Günstige Oldtimer - Golf 1 Cabrio Ein Platz an der Sonne
Die ersten Golf Cabrios wurden fünf Jahre nach Einführung der Limousine im Februar 1979 zugelassen. Gebaut wurden die Fahrzeuge bereits ab August 1978 nicht im Volkswagen-Stammwerk, sondern im Osnabrücker Karman-Werk.
Dieses VW Golf I Cabrio von 1987 wurde genau eine Million Kilometer auf normalen Straßen und auf Rennstrecken gefahren. Besitzerin ist die Dozentin und Motorsportlerin Ingrid Battefeld. Das Auto ist noch bis 26. Februar in der Ausstellung "Stadt. Land. Fluss. Freizeitautos von Volkswagen" im AutoMuseum Volkswagen in Wolfsburg zu sehen.
Dank des pfiffigen Windschotts spüren auch Mitfahrende auf der Rücksitzbank nichts vom Fahrtwind. Es sei denn, sie stehen auf - wie die Ausflügler auf diesem Bild.
Das Golf Cabrio war ein Auto für wohlhabende Menschen. Mit einem Einstiegspreis von über 30.000 Mark war das Auto für normale Bürger unerreichbar. Erst in zweiter oder dritter Hand wurden gebrauchte Freiluft-Golfs für die breite Masse erschwinglich.
Die Rostvorsorge sowohl von Limousine als auch des Cabrios war ab Werk bis 1983 schlecht - weshalb nur sehr wenige Fahrzeuge aus den ersten Modelljahren überlebt haben.
Etwa zwei Jahre nach Einführung des Cabrios wurde das Verdeck überarbeitet und so verändert, das es sich im geöffneten Zustand flacher zusammenfaltete. Das verbesserte die Sicht nach hinten deutlich.
Mit dem Modelljahr 1984 wurden die Schwächen bei Rostvorsorge abgestellt. Geschätzte 98 Prozent aller noch existierenden Golf-I-Cabrios wurden nach 1983 ausgeliefert. 2014 zählte das Kraftfahrzeugbundesamt in Deutschland rund 33-000 zugelassene Golf I Cabriolet.
Dem ersten offenen Golf kommt zugute, dass er anfangs zeitgleich zur Golf-I-Limousine und später dann zeitgleich zum Golf II produziert wurde, der ebenfalls ein Bestseller war. Die Ersatzteillage ist deshalb exzellent.
Die 1,8-L-Motoren sind sehr standfest, bei regelmäßiger Wartung sind Laufleistungen von 500.000 Kilometer erreichbar. Am sparsamsten ist der 2H-Motor mit 98 PS, der sich mit rund acht Litern Superbenzin auf 100 Kilometern begnügt.
Mit Modelljahr 1989 wurden die Motorisierungsvarianten reduziert. Verschärfte Abgasnormen (zunächst in den USA) führten dazu, das man auch in Deutschland den 2H-Motor (1,8 L/98PS) mit elektronischer Einspritzung mit Lambdasonde und geregeltem Katalysator einführte. Ab Modelljahr 1990 war er die alleinige Motorvariante für das Golf Cabriolet in Deutschland.
Begehrt sind beim Golf-I-Cabrio Modelle der zahlreichen Sondereditionen, mit denen Volkswagen den Absatz weiter steigern wollte: etwa die Linie "Classicline" mit luxuriöser Lederausstattung oder "Quartett"-Modelle mit bestimmter Stoffausstattung, die in vier Farben mit Lack- und Verdecktönen kombinierbar war.
Die Karosserie des Cabriolets wurde im Modelljahr 1989 mit größeren Stoßstangen, Radlaufverbreiterungen und Seitenschwellern versehen, die immer in Wagenfarbe lackiert waren. Das Fahrzeug sah damit deutlich bulliger aus und wurde werksintern Golf II Cabriolet genannt, obwohl es nicht auf der Karosserie des Golf II basierte.
Wer ein Golf 1 Cabriolet sucht, findet Angebote von 1000 bis 8000 Euro. Preiswerte Fahrzeuge weisen leider meist einen schlechten Pflege- und Wartungsstand auf.
Von Exemplaren mit Tuning-Sünden sollte man besser die Finger lassen. Viele Golf Cabrios landeten in zweiter oder dritter Hand bei Führerscheinneulingen, die den Wagen verheizten und mit Spoilern, Verbreiterungen und Tieferlegung verschandelten.
Um ein schlecht gepflegtes Fahrzeug wieder in einen vernünftigen Zustand zu bringen, ist oft ein sehr hoher finanzieller Aufwand notwendig. Die Investition in ein besser gepflegtes Modell kann da sehr schnell lohnend sein.
Die Kompletterneuerung eines maroden Verdeckes sollte man etwa mit 1500 Euro aufwärts taxieren.
Eine elektrohydraulische Verdeckbetätigung gab es erst ab Modelljahr 1990 als Extra sowie serienmäßig beim Sondermodell "Bel Air".
Die ersten Golf Cabriolets hatten große Probleme mit Rost. Anfällig waren die Kotflügel vorn an den Stehblechen, die Rahmenträger im Bereich der Hinterachse, die Windlaufbleche sowie die Tür- und Heckklappenunterkanten.
Modelle ab 1984 rosten kaum. Einzige verbleibende Schwachstelle ist der Querträger vorn im Bereich des Motorhaubenschlosses. Hier sind an der Schlossbefestigung drei Bleche mit Punktschweißung verbunden. In den Zwischenräumen breitet sich der Rost aus und ist erst zu sehen, wenn er durchbricht.
Käfer Cabrio, Golf I Cabrio, Golf III Cabrio - das ist die etwas seltsame Ahnenreihe der ersten offenen Volkswagen. Vom Golf II gab es nämlich nie ein Cabrio, stattdessen wurde das Golf I-Cabrio parallel zur Golf II-Limousine weitergebaut.