Hiroshima 1945 Bilder einer toten Stadt
Knäuel aus Stahl: Am Morgen des 6. August 1945 warf der amerikanische Bomber "Enola Gay" die erste Atombombe "Little Boy" über der japanischen Metropole Hiroshima ab. Binnen Sekunden verwüstete die Druckwelle den größten Teil der Stadt.
Wenige Wochen nach der Explosion sandte US-Präsident Harry S. Truman einen Erkundungstrupp aus, der das Ausmaß der Katastrophe in Hiroshima und Nagasaki dokumentieren sollte. So entstanden Tausende von Aufnahmen, wie etwa dieses Bild von heillos verknoteten Stahlträgern, die einmal das Odamasa-Kaufhaus in Hiroshima getragen hatten.
Das Foto wurde vom
International Center of Photography
zur Verfügung gestellt.
Unter Asche begraben: Die Bilder aus Hiroshima im Herbst 1945 schockierten und traumatisierten auch einige der Männer, die die Fotos gemacht hatten - dabei sollten sie eigentlich möglichst nüchtern und präzise die Schäden der Bombe dokumentieren.
Beschädigte Feuerwehrfahrzeuge, fotografiert am 29. Oktober 1945.
Verdrehte Welt: Bei dem Abwurf der Atombombe über der Innenstadt Hiroshimas entstand ein Feuerball, der in seinem Inneren mehr als eine Million Grad Celsius heiß war. Die kaum begreifliche Hitze ließ noch in mehr als zehn Kilometer Entfernung Bäume in Flammen aufgehen und brachte Stahlkonstruktionen wie diese Eisentreppe in der Asano-Bücherei zum Schmelzen - die fast schon kunstvoll verdrehte Metalltreppe wirkt so, als sei sie direkt einem Gemälde von Salvador Dalí entsprungen.
Verwüstete Ruhestätte: Die Grabsteine auf dem Friedhof beim Kokutai-Tempel in Hiroshima wurden von der Wucht der Druckwelle wie Dominosteine umgestoßen. Davor ragen die blattlosen Äste eines Kampferbaums in den Himmel. Im Hintergrund: die Bank von Japan.
Lehren aus Hiroshima: Einen Monat nach den Atombombenabwürfen schickte die US-Regierung eine 150 Mann starke Spezialeinheit nach Japan. Die Physical Damage Division sollte "so präzise wie möglich die exakten Auswirkungen der beiden Bomben" herausarbeiten, um die "wahren Möglichkeiten und Grenzen" der neuen Waffe einschätzen zu können.
Damit wollten die USA ausloten, inwiefern sie sich selbst einmal vor den Folgen eines atomaren Angriffs schützen könnten. Besonders interessierte sich die Spezialisten für...
...Betongebäude, die der Zerstörungsgewalt der Atombombe scheinbar trotzen konnten - hier ein Saal im Rathaus von Hiroshima. Während die Außenwände dem Feuer standhalten konnten, wurde die Inneneinrichtung komplett zerstört.
Eine tote Stadt: Vor der Ruine der Messehalle ist auf diesem Bild vom 24. Oktober 1945 ein Mensch zu sehen, vielleicht ein Mitarbeiter der US-Spezialeinheit, die nach dem Krieg die Schäden begutachteten. Meist zeigen die Hiroshima-Fotos jedoch...
...bedrückend menschenleere Straßenzüge. Im Vordergrund ist hier die Ruine der christlichen Kirche von Nagarekawa zu sehen.
Letzte Spuren: Eine zerschmorte Lederjacke ist alles, was an diesen Schuljungen erinnert, der sich zum Zeitpunkt der Explosion in der Nähe des Rathaus in Hiroshima aufhielt. Bei dem Angriff wurden schätzungsweise 90 Prozent der Menschen in einem Umkreis von einem halben Kilometer zu Ground Zero getötet. Die genauen Opferzahlen für Hiroshima sind bis heute nicht bekannt; die Spätfolgen einbezogen, variieren die Schätzungen zwischen 80.000 und 160.000.
Ausradiert: Die Überreste einer Schule, aufgenommen am 17. November 1945. Lediglich eine Wand ist von dem Gebäude noch übriggeblieben. Sie erinnert an eine Theaterkulisse, hinter der die Realität beginnt.
Kalte Auswertung: Der Abwurf der Atombomben glich einem gigantischem Feldexperiment, dem Zehntausende Zivilisten zum Opfer fielen. Wochen nach den Explosionen sollten amerikanische Fotografen, Ingeniere und Techniker die Schäden dokumentieren und Antworten auf Fragen finden, die die US-Regierung zuvor ausgeblendet hatte: Wie wirkt eine Atombombe? Was macht die unvorstellbare Hitze und der Explosionsdruck mit Materialien wie Holz, Stahl oder Beton? Unter welchen Umständen können Menschen überleben, obwohl sie sich in unmittelbarer Nähe zu Ground Zero befinden?
Fotofund: Dieses Foto des Funairi-Gymnasiums, aufgenommen am 20. November 1945, erinnert an die Bilder der Tsunami-Katastrophe von 2004, die damals um die Welt gingen. 700 bedrückende Aufnahmen von Hiroshima waren lange Zeit verschollen und sind erst vor Jahren durch eine Zufall wieder aufgetaucht; ein Teil von ihnen sind derzeit im New Yorker International Center of Photography zu sehen. Andere Fotos der Physical Damage Division aus Hiroshima lagern schon seit Jahrzehnten in den National Archives, ohne dass sie von der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen wurden.
Nach der Apokalypse: Panorama- und Luftaufnahmen wie diese, hier der Blick gen Südwesten über das verwüstete Hiroshima, kannte man - aber die Bilder, die derzeit im Center of Photography gezeigt werden,...
...offenbaren weniger bekannte, verstörende Detailaufnahmen, etwa den Fußabdruck eines Menschen auf einer Brücke, bevor er von der Hitze und der Strahlung ausgelöscht wurde. Der Pfeil daneben, angefertigt von einem Mitarbeiter eines US-Erkundigungsteams, kennzeichnet die Richtung der Druckwelle.
Nach dem Angriff: Die Halle der Telefongesellschaft von Hiroshima, aufgenommen am 28. Oktober 1945, wenige Wochen nach dem Bombenabwurf der Amerikaner. Der Holzfußboden und die Schalter wurden komplett zerstört.
Dem Erdboben gleichgemacht: Von 76.000 Häusern in Hiroshima wurden 70.000 gänzlich zerstört oder stark beschädigt. Dieses Bild wurde vom Dach der Rotkreuz-Gesellschaft aufgenommen
Stillstand: Ein von der Druckwelle zerstörter Waggon und Strommast, aufgenommen am 13. November.
Kulturnation am Abgrund: Verbrannte Bücher in der Universitätsbibliothek. Bilder wie diese lassen die Erinnerungen an den Horror von Hiroshima wieder lebendig werden.