Henry Ford und die Nazis Der Diktator von Detroit
Geburtstagsgeschenk: Voller Stolz ließ sich Henry Ford am 30. Juli 1938, seinem 75. Geburtstag, von Karl Kapp (r.), dem deutschen Botschafter in Cleveland, das Großkreuz des Deutschen Adlerordens an die Brust heften. Es war der höchste Orden des "Dritten Reichs" für Ausländer. Von links gratuliert Fritz Heiler, der deutsche Botschafter in Detroit. Adolf Hitler, dessen Laudatio Knapp zuvor verlesen hatte, bewunderte den amerikanischen Automobilproduzenten und seine Methoden der Massenproduktion zutiefst. Wie Hitler war auch Ford ein glühender Antisemit.
Henry Ford: Der Automobilbauer posiert 1941 bei Sägearbeiten. Henry Ford war auf dem Lande aufgewachsen und fühlte sich daher mit seinen Arbeitern verbunden. Er verstand sich nicht als Kapitalist, denn das war für ihn jemand, der Geld lediglich verwaltet, wie etwa ein Bankier - für ihn ein verachtenswerter Beruf. Ihm missfiel die Kontrolle, die Bankiers durch die Vergabe von Krediten über Geschäftsleute ausüben konnten. In einem Interview von 1915 mit dem "New York Times Magazine" setzte er Bankiers mit Kriegstreibern gleich. Später benutzte er für beide nur noch die Bezeichnung "Jude".
Zwangsarbeiter bei Ford: Im Zuge der Debatte um Entschädigungszahlungen für ehemalige Zwangsarbeiter im Nationalsozialismus schalteten jüdische und polnische Organisationen 1999 Anzeigen in amerikanischen Zeitungen, in denen sie einzelne Unternehmen anprangerten. Eines der Motive richtete sich gegen die Ford Motor Company, in deren Tochterfabrik in Köln 1943 etwa die Hälfte aller Beschäftigten Zwangsarbeiter aus dem Konzentrationslager Buchenwald waren. Die Überschrift lautet: "Das Fließband das Ford gern vergessen würde".
Vater und Sohn: Der Automobilproduzent Henry Ford und sein Sohn Edsel sitzen 1928 einträchtig in dem 15 Millionensten Ford-Auto. Die Beziehung der beiden war jedoch alles andere als friedlich. Edsel entsprach nicht dem Sohn, den der Patriarch sich gewünscht hatte. Da er ihm nicht traute, setzte Ford zwischenzeitlich sogar einen ehemaligen Preisboxer zur ständigen Überwachung seines Sohnes ein.
Ausschreitungen bei Ford: Drei Männer helfen dem nach Ausschreitungen in Fords River-Rouge-Fabrik verletzten Harry Bennett in ein Auto (um 1937). Bennett, ein ehemaliger Navy-Soldat und Boxer, war der Leiter des "Service Department" in der Ford Motor Company, einer Privatarmee, die die Arbeiter überwachte und einen gnadenlosen Kampf gegen die Gewerkschaften führte. Die Methoden der Abteilung brachten ihr Mitte der dreißiger Jahre auch die Bezeichnung "Fords Gestapo" ein.
Ford und Lindbergh: Der Automobilbauer Henry Ford (l.) im Gespräch mit dem Piloten Charles A. Lindbergh um 1927. Beide Männer waren große Bewunderer Adolf Hitlers und seines Nationalsozialismus und wurden Ende der Dreißiger mit dem Großkreuz des Deutschen Adlerordens ausgezeichnet. Lindbergh änderte allerdings nach der Reichskristallnacht am 9. November 1938 seinen Plan, mit seiner Familie nach Deutschland überzusiedeln.
River Rouge: Rauch steigt aus den Fabrikschornsteinen der Ford Motor Company in Dearborn, Michigan. Die "River Rouge"-Fabrik war eines der ersten Werke, das von Ford betrieben wurde. Die Fabrikhallen von Ford waren lichtdurchflutet und sauber - eine Umgebung, die sich nach den Vorstellungen Fords auch auf die Arbeiter auswirken sollte. Zudem waren alle Maschinen entsprechend den Arbeitsabläufen angeordnet, so dass die Produktionswege möglichst kurz blieben.
Das erste Gefährt: Ein knappes Jahr vor seinem Tod führt der 83-jährige Henry Ford vor seiner früheren Werkstatt in der Bagley Avenue in Greenfield Village, Michigan, noch einmal das erste von ihm selbst gebaute motorisierte Fahrzeug vor. Der Autodidakt hatte das "Quadricycle" im Jahr 1896 zusammengeschraubt.
Am Fließband: Arbeiter in der Ford-Fabrik in Dearborn, Michigan setzen 1928 ein Auto zusammen. Ford hatte die Produktionsabläufe revolutioniert, indem er sie in ihre kleinsten Einzelschritte zerlegte. Das Fließband ermöglichte, dass jeder Arbeiter nur für einen dieser Schritte zuständig war. Dadurch konnten erheblich mehr Autos in kürzerer Zeit hergestellt werden und die Arbeiter brauchten kaum angelernt zu werden.
