Hippie-Fotoschatz - DER SPIEGEL
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Hippiechronist John Chikago "Fotografiere nur das, was dir Spaß macht"

Er verehrte Led Zeppelin, liebte sich durch die Göttinger WGs - und probierte jede Kamera aus, die ihm in die Hände fiel. Aus Spaß und ohne Vorkenntnisse hielt John Chikago Ende der sechziger Jahre die deutsche Hippie-Szene auf Zehntausenden Bildern fest. einestages zeigt die originellsten Fotos.
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Zwischen Lässigkeit und Sucht: John Chikagos Porträt einer Fixerin, aufgenommen Ende der Sechziger in Göttingen. Was aus der Frau wurde, ist nicht bekannt.

Foto: WWYD/John Chikago
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Abtauchen: Hippies genießen ein Musikfestival in Südfrankreich, wie es Ende der sechziger Jahre viele auf der ganzen Welt gab. Für die Jugendlichen und Junggebliebenen waren es Inseln, auf denen sie der aufkommenden Konsumgesellschaft entflohen, sich unbefangen fühlten und einfach machten, worauf sie Lust hatten.

Foto: WWYD/John Chikago
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Barbara: Die Porträtierte war eine gute Freundin des Fotografen John Chikago, der in Wahrheit anders heißt, aber aus privaten Gründen nur unter seinem Künstlernamen genannt werden möchte. In diesem "Summer of '69" waren die beiden zusammen einige Wochen im Urlaub und auf Entdeckungsreise in Spanien - Treffpunkt von weiteren Hippies.

Die Fotos in der Bildergalerie wurden von John Chikago/WWYD zur Verfügung gestellt.

Der Name WWYD ("We Want Your Daughters") war der ironisch konnotierte Slogans der Hippies und Beatniks. Er spielte auf die Angst des Bürgertums an, ihre wohlbehüteten Töchter könnten die falschen Freunde kennenlernen und von den dauerrauchenden und langhaarigen Hippies verdorben werden.

Foto: WWYD/John Chikago
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Christian: Der Sohn eines Göttinger Augenarztes war ein guter Freund des Fotografen John Chikago. Christians Freundin Laura hat ihm zu der Zeit immer die Kleidung, darunter diesen Pullover, genäht.

Foto: WWYD/John Chikago
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Dealer bei Eduscho: Cafés, wie man sie heute von jeder Straßenecke kennt, waren in den sechziger Jahren eine Rarität. War man kein Rentner, der seinen Beitrag zum Wirtschaftwunder schon geleistet hatte, hatte man im Kaffeehaus nichts verloren. Die Oldenburger "Hippies", wie sie in bürgerlichen Kreisen gern abfällig genannt wurden, spielten gern Bürgerschreck und trafen sich im Eduscho-Café. Hier konnten sie diskutieren, lamentieren, Pläne schmieden. Sie wollten anders sein und dem gesellschaftlichen und politischen Muff der späten sechziger Jahre entrinnen, der in ihren Augen die Menschen daran hinderte glücklich zu sein.

Foto: WWYD/John Chikago
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Erich: John Chikago fotografierte überwiegend enge Freunde, die ihn schon lange kannten und vertrauten, wie hier den Graphiker Erich. Vielleicht wirken seine Aufnahmen auch deshalb so ungestellt. Zudem hatte der Fotograf damals keine Ambitionen, mit seinem Hobby einmal Geld zu verdienen. Nur aus reinem Spaß hielt er seine Zeit auf Tausenden Aufnahmen fest - viele der Negative wanderten danach zunächst ungesehen in Ordner und Kartons.

Foto: WWYD/John Chikago
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Erntedankfest: Eine Hippie-WG auf einem alten Bauernhof, den es damals schon für 300 Mark im Monat zu mieten gab.

Foto: WWYD/John Chikago
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Festessen: Der Sonntagsbraten bei John Chikagos Schwiegereltern, einen Tag vor seiner Hochzeit mit Marion 1976.

