HSV-Trainer seit 1997 Von Pagelsdorf bis Gisdol
Der 17. Tabellenplatz ist zu wenig, die Niederlage gegen Schlusslicht Köln zu viel: Markus Gisdol muss nach dem 19. Spieltag der Bundesliga beim Hamburger SV gehen. Der 48-Jährige hatte den Verein im September 2016 übernommen und in einer turbulenten Spielzeit vor dem Abstieg gerettet. Allerdings gelang es Gisdol in dieser Saison nicht, den HSV weiter zu stabilisieren. Hier sind die weiteren Ex-Trainer des Klubs.
Ciao Bruno Labbadia: Nach nicht einmal anderthalb Jahren war auch sein Engagement beim Hamburger SV beendet. Ein Punkt aus fünf Spielen waren dem Vorstand und Investor Klaus-Michael Kühne im September 2016 zu wenig. Labbadia war der 21. HSV-Trainer seit 1997.
Mit ihm begann der Aufschwung im neuen Stadion: Frank Pagelsdorf (Juli 1997 bis September 2001) übernahm den Hamburger SV zur Saison 1997/1998 und führte den Klub drei Jahre später auf Rang drei. Nach einem schwachen Start in die Spielzeit 2001/2002 trennte sich der HSV im September vom Coach - und musste eine Abfindung von über vier Millionen D-Mark zahlen. Pagelsdorf hatte seinen Vertrag zuvor bis zum 30. Juni 2004 verlängert.
Für zwei Spiele übernahm anschließend Sportdirektor Holger Hieronymus im September und Oktober 2001 das Kommando.
Anfang Oktober 2001 folgte der Österreicher Kurt Jara, der in seiner ersten Saison einen Platz im Mittelfeld erreichte und im folgenden Jahr sogar auf Platz vier kam. Doch wie so viele seiner Amtskollegen erwischte es ihn im darauffolgenden Herbst: Nach einem schwachen Saisonstart musste er im Oktober 2003 gehen.
Ähnlich erging es anschließend Klaus Toppmöller. Führte er das Team in seiner ersten Saison noch auf Platz neun, ging es im Folgejahr rapide bergab. Nach einer 0:2-Heimpleite gegen Bielefeld und Tabellenplatz 18 war seine Zeit an der Elbe im Oktober 2004 nach fast genau einem Jahr wieder vorbei.
Es folgte Thomas Doll, der die Hamburger zwischen Oktober 2004 und Februar 2007 zweieinhalb Jahre coachte und 2006 die Champions League erreichte. Nach Auftritten gegen Arsenal und Co. folgte die Ernüchterung ein Jahr später. Im Februar 2007 war die Mannschaft Tabellenletzter und Doll musste gehen.
Der Niederländer Huub Stevens baute anschließend auf eine strikte Defensive und hatte Erfolg: Die Mannschaft spielte sich von Platz 18 auf Rang sieben vor und wurde in der Saison 2007/2008 sogar Vierter. Doch Stevens wollte sich um seine kranke Frau kümmern und verlängerte den auslaufenden Vertrag nicht.
Stevens' Landsmann Martin Jol wurde als "große Lösung" nach Hamburg gelotst - und brachte zunächst Erfolg. Er führte das Team in der Europa League und im DFB-Pokal ins Halbfinale und rettete mit einem glücklichen Erfolg in Frankfurt am letzten Spieltag erneut den Einzug ins europäische Geschäft. Nach Unstimmigkeiten mit dem Vorstand wurde der Vertrag nach nur einer Saison aber überraschend aufgelöst.
Anschließend übernahm Bruno Labbadia die sportliche Führung in Hamburg. Nach einem begeisternden Start mit ansehnlichem Offensivspiel baute die Mannschaft in der Rückrunde aber deutlich ab. Mit einer katastrophalen Leistung in Hoffenheim (1:5) sägte die Mannschaft ihren Coach Ende April fast im Alleingang ab. Labbadia musste nach nur einem dreiviertel Jahr wieder gehen.
Nach Labbadia durfte Ricardo Moniz das Ruder übernehmen. Von Jol als Technikcoach geholt, kam er mit seiner lockeren Art gut bei den Spielern an, verpasste aber den Einzug ins Finale der Europa League, welches in Hamburg ausgetragen wurde. Nach nur zwei Monaten (April bis Juni 2010) war für ihn Schluss.
Zur Saison 2010/2011 verpflichteten die Hamburger stattdessen Armin Veh. Der Stuttgarter Meister-Trainer hatte viel vor, musste aber schon bald wieder gehen. Er überwarf sich mit den Verantwortlichen und provozierte seinen Rauswurf.
