Harry Rowohlt: Der Behüter der Sprache - DER SPIEGEL
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Harry Rowohlt Der Behüter der Sprache

Er war Spross der Verleger-Familie Rowohlt, wirkte als Autor, Übersetzer und Vorleser. Populär machte ihn seine Rolle als Obdachloser in der "Lindenstraße". Jetzt ist Harry Rowohlt mit 70 Jahren gestorben.
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Harry Rowohlt ist tot. Der Schriftsteller schrieb Kolumnen, übersetzte aus dem Englischen und las mit tiefer, aber nuancierter Stimme preisgekrönte Hörbücher ein.

Foto: WDR/ Steven Mahner
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Wer sich für Literatur interessiert, der kam an Rowohlt nicht vorbei - seine Omnipräsenz als Intellektueller war ein Segen.

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Rowohlt erbte 49 Prozent des gleichnamigen Verlags von seinem Vater Ernst Rowohlt, wollte aber nicht dort einsteigen. Sein Bruder und er verkauften den Verlag Anfang der Achtzigerjahre an die Holtzbrinck-Gruppe.

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Für das Feuilleton der Wochenzeitung "Die Zeit" schrieb Rowohlt eine populäre Kolumne, "Pooh's Corner", in der er den Kulturbetrieb aus der Sicht des Bären Pu beschrieb - das Kinderbuch von A. A. Milne hatte er neu übersetzt.

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Einen legendären Ruf hatten Rowohlts Lesungen, die er selbst - 1996 zum "Ambassador of Irish Whiskey" ernannt - einmal als "Schausaufen mit Betonung" betitelte. Während seiner mehrere Stunden dauernden Vorträge gelang es Rowohlt oft meisterhaft, das Vorlesen mit dem Geschichtenerzählen zu verbinden.

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Als Übersetzer war Rowohlt dafür verantwortlich, einige Autoren in Deutschland einem größeren Publikum bekannt zu machen -so galt er als Spezialist für irische Literatur.

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Insbesondere dem Schriftsteller Flann O'Brien galt Rowohlts Leidenschaft: 1989 erschien seine hochgelobte Neuübersetzung von O'Briens Roman "At Swim-Two-Birds" unter dem Titel "Auf Schwimmen-zwei-Vögel". In der Rolle des Sagenhelden Finn Mac Cool spielte Rowohlt auch in Kurt Palms Verfilmung des Buches mit.

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Denn Schauspieler war Rowohlt auch: Dass ihn Menschen kannten, die sich selten auf Lesungen verirrten, dafür sorgte die ARD-Serie "Lindenstraße", in der Rowohlt immer wieder kleine, aber eindrückliche Auftritte hatte.

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So sehr der Kolumnist und Sprachkünstler Rowohlt auch dem Heiteren zugeneigt war: In politischen Fragen nahm er dezidierte Positionen ein.

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Als er in einer Liste berühmter Persönlichkeiten als "Harry Rowohlt, Kommunist" bezeichnet wurde, freute er sich darüber. Das Bild zeigt ihn 2012 im Gespräch mit Gregor Gysi bei einem Fest der Linkspartei.

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Ersten Ruhm als Übersetzer erlangte Rowohlt mit der Übertragung von Kinderbüchern. So gelang es ihm, den Gangsterslang von A. S. Neills "The Last Man Alive" ins Deutsche zu bringen. Von A. A. Milnes "Pu der Bär" (Illustration im Bild) übernahm er den Kolumnentitel "Pooh's Corner" für die "Zeit".

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2012 las Rowohlt eine Audiobook-Version von "Meine geheime Autobiographie" ein - Autor Mark Twain ließ sie erst hundert Jahre nach seinem Tod veröffentlichen.

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Am Montagabend starb Harry Rowohlt nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 70 Jahren in Hamburg. Das bestätigte sein Agent am Dienstag. Rowohlt sei zu Hause gestorben.

Foto: Rolf Vennenbernd/ picture alliance / dpa
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