Himmelsschreiber - DER SPIEGEL
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Himmelsschreiber Aus allen Wolken

Wenn sie loslegten, starrten Tausende gebannt in die Luft: In den zwanziger Jahren revolutionierten Himmelsschreiber die Reklame. Mit tollkühnen Manövern zeichneten sie riesige Werbebotschaften in den Himmel. Der Erfinder wurde erst belächelt - und dann steinreich.
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Irre Flugmanöver: Es war hohe Kunst, bei einer Geschwindigkeit von bis zu 175 Stundenkilometern ein Gefühl für die riesigen Buchstaben zu bekommen. Allein das P hatte eine Höhe von 1500 Metern, der gesamte Schriftzug war rund sieben Kilometer lang. Nach etwa einer halben Stunde zerfloss die Werbung wieder.

Foto: Henkel AG & Co. KGaA
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Ein Lächeln für Hamburg: Jörg Steber, Deutschlands letzter Himmelsschreiber, malte im Dezember 1988 einen riesigen Smiley über der Speicherstadt.

Foto: Heiner Ulrich
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Frieden im Himmel und auf Erden: Über den Kopf des Folk-Sängers Arlo Guthrie, der hier bei einem Musikfestival im September 1969 in Medford, Massachussetts, auftritt, hat ein Himmelsschreiber-Pilot das Peace-Zeichen gezaubert - dem Publikum dürfte es in der Zeit der Friedensbewegungen gefallen haben.

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Schwierige Manöver: Damit die Werbebotschaft vom Boden aus auch zu lesen war, musste der Pilot sie in Spiegelschrift an den Himmel malen - hier ein Zeichnung für die vorgesehene Flugroute. Geübt wurden diese Flugkunststücke auf dem Boden - mit Fahrrädern.

Foto: Henkel AG & Co. KGaA
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Tollkühne Waschmittelwerber: Diese drei Flieger gehörten zur Crew der Himmelsschreiber-Piloten des Waschmittelkonzerns Henkel.

Foto: Henkel AG & Co. KGaA
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Schreibkunst: Dass das Schreiben am Himmel den Fliegern wahre Meisterschaft abverlangte, zeigt dieses Persil-Werbefachblatt, das in deutschen Städten verteilt wurde. Es erklärt detailliert, wie der Pilot die kilometerlangen Werbebotschaften in die Luft malen konnte.

Foto: Henkel AG & Co. KGaA
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Touristen-Attraktion: Bis in die achtziger Jahre hatte der Hamburger Pilot Jörg Steber mit seinem Flugzeug Botschaften an den Himmel gezeichnet. In der Hansestadt war er aber besonders für seine Hafenrundflüge bekannt, die er mit einem einmotorigen Wasserflugzeug vom Typ Beaver de Havilland für Touristen anbot (hier eine Aufnahme von Juli 1998). Doch...

Foto: dpa
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...am 2. Juli 2006 stürzte das Wasserflugzeug in der Nähe des Spreehafens im Hamburger Hafen ab. Bei dem tragischen Unglück starben vier Passagiere sofort - darunter ein Kind, das den Flug zu seinem zwölften Geburtstag geschenkt bekommen hatte. Pilot Jörg Steber erlag 16 Stunden nach dem Unfall im Krankenhaus seinen Verletzungen: Der letzte Himmelsschreiber Deutschlands war gestorben.

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Wolkiger Willkommensgruß: Rennpferd Saintly ("Heilig") bei der Australian-Cup-Parade 2005 in Melbourne. Die Englische Vollblut-Stute wurde auch "Pferd des Himmels" genannt, weil sich ihr Jockey Darren Beadman als wiedergeborener Christ sah - in diesem Sinne schien dieser wolkige Willkommensgruß für die rassige Braune sehr passend.

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Sechs Buchstaben mit großer Wirkung: Der Waschmittelkonzern Henkel war das erste Unternehmen in Europa, das die Himmelsschreiber-Kunst, die schon Anfang der zwanziger Jahren in den USA für Furore sorgte, systematisch und regelmäßig als Werbemaßnahme einsetzte - hier eine Reklame von 1927.

