Hans-Dietrich Genscher: Der deutsche Diplomat - DER SPIEGEL
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Hans-Dietrich Genscher Der deutsche Diplomat

Als Außenminister bügelte Hans-Dietrich Genscher jahrelang die Patzer der Kanzler Schmidt und Kohl aus, das zeigt eine neue Biografie. Die mächtigsten Politiker der Welt schenkten dem Liberalen ihr Vertrauen - und klagten ihr Leid. Genschers Rezept: Charme, Geduld und zur Not auch mal ein Witz.
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Hans-Dietrich Genscher, Jahrgang 1927, stammt aus Halle und ist gelernter Jurist. Als er 1974 das Amt des Außenministers antritt, fremdelt er zunächst mit seiner neuen Rolle. Er beherrscht weder Englisch noch Französisch und steht im Schatten des international erfahrenen Kanzlers Helmut Schmidt.

Foto: Hermann J. Knippertz/ AP
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Genscher gelang es, sich gutzustellen mit den Mächtigen der Welt, so auch mit dem einstigen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow. Der sich geduldig gebende Genscher betonte stets Gemeinsamkeiten, suchte, Gegensätze zu entschärfen, ließ den Gesprächspartner das Gesicht wahren. Und notfalls entspannte er die Situation mit Witzen, über die er selber prustend und mitreißend lachte.

Foto: dapd
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In seiner politischen Heimat, der FDP, wirkt der ehemalige Vorsitzende Genscher heute mitunter wie ein Fremdkörper. Die junge Garde um Parteichef Philipp Rösler sucht dennoch immer wieder den Rat der liberalen Ikone Genscher, so etwa in der Debatte um den richtigen Weg aus der Euro-Krise.

Foto: Jens Büttner/ dpa
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US-Präsident Ronald Reagan mit Bundeskanzler Helmut Schmidt (rechts) und dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Richard von Weizsäcker (am 11. Juni 1982 im Park des Charlottenburger Schlosses): Eine neue Biografie über den früheren Außenminister Hans-Dietrich Genscher enthüllt, wie kritisch internationale Spitzenpolitiker die Kollegen in Deutschland betrachteten.

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Bundeskanzler Helmut Kohl und der französische Präsident François Mitterrand (1989 in Straßburg): Das französische Staatsoberhaupt bezeichnete Kanzler Helmut Schmidt intern als "kaputten Charakter". Über Kohl klagte er: Er sei mehr "Wahltaktiker" als Staatsmann.

Foto: FRITZ REISS/ ASSOCIATED PRESS
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Kohl, der sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow und Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (von rechts nach links, am 15. Juli 1990 in Münster): Biograf Hans-Dieter Heumann hat mit vielen Betroffenen gesprochen und konnte so aufzeichnen, wie groß die Aversionen mancher gegenüber Schmidt und Kohl wirklich waren.

Foto: Pool/ picture-alliance / dpa
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US-Präsident Jimmy Carter und Bundeskanzler Helmut Schmidt (am 27. Oktober 1982 in Bonn): Auch der Sicherheitsberater von Carter, Zbigniew Brzezinski, mochte Schmidt nicht und attestierte dem Deutschen "pathologische Probleme".

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Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt, rechts, spricht mit dem ehemaligen Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher bei einer Pressekonferenz.

Foto: dapd
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Früher waren Genscher und Kohl enge Weggefährten, heute sprechen sie nicht übereinander. Von Genscher ist lediglich überliefert, dass ihm die Art des Umgangs missfiel, die Kohl seinen Mitarbeitern gegenüber an den Tag legte. "Gutsherrenart" nannte er das.

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Am 3. Oktober 1990 feiern Kohl und Genscher gemeinsam die deutsche Einheit. Ohne seinen Außenminister wäre dem Kanzler das diplomatische Kunststück allerdings wohl kaum gelungen. Über Jahre hinweg bügelte Genscher die Patzer des Regierungschefs auf internationaler Ebene aus.

Foto: Wolfgang Kumm/ dpa
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1992 trat Genscher (hier mit seiner Frau Barbara) von seinem Amt zurück, es war das Ende einer Ära.

Foto: Oliver Berg/ dpa
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