"Heißer Draht" im Kalten Krieg Wenn der Russe ruft
"Höchste nationale Dringlichkeit": Ein Exilkubaner sieht sich am 22. Oktober 1962 in Miami die Fernsehansprache von John F. Kennedy an. In der Ansprache ans Volk teilte der US-Präsident mit, dass sowjetische Atomraketen auf Kuba stationiert seien. Erst sechs Tage später informierte Nikita Chruschtschow via Radio über den Abzug der Atomwaffen.
Kommunikationsgerät: Am 26. August 1963 wurde das Equipment für den "Heißen Draht" in ein Büro im Pentagon geliefert. Hier endete die Verbindung.
Letzter Check: Ein Techniker überprüft noch einmal die Geräte, die auf amerikanischer Seite stehen. Während sie hier zunächst nur im Hauptquartier des Geheimdienstes CIA installiert wurden, standen die Geräte auf russischer Seite im Hauptquartier der kommunistischen Partei, wo sie von Zivilisten betreut wurden.
Auf beiden Seiten hielt sich die Befürchtung unter Militärs und Ideologen, dass die Politiker sonst hinter ihrem Rücken Vereinbarungen treffen könnten.
Wir haben eine Situation: 1967 wurden in Washington dann sicherheitshalber noch weitere "Endpunkte" des "Heißen Drahts" eingerichtet, unter anderem im "Situation Room" im Weißen Haus.
So konnten sich Präsident Lyndon B. Johnson und seine Berater am 6. Juni 1967 von dort aus mit Moskau über den Sechstagekrieg austauschen.
Der Weg des Kabels: Das transatlantische Kabel, mit dem Moskau und Washington verbunden waren, wurde über London, Kopenhagen, Stockholm und Helsinki verlegt, wobei es zwischendurch immer wieder von "Zerhackern" unterbrochen wurde, die es abhörsicher machen sollten.
In London lief es beispielsweise durch den Kingsway Tunnel direkt unterhalb der Londoner Innenstadt, der bereits in den vierziger Jahren Teil eines unterirdischen Komplexes des militärischen Geheimdienstes war.
Erst 1978 wurde das Kabel durch eine moderne Satellitenverbindung ersetzt.
Der springende Fuchs: Air Force Sgt. John Bretoski, links, and Army Lt. Col. Charles Fitzgerald sitzen am 30. August 1963 während des Probelaufs am "Heißen Draht" nach Moskau. Die erste Nachricht, die an diesem Tag versendet wurde, lautete "The quick brown fox jumped over the lazy dog's back 1234567890". Darin kommen alle im Englischen darstellbaren Zeichen vor. Die sowjetische Seite antwortete mit dem Gedicht eines unbekannten Autoren.
Telefonvertrag: Am 20. Juni 1963 unterzeichneten der US-Vertreter Charles C. Stelle, links, und sein sowjetischer Amtskollege Semyon K. Tsarapkin schließlich in Genf einen Vertrag, der die Einrichtung der direkten Verbindung zwischen Moskau und Washington regelte.
Der genaue Wortlaut des Vertrags ist hier einzusehen.
Vom "Telefon" geweckt: Der erste, der einen Einsatz des "Heißen Drahts" erleben durfte, war der US-Verteidigungsminister Robert McNamara. Am Morgen des 5. Juni 1967 wurde er von einem Offizier geweckt, der ihm mitteilte, dass der sowjetische Ministerpräsident Kossygin den Präsidenten zu sprechen wünsche.
McNamara war, wie er später in seinen Memoiren schrieb, etwas überrascht, da er bis dahin nicht gewusst hatte, dass die Verbindung im Pentagon endete. Daraufhin wurden weitere Endpunkte der Verbindung eingerichtet.
Zukunftsweisend: Bereits 1958 hatte der Schriftsteller Peter George in seinem Roman "Red Alert" eine direkte Telefonverbindung zwischen dem US-Präsidenten und seinem russischen Amtskollegen ersonnen.
Als die Geschichte dann 1964 mit dem Titel "Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben" als Kubrick-Film ins Kino kam, gab es die Leitung tatsächlich, da die Welt in der Kuba-Krise nur knapp einem Atomkrieg entgangen war.
Direkter Draht zur anderen Seite: Auf beiden Seiten der Verbindung standen Fernschreiber wie dieser, mal in lateinischer, mal in kyrillischer Ausführung. Die Nachrichten wurden erst verschlüsselt und anschließend an die andere Seite verschickt.