Guttenberg Freiherr in Übersee
Vielbeschäftigt als "angesehener Staatsmann": Karl-Theodor zu Guttenberg, Ex-Minister und Exilant, hat sich in den USA eine Nische als Vortragsreisender eingerichtet. Von einem raschen Comeback auf der deutschen Politbühne will er offenbar vorerst nichts wissen. Anderslautende Gerüchte nannte er "Quatsch".
Dem früheren Minister gefällt es in Nordamerika: Nach seiner Plagiatsaffäre war es still um Guttenberg geworden. Doch dann tauchte er im November 2011 in der kanadischen Stadt wieder auf - und nahm an einer internationalen Sicherheitskonferenz teil.
Es war sein erster öffentlicher Auftritt nach seinem Rücktritt als Bundesverteidigungsminister.
Rückblende: Guttenberg im Februar 2010, da ist er noch Bundesverteidigungsminister. Schon damals stand der Vorwurf im Raum, er habe zahlreiche Passagen seiner Doktorarbeit aus Werken anderer Autoren kopiert.
Seine Popularität verdankt Guttenberg auch seinen Auftritten in bayerischen Bierzelten, an seiner Seite Frau Stephanie.
Die Guttenbergs pflegten das Image des perfekten Tandems. Vielen gelten sie als Vorzeigepaar, weil sie scheinbar auf jedem Parkett eine gute Figur machten. Das Bild zeigt das Paar während der Salzburger Festspiele 2010.
Auch bei "Wetten, dass..?" saßen sie im Oktober 2009 auf der Couch.
Dem CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer (r.) stahl Guttenberg oft die Schau. So auch auf dem CSU-Parteitag im Oktober 2010, wo die beiden Politiker sich vor den Kameras betont gutgelaunt gaben. Seehofer war es auch, der im Herbst 2012 die Spekulationen über eine nahende Rückkehr Guttenbergs in ein wichtiges CSU-Amt befeuerte.
Bis zuletzt hielt Kanzlerin Angela Merkel öffentlich an ihrem Minister fest. Schon 2009 stand Guttenbergs Polit-Karriere vor einem Bruch. Damals bot er der Kanzlerin nur wenige Wochen nach seinem Amtsantritt als Wirtschaftsminister im Streit um die Opel-Rettung seinen Rücktritt an.
Mit Posen wie jener auf dem New Yorker Times Square beim Antrittsbesuch in den USA im März 2009 hat Guttenberg sich das Image eines Polit-Popstars und Kosmopoliten zugelegt.
Im Oktober 2009 wurde Guttenberg Verteidigungsminister. Bei den Soldaten war er beliebt - unter anderem wegen regelmäßiger Besuche in Afghanistan. Zu diesen Anlässen setzte sich der CSU-Politiker gerne selbst in Kampf- und Schutzausrüstung in Szene.
In der Affäre um den Tod einer Offiziersanwärterin und die Zustände auf dem Segelschulschiff Gorch Fock geriet Guttenberg ebenfalls in die Kritik. Er hatte zunächst eine umfassende Aufklärung angekündigt und dann doch den Kapitän des Schiffs überraschend schnell abberufen.
Als Verteidigungsminister geriet Guttenberg mehrmals unter Druck: Das Bombardement von Tanklastern nahe Kunduz 2009 hatte Guttenberg erst verteidigt, wenig später war er von seiner Position abgerückt. Hier ist er bei seinem Abschied, dem Zapfenstreich in Berlin im März 2011, mit seinem Nachfolger Thomas de Mazière (l.) zu sehen.
Das Ehepaar Guttenberg (hier 2009 in Deutschland) hat zwei kleine Töchter. Die Familie lebt mittlerweile in Greenwich im US-Bundesstaat Connecticut.