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Ist es ein B? Man weiß es nicht. Aber der Mann, der hier in wilden Loopings in seiner MX-2 etwas an den Himmel schrieb, heißt Greg Poe und stammt aus Boise, Idaho. Seine Himmelsschreiber-Künste präsentierte er 2007 bei einer Flugschau der U.S. Air Force in Belle Chasse, Louisiana.

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Überirdische Entschuldigung: Die Australier scheinen ein Faible für Botschaften am Firmament zu haben - hier hat ein Pilot im Auftrag eines reuevollen Unbekannten "Sorry" zwischen die Wolken am strahlendblauen Himmel über Melbourne geschrieben. Der Adressat dieser Nachricht dürfte die knappe, dafür überdimensional große Entschuldigung kaum übersehen haben.

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Fernsehen am Firmament: In den zwanziger und dreißiger Jahren - vor dem Siegeszug der elektronischen Massenmedien - erfreute sich die Himmelsschreiber-Kunst besonderer Beliebtheit. Heute gibt es nur noch wenige Piloten, die damit ihr Geld verdienen - die antiquierte Reklametechnik gilt als zu teuer, aufwändig und gefährlich. Am häufigsten ist sie noch in den USA zu sehen, wo besonders Pepsi regelmäßig Werbung in die Luft zeichnen lässt.

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Fliegende Werbebotschafter: Der Waschmittelkonzern Henkel besaß für die Himmelsschreiber eine eigene Luftflotte, hier eine Aufnahme vor dem Hangar in Düsseldorf-Lohausen, und beschäftigte zeitweise sieben Piloten. Die Flugzeuge wogen rund 1200 Kilogramm und führten bei ihren Werbetouren zwischen den Wolken Chemikalien zur Rauchentwicklung mit.

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Einfach himmlisch: Ein Pilot hat den romantischen Auftrag eines Verliebten angenommen und in schön-schnörkeliger Schrift "Love" in den Himmel gezeichnet - möge die Liebe desjenigen, der hier seine Gefühle kundtat, länger halten als die schnell verpuffte Botschaft.

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Viel Rauch um Olympia: Die Eröffnungsfeierlichkeiten der 23. Olympischen Sommerspiele 1984 in Los Angeles. Ein Himmelsschreiber hat die fünf Olympia-Ringe über das Memorial Coliseum gemalt.

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Den Himmel als Bühne: Nicht immer malen Himmelsschreiber Werbebotschaften in die Luft. Auf Flugschauen, hier auf einer im September 1936, zeigen sie hie und da auch ihre Künste ohne kommerzielle Absichten.

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Botschaft an Peking: Mitunter wurde die Himmelschreiber-Kunst auch für politische Forderungen eingesetzt, wie hier beim Fackellauf der Olympischen Sommerspiele 2008 in Australiens Hauptstadt Canberra. Die Aufnahme entstand, als der Pilot gerade dabei war, "Free Tibet" an den Himmel zu schreiben.

Foto: AP
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Werbepionier: Der Brite Jack Clifford Savage war der erste Pilot, der nach dem Ersten Weltkrieg Nachrichten aus Rauch an den Himmel schrieb; erste Experimente dazu hatte er bereits 1909 unternommen. Seine Erfindung, die anfangs von seinen Freunden belächelt wurde, entpuppte sich in den zwanziger Jahren als revolutionäre und erfolgreiche Werbemaßnahme. Sie faszinierte die Zeitgenossen, elektrisierte die Medien - und machte Clifford zu einem reichen Mann.

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Der Himmel als Plakatwand: Ein Flugzeug zieht zum Hafengeburtstag im Mai 2009 einen Banner mit der Aufschrift "Welcome to Hamburg" hinter sich her - diese Form der Werbung wird noch bis heute in Deutschland eingesetzt.

Auch Himmelsschreiber und Flugpionier Jörg Steber flog regelmäßig mit Bannern über Hamburg - mitunter auch völlig unentgeltlich. So erregte er 1997 große Aufmerksamkeit, als er ein Flugzeug, das Parteiwerbung für die rechtsradikale DVU machte, mit einem "Nazis raus"-Banner verfolgte.

Foto: dapd
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