Kampf ums Großstadt-Paradies Illegale Blumen
Nachtschattengewächse: Obwohl sich Guerilla-Gärtner freiwillig und auf eigene Kosten bemühen, durch Begrünung von Brachflächen ihre Städte zu verschönern, ist ihre Tätigkeit streng genommen illegal. Daher finden ihre Aktionen oft im Schutz der Dunkelheit statt.
Paradies im Hinterhof: In den frühen achtziger Jahren schuf der New Yorker Guerilla-Gärtner "Purple 321" im brachliegenden Hof hinter seiner Wohnung in der Forsyth Street Nr. 184 einen riesigen illegalen Garten, den er "Garden of Eden" taufte. Seine Mühen waren vergeblich: 1985 wurde das liebevoll angelegte Gartenpardies von den städtischen Behörden zerstört.
Frühlingswiese im Kofferraum: Ein Londoner Guerilla-Gärtner macht sich am 22. April 2008 auf zu einer illegalen Bepflanzung - in einem randvoll mit Blumen beladenen Auto.
Gestrandet im Blumenmeer: Wildblumenwiese auf einer Verkehrsinsel bei einer Westlondoner Schnellstraße. Angelegt wurde der urbane Miniaturgarten von der Guerilla-Gärtnerin "Brita 1198" und Freunden.
Ein Schuss Natur: Häufig säen Guerilla-Gärtner ihre Pflanzen per "Saatbombe" aus. Hierzu werden Pflanzensamen mit getrockneter Erde, Kompost und Tonpulver vermischt und meist zu Kugeln geformt. Diese können dann schnell und beiläufig beim Spazierengehen oder Fahrradfahren fallengelassen oder über die Zäune abgesperrter Gelände geworfen werden, wo sie beim nächsten Regen auskeimen. Gelegentlich finden jedoch auch ungewöhnlichere Formen Anwendung - wie diese Saatbomben in Form von Neun-Millimeter-Pistolen.
Wildwuchs im Großstadtdschungel: Mitunter eroberte sich in den von baulichem Verfall und Stadtbrachen geprägten siebziger Jahren die Natur von ganz allein Teile New Yorks wieder zurück. Hier überwuchern Wildpflanzen Teile der "High Line", eine fünfeinhalb Kilometer lange stillgelegte Hochbahntrasse im Westen Manhattans.
Auferstanden aus Asche: Guerilla-Gärtner nutzen für ihre Begrünungsmaßnahmen jede sich bietende Fläche der Großstadt - wie dieser von "Christian 3128" mit einer Studentenblume bepflanzte stillgelegte Aschenbecher in der Wiener U-Bahn zeigt.
Unkrautschutzmaßnahme: Die Londoner Guerilla-Gärtnerin "Helen 1106" brachte ihren Respekt vor jeder Art von Pflanze mit diesem Miniatur-Schutzzaun zum Ausdruck, den sie im Stadtteil Whitechapel um diese junge Pflanze zog.
Alles im Kasten: Selbst wo gar keine Flächen zum Anpflanzen vorhanden sind, hinterlassen findige Guerilla-Gärtner ihre Spuren. So montierte der kanadische Untergrundgärtner "Poster Child 3261" Blumenkästen an Laternenpfählen, die er dann selbst bepflanzte. Hier wächst ein junger Hahnenkamm aus einem der selbstgebauten Kästen in der Augusta Avenue in Toronto.
Granaten aus dem Automaten: Seit den siebziger Jahren hat das Guerilla Gardening stark an Popularität gewonnen. Mittlerweile sind die früher in Handarbeit selbst hergestellten Saatbomben auch käuflich zu erwerben. Hier wurde sogar ein alter Süßigkeitenautomat in einen Automaten für Saatbomben verwandelt.
Gärtnern als Gesellschaftskritik: Als Schlüsselmoment in der Geschichte des Guerilla Gardening gilt eine Londoner Großdemonstration des globalisierungskritischen Kollektivs "Reclaim the Streets" am 1. Mai 2000. Zehntausende Demonstranten versammelten sich vor den Houses of Parliament. Auf einer großen Verkehrsinsel pflanzten sie Kräuter, Gemüse und Obstbäume, legten einen Gartenteich an und stellten sogar Gartenzwerge auf. Besondere Aufmerksamkeit erregte...
...dabei eine Statue des ehemaligen britischen Premierministers Winston Churchill, deren Kopf von den subversiven Gärtnern mit Gras bepflanzt worden war - in Form eines Irokesenschnitts. Bilder der Aktionen gingen durch die Presse und machten den Begriff "Guerilla Gardening" erstmals einer größeren Öffentlichkeit bekannt.
Früchte der Arbeit: Nicht immer ist der einzige Lohn der Guerilla-Gärtnerarbeit der Anblick eines Blumenbeets mitten in der Großstadt. Oft bauen die Untergrundgärtner auch Nutzpflanzen an. Hier hat der Brite Richard Reynolds die duftende Ernte eines von ihm in der Stadt angepflanzten Lavendelfeldes zum Trocknen in seinem Wohnzimmer ausgebreitet.
Blumen im Straßenverkehr: Mit der Tulpenart "Isle de France" und Lavendelstauden haben Londoner Guerilla-Gärtner diese Verkehrsinsel auf der Westminster Bridge Road in ein blühendes Kleinod verwandelt.
Revolutionsführerin: Als Mutter der Guerilla-Gardening-Bewegung gilt die New Yorker Künstlerin Liz Christy. 1973 begann sie damit, Abrissgrundstücke in heruntergekommenen Straßenzügen Manhattans illegal zu begrünen. Schnell schlossen sich ihr...
...Gleichgesinnte an, die bei den unerlaubten Gärtnerarbeiten halfen. Bald gab sich die Gruppe (nachdem sie den Titel "Radikale Rhizome" erwogen hatte) den kämpferischen Namen "Green Guerillas". Schon ein Jahr nach Gründung hatte der Guerilla-Trupp, wie dieses Foto aus dem Jahr 1974 zeigt, beachtliche Größe erreicht.
Ghetto-Gärtnerei: Auf diesem verlassenen Grundstück an der Houston Street in Manhattan schufen Liz Christy und die Green Guerillas 1973 den ersten von Bürgern angelegten Gemeinschaftsgarten New Yorks. Zunächst bepflanzten sie das von seinem Besitzer dem Verfall überlassene Grundstück illegal mit Blumen und Baumsetzlingen. Doch nach einem Jahr führte die Stadt New York das Grundstück wieder in ihren Besitz zurück und verpachtete es für zum symbolischen Preis von einem Dollar pro Jahr an die Green Guerillas.
Mauerblümchen: Liz Christy genießt einen Moment der Ruhe in ihrem "Community Garden". Wenige Jahre nach den ersten Begrünungsaktionen der Green Guerillas hatte sich das einst müllübersäte, heruntergekommene Grundstück in eine grüne Idylle verwandelt. Überall brachen Kräuter, Blumen, Gemüsepflanzen und Bäume aus dem Boden.
Grüne Gedenkstätte: Noch heute wird der zu Ehren seiner Gründerin in "Liz Christy Garden" umbenannte Miniaturpark an der Ecke Bowery und Houston Street in New York von den "Green Guerillas" gehegt und gepflegt. Seit 2005 Ist der Garten als offizieller Gemeinschaftsgarten anerkannt und unterliegt damit dem gleichen städtischen Schutz wie etwa der Central Park.