Guido Westerwelle: Stationen einer Karriere - DER SPIEGEL
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Guido Westerwelle Stationen einer Karriere

Die politische Karriere von Guido Westerwelle ist ein Auf und Ab von strahlenden Erfolgen, peinlichen Missgeschicken und schrillen Tönen. Über Jahrzehnte festigte er seine Macht, lange war er die unumstrittene Spitze der Liberalen - doch dann gab er im Mai 2011 den FDP-Vorsitz ab. Nun versucht er, sich im Amt zu profilieren - und sich in seiner Partei unentbehrlich zu machen.
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Guido Westerwelle: Nicht mehr auf der Brücke, aber im "Maschinenraum" der FDP. Der Außenminister und Ex-Parteichef, hier beim Neujahrsempfang 2012 seiner FDP in Nordrhein-Westfalen, will am Wiederaufstieg seiner Partei mitarbeiten.

Foto: dapd
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Neues Jahr, neuer Versuch: Guido Westerwelle in Athen, hier nach einem Treffen mit seinem griechischen Amtskollegen am 15. Januar 2012. Der FDP-Politiker versucht seit längerem, sich stärker in seinem Amt zu profilieren.

Foto: KOSTAS TSIRONIS/ AP
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In diplomatischer Mission: Westerwelle erklärte in Athen, es sei nun an der Zeit für Europa, unabhängige Rating-Agenturen zu schaffen. Zuvor waren mehrere EU-Länder, darunter Frankreich, von der US-Rating-Agentur Standard & Poor´s abgewertet worden. Rechts Griechenlands Außenminister Stavros Dimas.

Foto: KOSTAS TSIRONIS/ AP
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Zwei, die sich mögen: Bettina Wulff, Ehefrau des Bundespräsidenten, und Außenminister Guido Westerwelle auf dem Neujahrsempfang 2012 im Schloss Bellevue. Der FDP-Politiker hatte Frau Wulff mit Wangenküsschen begrüsst. "Man muss nicht verschweigen, wenn man sich mag", rief er den Fotografen und Journalisten anschließend zu.

Foto: dapd
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Westerwelle alleine auf der Regierungsbank während der Etatdebatte zum Auswärtigen Amt im November 2011: Mit einem überraschenden Abkommen für eine Zusammenarbeit mit dem ebenfalls FDP-geführten Entwicklungsministerium sorgte der Außenminister für Unruhe in Teilen der Koalition.

Foto: THOMAS PETER/ REUTERS
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Guido Westerwelle musste sein Amt als FDP-Chef im Mai 2011 abgeben - einen Posten, den er zehn Jahre innehatte.

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In seiner Rolle als Minister agierte Westerwelle oft glücklos. Umstritten ist vor allem seine Haltung zum Nato-Einsatz in Libyen: Im März 2011 trieb er die deutsche Enthaltung voran. Nach dem Triumph der libyschen Rebellen vermissten viele in der schwarz-gelben Koalition Selbstkritik bei Westerwelle.

Foto: Wolfgang Kumm/ dpa
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Westerwelle hat sich der Politik verschrieben - bereits mit 19 Jahren trat er in die FDP ein. Er gründete die Jungen Liberalen mit und übernahm fünf Jahre lang deren Vorsitz. Er habe die Julis zu einem "kritischen Jugendverband" gemacht, sagte er. Kritik an der "angepassten Kaschmir-Jugend" konnte er nicht nachvollziehen. Westerwelle studierte Jura in Köln und Bonn, später promovierte er und arbeitete als Rechtsanwalt.

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Westerwelle, Jahrgang 1961, wurde vom früheren FDP-Chef Klaus Kinkel gefördert und stieg 1994 zum Generalsekretär der Liberalen auf. Die Partei wollte er für "jüngere Wähler attraktiver" machen.

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1996 beschloss die FDP ein wirtschaftsliberales Grundsatzprogramm, in dem sie eine deutliche Begrenzung staatlicher Leistung forderte - heftig kritisiert vom linksliberalen Flügel. Westerwelle blieb unbeirrt, er wurde im selben Jahr in den Bundestag gewählt. Das Bild zeigt ihn mit dem damaligen Parteichef Wolfgang Gerhardt (r.), der 1995 die Nachfolge von Klaus Kinkel an der FDP-Spitze antrat. Später verdrängte er Gerhardt von dem Spitzenposten.

Foto: Torsten_Silz/ picture-alliance / dpa
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Westerwelle festigte seine Stellung in der Partei und trat betont lässig auf. Im Parlament legten sich die Liberalen immer wieder - wohlkalkuliert - mit ihrem Koalitionspartner CDU an. Streitpunkte waren unter anderem die Steuerreform, die Wehrpflicht und die von der FDP geforderte Abschaffung der Kultusministerkonferenz.

