-Häftling Chalid Scheich Mohammed - der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 - dem simulierten Ertränken ausgesetzt. Der frühere Vizepräsident Dick Cheney verteidigte im Januar 2009 offen das Waterboarding: "Es gab eine Zeit, vor drei bis vier Jahren, in der die Hälfte von allem, was wir über al-Qaida wussten, aus dieser einen Quelle stammte."

Foto: epa / dpa
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Obama dagegen kritisierte Cheney scharf für seine Einstellung: "Aus meiner Sicht ist Waterboarding Folter." Obama hat Waterboarding und jede weitere Form von Folter verboten.

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Doch nach Informationen des SPIEGEL wurden Gefangene auf Kuba auch nach Obamas Machtwort misshandelt. Robert Kirsch, ein renommierter Anwalt aus Boston, erzählte, sein Mandant sei in eine Zelle gesperrt worden, "die auf zehn Grad Celsius heruntergekühlt war, seine Matratze stank nach Fäkalien, Essensresten und Erbrochenem". Eine Delegation des Pentagon, die sich ein Bild über die Verhältnisse in Guantanamo verschaffte, berichtete ebenfalls von Übergriffen einer Sondereinheit des Wachpersonals.

Foto: STAFF/ REUTERS
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2008 lud das Pentagon zur Besichtigung von Guantanamo, um die "modernsten und humansten Gefängnistrakte der Welt" vorzustellen. Auch ein SPIEGEL-ONLINE-Reporter durfte sehen, wo Fußfesseln angebracht waren, etwa in einem Klassenraum...

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...oder vor einem Sofa im Aufenthaltsraum.

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Ein Pfeil zeigte für betende muslimische Häftlinge die Richtung nach Mekka an.

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Ein Klassenraum im "Camp Six": Dort werden Gefangene in Fächern wie Englisch und Geschichte unterrichtet.

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Die US-Regierung hat inzwischen die Freilassung von Dutzenden Insassen des Gefangenenlagers Guantanamo eingeleitet.

Foto: MANDEL NGAN/ AFP
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