Vehs Assistent Michael Oenning übernahm im März 2011 und sollte das Team noch in die Europa League bringen. Er schien die Hoffnungen erfüllen zu können: In seinem ersten Spiel wurde Köln 6:2 besiegt. Dann folgte eine Negativserie, am Ende wurde der HSV Achter und verpasste das internationale Geschäft. Weil die Saison 2011/2012 auch nicht besser begann, musste Oenning am 19. September gehen.
Nach Oennings Abgang musste Rodolfo Cardoso die Mannschaft auf dem letzten Tabellenplatz übernehmen. Der Reserve-Trainer führte das Team beim VfB Stuttgart zum ersten Saisonsieg. Weil er aber die notwendige Fußballlehrer-Lizenz nicht hatte, musste er nach zwei Spielen wieder Platz machen.
Weil der HSV nicht schnell genug einen Cardoso-Ersatz fand, übernahm Sportchef Frank Arnesen das Ruder höchstpersönlich. Er wollte solange Trainer bleiben, bis ein neuer Coach gefunden war, und stand ein Spiel als Verantwortlicher an der Linie. Der HSV gewann mit Arnesen 2:1 in Freiburg.
Mit Thorsten Fink wollte der Hamburger SV einen Neuanfang wagen. Der Coach des FC Basel nahm die Herausforderung an und rettete den damals Tabellenletzten vor dem Abstieg. In Finks zweiter Saison wollte der HSV ins internationale Geschäft, verpasste dieses aber als Siebter. Nach einem enttäuschenden Start in die Saison 2013/2014 musste Fink nach knapp zwei Jahren gehen.
Weil der HSV ad hoc keinen Fink-Nachfolger parat hatte, übernahm wieder Rodolfo Cardoso. Unter ihm verlor das Team 0:2 in Bremen, gewann aber im DFB-Pokal gegen Fürth.
Am 25. September 2013 übernahm Bert van Marwijk das Training des HSV. Der Niederländer kannte die Bundesliga aus seiner Zeit beim BVB (2004 bis 2006). Als Nationaltrainer wurde er 2010 mit den Niederlanden Vizeweltmeister. Den HSV sollte van Marwijk aus der Krise führen, sein Vertrag galt bis zum 30. Juni 2015. Bleiben durfte er nur kurz: Der 61-Jährige betreute die Hamburger nur bei 15 Bundesligaspielen, am 15.02.2014 gab der Klub die Trennung vom Trainer bekannt.
Dann war Mirko Slomka dran. Bei Hannover 96 war er nach der Hinrunde der Saison 2013/2014 entlassen worden. Er musste mit dem HSV in die Relegation, dort rettete sich der Klub in zwei Spielen gegen Greuther Fürth. Mit einem Unentschieden und zwei Niederlagen begann die Folgesaison wieder schlecht für den HSV - das Ende für Slomkas Trainerkarriere beim HSV.
Stattdessen stand Josef Zinnbauer beim vierten Saisonspiel gegen Bayern (0:0) an der Seitenlinie. Zunächst gelang es dem ehemaligen U23-Coach die Defensive zu stabilisieren und den HSV auf Kurs zu bringen. Doch nach zuletzt sechs Spielen ohne Sieg und dem Abrutschen auf den Relegationsrang trennte sich der Verein auch von Zinnbauer.
Als Nachfolger wurde der HSV-Sportdirektor Peter Knäbel inthronisiert. Der ehemalige St.Pauli-Profi besitzt die Fußballlehrer-Lizenz und hatte bereits nach der 0:1-Niederlage gegen Hertha BSC ein klares Bekenntnis zum Coach vermissen lassen. Nach zwei Spielen und null Punkten war es das auch schon mit ihm.
Christian Charisius/ dpa
Im Abstiegskampf der Saison 2015/2016 übernahm dann Bruno Labbadia. Zum zweiten Mal in Hamburg legte er mit Elan los und schaffte tatsächlich noch den Klassenerhalt. Auch die nachfolgende Spielzeit hatte er das Sagen und brachte den HSV immerhin auf Platz 10. Fußballerisch ging allerdings wenig voran.
Unter Trainer Gisdol gelang in der Spielzeit 2016/2017 der Ligaverbleib. Doch in der laufenden Saison wurde es nicht besser. Es drohte der erste Abstieg der Vereinsgeschichte. Wer sein Nachfolger wird, ist noch nicht bekannt.