Foto: WWYD/John Chikago
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Musikalische Früherziehung: Eine Frau mit ihrem Kleinkind auf einem kleinen dreitägigen Musikfestival 1973 im Rhônetal in Frankreich.

Foto: WWYD/John Chikago
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Benebelt bei der Bundeswehr: Um ein anstrengendes Nato-Divisionsschießen im bayrischen Grafenwöhr gut überstehen zu können, bestellten John Chikago und seine Kameraden Captagon, ein aufputschendes Medikament, das 1972 verboten wurde. Doch die ebenfalls am Manöver teilnehmenden Briten jubelten den Deutschen stattdessen zum Spaß "Yellow Sunshine Explosion" - reines LSD - unter. So waren die Soldaten bei einer nächtlichen Übung breit ohne Ende und nahmen mit ihren Geschützen aus Versehen die Nachschublinien der Briten unter Beschuss.

Foto: WWYD/John Chikago
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Modebewusster Geschäftsmann: Ein flüchtiger Bekannter des Fotografen, porträtiert 1974 in Frankfurt am Main.

Foto: WWYD/John Chikago
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WG-Wahnsinn: Es gibt Spitznamen, auf die ist man später nicht unbedingt stolz. Dieser junge Mann wurde von seinen Mitbewohnern in Göttingen liebevoll-ironisch "Hannes die Küchenschabe" genant - Aufnahme von 1973.

Foto: WWYD/John Chikago
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Diese Farben! Ein Hippiekind 1972 auf Ibiza, eine der Aussteigerhochburgen in den siebziger Jahren.

Foto: WWYD/John Chikago
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Hochzeit: Der Rebell und Bürgerschreck John Chikago ganz ordentlich gekleidet mit seiner Frau Marion im Jahr 1976. Der Frack aus dem 19. Jahrhundert stammte allerdings vom Kostümverleih. Besonders von der konservativen Familie seiner Frau wurde der Bräutigam trotz des scheinbar seriösen Auftretens argwöhnisch beäugt.

Ein Grund: John und Marion fanden eine kirchliche Hochzeit eigentlich unnötig und ließen sich dazu nur mit Geld überreden. Die Tante der Braut bot dem Paar 10.000 DM, wenn es vor den Traualtar treten würde. Dafür kann man sich schon mal einen Frack leihen, dachte sich John und ehelichte Marion ganz offiziell mit Gottes Segen. Anderthalb Jahre später ist Marion ihm trotzdem davongelaufen.

Foto: WWYD/John Chikago
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Blumenkinder: Hippies auf einem Markt auf Ibiza. "Ich hab einfach immer nur draufgedrückt", erklärt John Chikago seinen Fotografierstil. Er verließ sich mehr auf sein Gefühl für den richtigen Augenblick als auf die Technik. Deshalb wurde für ihn der französische Fotograf Jacques-Henri Lartigue, ein früher Meister der Momentfotografie, zum Vorbild.

Foto: WWYD/John Chikago
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Dr. Best: Der Amerikaner John, Spitzname "Dr. Best", war immer gut drauf. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes - John war immer auf irgendwas.

Foto: WWYD/John Chikago
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Gutgelaunt im Kalten Krieg: John Chikago, rechts im Bild, nach der gemeinsam durchfeierten Silvesternacht mit seinen Freunden zur Abreise aus dem friesischen Varel. Dass auf dem Bild zwei Kampfjets vorbeifliegen, war eher Zufall, wenn auch nicht ganz ungewöhnlich - schließlich befand man sich ja mitten im Kalten Krieg. Welche Jets sich auf dem Foto befinden, konnte nicht genau verifiziert werden.

Foto: WWYD/John Chikago
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Langelsheim: Ein recht legendäres Musikfestival in der Provinz. Dort spielten z.B. Bands wie Can oder Ashton, Gardner & Dyke, Status Quo, Scorpions, Colloseum und Steamhammer. Als John mit seinen Kumpels auf der Wiese herumsaß und ein Joint in der Gruppe kreiste, kam plötzlich ein englischsprachiger Mann zu ihnen und wollte einen Zug. Sie ließen ihn gerne ziehen und unterhielten sich eine Weile. Dann ging der Kollege wieder. Erst später beim Act der Band Family fiel ihnen auf: Der Mann war Roger Chapman, der damaliger Sänger von Family.

