Kleingärtner in Hamburg Ihre Grünflächen müssen weichen
Durch die Gartenanlagen Sandkule und Besthöhe in Hamburg soll bald eine mehrere Meter breite Straße führen. Täglich werden dann Lastwagen durch die Grünflächen rollen, die Baumaterial zum neuen Fernbahnhof am bisherigen S-Bahnhof-Diebsteich fahren.
Die Menschen verlieren zeitweise oder komplett ihre Parzellen. Die Fotografin Jessica Mintelowsky hat mit den Betroffenen vor Ort gesprochen.
Hier in der Nähe des S-Bahnhofs Langenfelde befinden sich die beiden Kleingartenvereine.
Nicole (42) und Emma (7) Weißbrich
Für Nicole und Emma ist der der Kleingarten ist ihr zweites Zuhause. Zwei Jahre lang standen Nicole und ihr Mann auf der Warteliste verschiedener Gartenvereine, bis es 2015 endlich klappte. Familie Weißbruch wusste zu dieser Zeit noch nichts von dem Bauvorhaben. Sie hoffen, dass der für sie "sinnfreie Bau" des Bahnhofs noch gestoppt wird, für sie ist der neue Standort ein "Niemandsland ohne Infrastruktur".
Max Schötz (53) und Matthias Müller (58)
Die Freunde haben beide einen Garten auf dem Pachtgelände der Deutschen Bahn. Besonders Schötz trifft die Verlegung der Ferngleise hart: Nach 20 Jahren muss er sein komplettes Grundstück abgeben - das selbst gebaute Haus darauf wird abgerissen.
Der Garten bedeutet für den Musiker Matthias Müller vor allem Freiheit und Inspiration.
Der Bauwagen auf dem Pachtgelände der Deutschen Bahn gehört Müller gemeinsam mit seiner Freundin.
Sandra (44), Timo (10) und Lisa (7) Waldeck
Sandra Waldeck und ihr Mann ergatterten erst 2016 eine Grünfläche im Kleingarten Besthöhe. Sie bauten eine Schaukel und ein Fußballtor: Hier sollten die Kinder laut sein dürfen, frei sein. Inwieweit das weiterhin möglich sein wird, wenn täglich Lastwagen durch die Anlage fahren, weiß die Familie nicht.
Die Waldecks fühlt sich von der Deutschen Bahn übergangen und schlecht informiert: "Warum werden wir Bürger nicht gefragt?"
Katharina (37) und Markus (34) Gilgen mit ihren Kindern Carlotta, Oscar und Anton
Für die fünfköpfige Familie ist ihr Garten der Lebensmittelpunkt. Hier findet jeder seinen Platz: Pool und Klettergerüst stehen neben Gemüsebeet und dem Gewächshaus. Wie viel von ihrer Parzelle sie verlieren, wissen sie noch nicht - die Baupläne der Deutschen Bahn würden sich ständig ändern.
Markus Gilgen arbeitet als Bauingenieur und sieht Fehler in der Planung: "Bodenproben wurden erst letztes Jahr entnommen, das hätte schon vorher passieren müssen."
Birgit (57) und Klaus (66) Schöps mit Hund Jill
Die beiden Hamburger verbringen mit ihrem Bearded Collie jede freie Minute im Kleingartenverein Sandkule. Klaus Schöps baut Tomaten an, seine Frau pflanzt Beeren und Blumen. Ihre Parzelle ist ihr Rückzugsort, den sie sich über Jahre geschaffen haben.
"Das ist unsere Stadt. Wir sind die Stadt."
Die Kleingartenanlagen sehen sie als Gegenpol zur hochfrequentierten Kieler Straße. Von den Politikern sind sie enttäuscht: "Der Senat möchte den Kapitalgebern gefallen, dabei sollte er uns gefallen wollen."
Zwar soll die Straße wieder zurückgebaut werden, sobald der Bahnhof fertiggestellt ist. Doch ob dies wirklich passiert, kann den Kleingärtnern niemand versprechen.