Nervös am Lenkrad: Arbeiter der Ford Motor Company setzen 1913 in der Highland-Park-Fabrik Lenkräder zusammen. Die Arbeit in den Fabriken von Ford war sehr monoton. Jeder Arbeiter hatte eine Bewegung, die er ständig wiederholen musste, ohne davon abzuweichen. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es Stimmen, die derartige Arbeit als schädlich ablehnten. Doch Henry Ford argumentierte dagegen, dass die Arbeiter nur durch die ständige Wiederholung ihr Produktionstempo erreichen könnte. Zudem würde sich eine wiederholende Bewegung sogar positiv auf die Psyche auswirken. Tatsächlich gab es unter Ford-Arbeitern einen weit verbreiteten nervösen Zustand, der auch "Forditis" genannt wurde.
In der Reihe: Arbeiter der Ford-Fabrik in Highland Park, Michigan setzen die letzten Teile auf die in Reihe anrollenden Model-T-Fahrgestelle. Durch die Fließband-Produktion konnten bei Ford mehr Autos in kürzerer Zeit billiger hergestellt werden. Henry Ford schuf so die erste industrielle Massenproduktion in seinen Fabriken.
"Solange es schwarz ist": Blankgeputzt und in Reihen aufgestellt warten neue Ford Model Ts 1925 auf ihre Käufer. Henry Ford hatte mit der sogenannten Tin Lizzie den ersten "Volkswagen" geschaffen, der so billig war, dass ihn sich jeder leisten können sollte. Ein Grund für den niedrigen Preis des Fahrzeugs war die Standardisierung der Bauteile. Berühmt dazu wurde Fords Ausspruch, das Model T sei in jeder Farbe zu haben - solange es schwarz sei.
Arbeit bei Ford: Zwei Arbeiter setzen 1914 einen Motor in das Fahrgestell eines Ford Modell T. In den Ford-Werken wurde zu dieser Zeit jeder eingestellt, der arbeiten wollte - unabhängig von Berufserfahrung oder Ausbildung. Zusätzlich lockten hohe Löhne, gute Aufstiegschancen und geregelte Arbeitszeiten. Diese Vorzüge hatten allerdings auch einen Haken. Nur wer auch ein Leben als "guter Amerikaner" nach Fords Vorstellungen lebte, konnte davon profitieren. Die Einhaltung der Regeln wurde streng überwacht und die Arbeiter wurden zudem angehalten, Kollegen, die sich nicht daran hielten, bei der Fabrikleitung zu melden. So entstand in den Fabriken ein Klima der Überwachung und Bespitzelung.
Sonntagsausflug: Im August 1946 setzten sich Henry Ford und seine Frau Clara für die Fotografen noch einmal in Henrys erstes motorisiertes Quadricycle, das er 1896 gebaut hatte. In der Nachbarschaft war er bis zu seiner ersten Probefahrt nur als "Crazy Henry" bekannt. Niemand wollte glauben, dass er eine Kutsche bauen könnte, die auch ohne Pferd fährt.
Einflussreiche Freunde: Den Erfinder Thomas Edison (M.) lernte Henry Ford bereits 1896 kennen, aus der Bewunderung für den Mann, der dem damals noch jungen Ford Mut machte, seine Ideen weiterzuentwickeln, wurde bald Freundschaft. 1919 wurde auch der Reifenhersteller Harvey Firestone in die Gemeinschaft aufgenommen. Seitdem trafen sich die drei zusammen mit ihren Ehefrauen einmal im Jahr zu einem gemeinsamen Campingausflug.
Wachendes Auge: Arbeiter einer Ford-Fabrik in Detroit verlassen am Ende ihrer Schicht das Gebäude. Der Gründer, Henry Ford, wacht hier bis heute als Statue über sein Werk.
Empfang für die Ozeanflieger: Inspiriert vom Erfolg des Piloten Charles Lindbergh, versuchten auch andere den Atlantik im Flugzeug zu überqueren. Henry Ford empfing 1928 die Mannschaft der Junkers W 33 "Bremen", die kurz zuvor unter dramatischen Umständen auf einer kleinen Insel vor Labrador gelandet war. Die "Bremen" wurde zehn Jahre später von Ford für sein "Edison Institute Museum" in Dearborn erworben. Erst 1998 kam das Flugzeug zurück nach Deutschland und steht seit seiner Restaurierung im Flughafen von Bremen in einer Ausstellung.
Von links: Edsel Ford, Günther von Hünefeld, Hermann Köhl, Hugo Junkers, Henry Ford, James Fitzmaurice
Die vielen Gesichter: Sechs Portraits des amerikanischen Erfinders und Industriellen Henry Ford (1863 - 1947 von drei (o.l.) bis 77 Jahren (u.r.).
Fords Triumph: Stolz posiert Henry Ford 1907 mit einem seiner ersten Fahrzeug-Modelle auf dem Broadway in New York. Der Gründer einer der größten Auto-Fabriken wurde in seinen Anfangsjahren noch gern von seinen Nachbarn belächelt, bis er es tatsächlich schaffte, eine Kutsche zu bauen, die sich auch ohne Pferd bewegte.