TV-Helden Tänzerin Anna
Patrick Bach als "Rainer" und Silvia Seidel als "Anna Pelzer": Die sechsteilige Serie um die selbstbewusste junge Tänzerin wurde 1987 zu einem Gassenfeger und machte Seidel zum Rollenmodell unzähliger Mädchen. Sie galt als Shooting-Star der deutschen TV-Unterhaltung, doch...
...das war ein Erfolg, der sich nicht lang fortsetzte: 1987 und 1988 erwiesen sich in der Rückschau als Beginn und zugleich Zenit ihrer Karriere. Sie bekam Preise für "Anna", doch dann wollte es einfach nicht weitergehen: Für das deutsche Publikum war und blieb sie die kleine Tänzerin.
Folge-Engagements in Deutschland und den USA versprachen zunächst noch den Beginn einer Karriere, doch nichts davon wurde wirklich ein Erfolg. Bald blieben Angebote aus.
1992 kam eine persönliche Katastrophe hinzu, ihre Mutter nahm sich nach jahrelanger Depression das Leben. Für Seidel war das "eine Krankheit, schlimmer als Aids und Krebs zusammen", wie sie in einem Interview sagte. Möglich, dass die als fröhlich-selbstbewusst verbuchte Frau da schon aus Erfahrung sprach.
Als TV- und Filmrollen ganz versiegten, landete Seidel am Theater. Auch hier aber kam sie über zweitklassige Boulevardbühnen nicht hinaus. Immerhin gelang es ihr, sich mit solchen Rollen und gelegentlichen TV-Engagements im Gedächtnis zu halten.
Von einer erfolgreichen Karriere kann anders als bei ihrem Rollen-Alter-Ego Anna aber keine Rede sein: "Ich bin oft arbeitslos und weiß dann nicht, wovon ich die Miete bezahlen soll", zitierte sie die "Freizeit Revue" in einem Artikel über den "Absturz" des einstigen "Sonnenscheins".
Tatsächlich erwies es sich für Seidel als fatal, so früh und so sehr mit einer Serienfigur identifiziert zu werden. 15 Jahre habe es gedauert, bis sie nicht mehr als "Anna" erkannt wurde, erzählte sie 2004 in der Talkshow "Beckmann", wo sie mit anderen Kinderstars saß. Es klang bitter.
Und trotzdem ließ sie nicht von der Schauspielerei ab, die sie für ihre Berufung hielt. Ab 2007 gab es wieder vermehrt TV-Angebote. Immerhin 19-mal spielte sie in der Seifenoper "Sturm der Liebe" und trat in den üblichen deutschen Krimiformaten auf ("Der Alte", "Soko").
Die meisten dieser Rollenangebote aber blieben seicht, vor allem aber selten: kurze, vereinzelte Auftritte in langlebigen Serienformaten. Vollbeschäftigung war auch das nicht. Nachts, berichteten Nachbarn, saß Seidel oft stundenlang mit angezogenen Beinen am Fenster ihrer Wohnung und rauchte.
2012 schließlich ließ sie sich wegen Depressionen stationär behandeln. Es reichte wohl nicht: Am 4. August wurde sie leblos in ihrer Münchner Wohnung gefunden, nachdem dort tagelang Licht gebrannt hatte. Weder der genaue Todeszeitpunkt noch die Todesursache sind geklärt. Weil sie einen Abschiedsbrief hinterließ, geht man von Suizid aus: Silvia Seidel wurde nur 42 Jahre alt.