Foto: WWYD/John Chikago
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Ganz entspannt: Nele und ihr Sofa waren unzertrennlich, Aufnahme aus dem Jahr 1972.

Die Redaktion bedankt sich für alle Hinweise zum Bild 19 der Fotostrecke von John Chikago. Die einestages-Leser hatten festgestellt, dass im Hintergrund der laut Chikago von 1972 stammenden Aufnahme offensichtlich ein Wandposter des US-Fotomodels Anna Nicole Smith zu sehen ist - eine Aufnahme, mit der Smith erst in den neunziger Jahren berühmt geworden war.

Auf Nachfrage der Redaktion teilte John Chikago mit, dass es sich bei der Frau auf dem Poster tatsächlich um Anna Nicole Smith handle. Er habe in den neunziger Jahren zwischenzeitlich mit Photoshop experimentiert, dann aber bemerkt, dass selbst künstlerische Montagen die Authentizität der Bilder zu sehr beeinträchtigten. Leider sei ihm die Aufnahme bei der Bildauswahl für den einestages-Artikel versehentlich "durchgerutscht". Alle anderen Fotos in der gezeigten Serie seien jedoch "definitiv authentisch", inklusive der Aufnahme mit den Kampfjets im Hintergrund.

Die Redaktion bedauert die Veröffentlichung einer Montage, über die sie nicht informiert gewesen war. Zur Dokumentation bleibt das Bild jedoch Teil der Galerie.

Foto: WWYD/John Chikago
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Abwarten und rauchen: Lucy war eine Schulfreundin von John Chikago. Sie wartete nach der Schule oft auf ihn, um mit ihm Zeit zu verbringen - dabei entstand diese Aufnahme aus dem Jahr 1967.

Foto: WWYD/John Chikago
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Hahnenkampf: Ottfried, genannt Tittfried, und John Chikago standen meistens auf dieselben Frauen. Deshalb war ihr Verhältnis nicht ganz unproblematisch.

Foto: WWYD/John Chikago
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Pop-Festival 1972: Ein Plakat kündigt das legendäre Festival auf der Berliner Waldbühne an.

Foto: WWYD/John Chikago
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Robert Plant: Der Sänger von Led Zeppelin bei einem Auftritt 1971 in Berlin. John Chikago dachte sich, "ach, fotografiere ich ihn halt mal". Aus dieser spontanen Laune heraus entstanden viele seiner Bilder, die er erst jetzt, vier Jahrzehnte später, aussortiert und systematisch einscannt. Einige der Aufnahmen waren bereits auf kleineren Ausstellungen zu sehen.

Foto: WWYD/John Chikago
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Alternatives Leben: Immer mehr jungen Leuten wurde es in Ende der sechziger Jahren den Wohnungen ihrer Eltern zu eng. Für einen Single war es zu dieser Zeit jedoch selten bezahlbar noch schicklich, eine Wohnung alleine zu mieten. Immer mehr schlossen sich daher in Wohngemeinschaften zusammen.

"Zippo" war neu in Land-WG in John Chikagos Oldenburger Land-WG und eigentlich Handwerker. Er hatte "keinen Bock mehr auf das System", wie er selbst sagte, blieb ein paar Monate und entschloss sich dann, Sprachen zu studieren. Jemand hat ihn jedoch später mit Heroin angefixt. Er starb 1978 an einer Überdosis.

Foto: WWYD/John Chikago
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Die Unfreiheit der Freien: Ende der sechziger Jahren zog es viele Aussteiger aus bürgerlichen Familien nach Ibiza. Am Monatsende gingen die eigentlich so sehr auf ihre Unabhängigkeit bedachten Menschen dann dort schnurstracks zur Post - um sich den Scheck von ihren Eltern abzuholen.

Foto: WWYD/John Chikago
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