Der "Vampir von Hannover" Polizeispitzel mit Altkleiderhandel
Für den Fotografen: Fröhlich lächelt Fritz Haarmann im Juli 1924 in eine Kamera, obwohl er mit Handschellen an zwei Polizisten gefesselt ist. Der mindestens 24-fache Mörder war sich seiner Wirkung in der Öffentlichkeit durchaus bewusst - er wollte unbedingt berühmt werden.
Fritz Haarmann: Als ein "Vollmondgesicht mit frischen Farben und kleinen neugierigen und fröhlichen Tieräuglein" beschrieb ihn der Philosoph Theodor Lessing. "Das zwischen braun und grau schillernde Auge ist kalt und seelenlos; aber gerissen und verschlagen und meistens in Bewegung", fügte er noch hinzu.
Das Wohnhaus: Im Dachgeschoss des Hauses in der Roten Reihe 2 in Hannover (Pfeil) lebte Fritz Haarmann von 1923 bis zu seiner Verhaftung im Juni 1924. Mehrfach beschwerten sich Nachbarn über seltsame Geräusche, die nachts aus seiner Wohnung kamen. Die Polizei ging den Anschuldigungen jedoch nur selten nach und wenn es Hausdurchsuchungen gab wurde nichts gefunden - seine Freunde im Polizeidienst hatten ihn dann längst gewarnt.
Der Ort des Grauens: Fritz Haarmanns Dachwohnung in der Roten Reihe 2 sieht auf den ersten Blick vielleicht harmlos aus, tatsächlich ermordete er hier und in einigen anderen Zimmern, in denen er zuvor gewohnt hatte, mindestens 24 junge Männer mit einem Biss in den Hals. Die Leichen zerlegt er anschließend und warf die Knochen in die Leine. Was mit dem Rest geschah bleibt bis heute ein Rätsel.
Auf dem Weg ins Gericht: Gut bewacht wird Fritz Haarmann im Dezember 1924 vom Gefängnis zu seinem Prozess gebracht. Seit dem 22. Juni 1924 war er nun in Polizeigewahrsam. Er hatte an diesem Tag am Hauptbahnhof eine Auseinandersetzung mit einem Jungen gehabt, den er schließlich zur Bahnhofswache brachte und forderte man möge ihn verhaften. Im Verhör sagte der Junge dann aus, er hätte die vergangene Nacht bei Haarmann verbracht und sei mit einem Messer am Hals aufgewacht. Haarmann wurde daraufhin von der Polizei verhaftet. Bis er jedoch begann die Morde zu gestehen, dauerte es noch bis zum 29. Juni.
Vor Gericht: Der Prozess gegen Fritz Haarmann begann am 4. Dezember 1924 und erzeugte ein riesiges Interesse. Massen von Menschen strömten an jedem Verhandlungstag zum Gericht, von denen allerdings immer nur 80 als Zuschauer zugelassen wurden. Die Bevölkerung wollte ein schnelles Todesurteil, um die Ordnung wieder herzustellen und auch Haarmann wollte eine Vollstreckung am liebsten noch vor Weihnachten, um das Fest mit seiner Mutter im Himmel zu verbringen. Tatsächlich wurde er am 19. Dezember 1924 zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde dann allerdings erst am 15. April 1925 vollstreckt.
Der Mörder mit dem markanten Bart: Fritz Haarmann aufgenommen von der hannoverschen Polizei nach seiner Festnahme am 22. Juni 1924. Klaus Mann schrieb in seiner Autobiographie "Der Wendepunkt" zu Beginn der vierziger Jahre, er habe in einem Münchener Kaffeehaus Adolf Hitler nur wenige Monate vor dessen Wahl zum Reichskanzler gesehen. Da sei ihm auch aufgefallen, an wen ihn der spätere Diktator mit seinem Seitenscheitel und dem gestutzten Oberlippenbart erinnerte - Fritz Haarmann, den Massenmörder von Hannover.
Gruseliges Exponat: In einer Ausstellung der Polizeigeschichtlichen Sammlung Niedersachsen wurde im Sommer 1997 auch das vermutliche "Original-Hackebeil" von Fritz Haarmann ausgestellt. Schon während seiner Verhandlung hatte sich der Massenmörder darüber gefreut, dass er auch über seinen Tod hinaus noch überall bekannt sein werde. Ein Ziel das er offensichtlich erreicht hat.
"Die Zärtlichkeit der Wölfe": Fassbinder-Schüler Ulli Lommel brachte diesen Film über Fritz Haarmann 1973 ins Kino. Er machte aus der Geschichte allerdings eher einen Vampirfilm, dessen von Kurt Raab gespielte Hauptfigur den Zuschauer mehr an Graf Dracula als an den Massenmörder erinnerte. Der Film lief dann auch bei der Berlinale 1973, konnte dort allerdings nicht überzeugen und gewann keinen Preis.
"Der Totmacher": Romuald Karmakars Film von 1995 mit Götz George als Fritz Haarmann kam bei der Kritik wesentlich besser an. Mehr wie ein Bühnenstück konzipiert basiert der Film auf den Protokollen der Vernehmungsgespräche zwischen Haarmann und dem medizinischen Gutachter Professor Schultze. Vorallem George wurde für seine eindringliche Darstellung der Titelrolle mit einer hohen Bandbreite an Emotionen gelobt.
Der Mörder im Mittelpunkt: "Der Totmacher" spielt nur in dem Vernehmungsraum, in dem Fritz Haarmann (Götz George) und sein Gutachter (Jürgen Hentsch) sitzen. Die Texte sind dabei originalgetreu aus den Protokollen von 1924 übernommen worden. Haarmann, der damals schon immer ins Kino kommen wollte hätte sich sicherlich darüber gefreut, dass dieser Film, in dem es nur um ihn geht mit gleich mehreren Preisen ausgezeichnet wurde.
Der blutige Haarmann: Hannover kommt nicht los von seinem berühmtesten Massenmörder. In der Stadt an der Leine kennt fast jeder Fritz Haarmann und weiß was er getan hat. Nichts desto trotz gibt es Führungen, die Interessierte an die Schauplätze des Mordens bringen. So ist es wenig verwunderlich, dass 2001 auch ein Theaterstück mit dem Titel "Haarmann" von Marius von Mayenburg am niedersächsischen Staatstheater uraufgeführt wurde. Wilhelm Schlotterer spielte darin die Titelrolle im blutverschmierten Unterhemd.