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Westerwelle als Generalsekretär der FDP mit der damaligen Umweltministerin Angela Merkel: 1998 standen Bundestagswahlen an, und die Liberalen mühten sich mit Forderungen nach einer Steuerreform, der Neuordnung von Sozialversicherungen und einer Bildungs- und Privatisierungsoffensive um Wählerstimmen. Doch das Ergebnis fiel mager aus: Die FDP wurde nicht drittstärkste Kraft im Parlament, die erste rot-grüne Koalition in der Geschichte der Bundesrepublik nahm ihre Arbeit auf. Westerwelles FDP musste in die Opposition.

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Zeitungslektüre mit Rainer Brüderle: Auf diesem Bild von 1999 wirken die beiden Politiker harmonisch. Daneben saß Wolfgang Gerhardt, der damalige FDP-Bundesvorsitzende.

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Ab Januar 2001 führten Westerwelle und Gerhardt die FDP - inzwischen Oppositionspartei - als Tandem. Doch schon vier Monate später wurde Westerwelle neuer alleiniger Parteichef. Die Kapitulation Gerhardts bezeichnete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" damals als das "Meisterstück in Westerwelles Karriere".

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Westerwelle ließ sich prompt mit einem "Gelben Trikot" ablichten - und hatte offensichtlich seinen Spaß dabei.

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Ein Jahr vor der Bundestagswahl 2001 zeigte Westerwelle, wohin es mit der FDP gehen sollte: ab in den Spaßwahlkampf. Hier ist er noch bei einer Karnevalsveranstaltung zu sehen (er bekam den "Orden wider den tierischen Ernst" in Aachen), doch schon bald irritierte er das Wahlvolk mit ähnlichen Auftritten, bei denen er um Stimmen warb.

Foto: Martin Athenstädt/ picture-alliance/ dpa
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Die Liberalen kürten Westerwelle 2002 zum Kanzlerkandidaten, der im Wahlkampf mit dem "Guidomobil" durch Deutschland tourte. Er schüttelte etliche Hände, wagte sich in den "Big-Brother"-Container, lies sich beim Beachvolleyball ablichten - am TV-Duell der Spitzenkandidaten Edmund Stoiber und Gerhard Schröder durfte er trotzdem nicht teilnehmen.

Foto: DDP
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Jürgen Möllemann (r.), schon länger innerparteilicher Rivale, störte Westerwelles Bundestagswahlkampf mit rechtspopulistischen Äußerungen. Auch ein antisemitisches Flugblatt in Nordrhein-Westfalen wurde Möllemann angelastet. Im anschließenden Machtkampf in der Partei setzte sich Westerwelle gegen ihn durch, der Konkurrent muss 2002 von allen Ämtern zurücktreten. Ein Jahr später sprang Möllemann mit dem Fallschirm in den Tod.

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Auch Schuhsohlen mit dem Aufdruck "18" für angepeilte 18 Prozent bei der Bundestagswahl zeigten wenig Wirkung: Die FDP verfehlte mit 7,4 Prozent ihr selbstgestecktes Ziel weit. Die SPD bildete eine Koalition mit den Grünen, für die FDP folgten weitere drei Jahre in der Opposition.

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Ein triumphales Wahlergebnis konnte Westerwelle bei der Wahl 2009 endlich feiern: Hier winkt er am Abend der Bundestagswahl in die jubelnde Menge. Mit einem Rekordergebnis von 14,6 Prozent schafften die Liberalen den Sprung in die Regierung. Westerwelle selbst übernahm den Posten des Außenministers.

Foto: DDP
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Endlich an der Macht: Guido Westerwelle genoss den erfolgreichen Wahlabend 2009 mit seinem Freund, dem Sportmanager Michael Mronz. Mittlerweile haben die beiden geheiratet. Das Wahlziel war nach vielen Jahren der Misserfolge erreicht, die FDP konnte wieder regieren - doch in den folgenden Monaten stritten die Koalitionäre um Steuersenkungen, Gesundheitssystem und Sparmaßnahmen. Der Start der "Wunschpartner" war holprig.

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Nach den Querelen im ersten Jahr von Schwarz-Gelb stieg der Druck auf FDP-Chef Westerwelle: Immer lauter wurden die Forderungen, er müsse einen Teil seiner Aufgaben abgeben. Auch allgemeine Kurskorrekturen wurden verlangt, weil die FDP derart in der Krise steckte. Westerwelle konzentrierte sich im zweiten Halbjahr 2010 auf die Außenpolitik.

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Doch die miesen Umfragewerte sorgten in der Partei für Unruhe - und für eine Führungsdebatte, die damit endete, dass Westerwelle nicht mehr für den FDP-Vorsitz kandidierte. Diesen Posten übernahm Philipp Rösler im Mai 2011. Doch seitdem ist die FDP nicht aus dem Umfragetief herausgekommen.

Foto: dapd
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Westerwelle blieb Außenminister. Seitdem konzentriert er sich auf seine Arbeit und setzte im Herbst 2011 den Euro-Rebellen um den FDP-Abgeordneten Frank Schäffler mit einem flammenden Plädoyer für Europa zu.

Foto: Arno Burgi/ picture alliance / dpa
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