Historische Kriminalfälle - DER SPIEGEL
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Historische Kriminalfälle Schöngeist, Muttermörder, Massenmörder

Er war ein hochbegabtes Kind, gab sich als Schöngeist. Doch 1930 metzelt Kalistros Thilecke seine tyrannische, nymphomanische Mutter mit 17 Messerstichen nieder. Nach seiner Haftentlassung zieht er mit dem SS-Sonderkommando Dirlewanger mordend durch den besetzten Osten. Was machte den Bohemien zur Bestie? Von Uwe Dannenbaum
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Kalistros Thielecke: Seinen ungewöhnlichen Vornamen verdankte der Muttermörder Thielecke seinem Vater, einem Tabakwarenfabrikanten, der eine Zigarettenmarke dieses Namens produzierte.

Foto:

Landesarchiv Berlin

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Bohemien Thielecke: Mit 17 Messerstichen brachte Kalistros Thielecke Anfang August 1930 seine Mutter um, die ihn über Jahre terrorisiert hatte. Für die Berliner Boulevardpresse war der Muttermord von Wilmersdorf ein gefundenes Fressen, zumal der Täter mit seinem schwarzen Samtanzug und den langen Haaren auf das bürgerliche Publikum einen exotisch-dandyhaften Eindruck machte.

Foto: Landesarchiv Berlin
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Polizeifoto: "Ich habe meinen Vormund getötet." Mit diesen Worten betrat der junge Kalistros Thielecke am frühen Morgen des 7. August 1930 das Polizeirevier 157 in Berlin-Wilmersdorf. Das Foto stammt aus der erkennungsdienstlichen Polizeiakte.

Foto: Landesarchiv Berlin
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Indianerritual: Der hochbegabte Muttermörder Kalistros Thielecke hatte ein besonderes Interesse an nordamerikanischen Indianerkulturen und deren Sprache. Die Leiche seiner Mutter verschnürte er nach indianischem Ritus fachgerecht in einem Stoffpaket. Das Gemälde des amerikanischen Künstlers Seth Eastman von 1868 zeigt einen Dakota-Stamm bei einem Tanzritual.

Foto: Getty Images
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Dramatiker Hauptmann: Durch einen Zufall lernt der Schriftsteller Gerhart Hauptmann den jungen Kalistros Thielecke kennen und sorgt dafür, dass der hochbegabte Knabe das Reforminternat im thüringischen Wickersdorf besuchen darf. Zuvor war Kalistros nur von Hauslehrern unterrichtet worden, da seine Mutter ihrem Sohn jeglichen Kontakt mit anderen Kindern verwehrte.

Foto: Getty Images
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SS-Mann Nebe: Das erste Verhör des Muttermörders Kalistros Thielecke führt im August 1930 Kriminalkommissar Arthur Nebe. Zehn Jahre später begegnen sich die beiden erneut - Nebe ist inzwischen SS-Sturmbannführer und oberster Polizeibeamter des "Dritten Reiches". Als ihn der entlassene Thielecke um Hilfe bittet, vermittelt Nebe den Muttermörder zum "Sonderkommando Dirlewanger", einer der blutrünstigsten Einheiten der SS, die hauptsächlich aus Schwerverbrechern rekrutiert wird.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 101III-Alber-096-34

Foto: Das Bundesarchiv/Kurt Alber
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Waffen-SS in Warschau: Auf Betreiben seines ehemaligen Verhörers Arthur Nebe, inzwischen in führender Position in Heinrich Himmlers "Reichssicherheitshauptamt" tätig, wurde Kalistros Thielecke nach zehnjähriger Haft dem Sonderkommando Dirlewanger zugeteilt. Diese Straf- und Spezialeinheit der SS beging in den besetzten Ostgebieten von 1940 bis 1944 Zehntausende Morde an unschuldigen Zivilisten. Das Foto zeigt Männer der Waffen-SS, darunter auch Sondereinheitsmitglieder, im Häuserkampf während der Niederschlagung des Warschauer Aufstands im Sommer 1944.

Signatur im Bundesarchiv: 183-97906

Foto: Das Bundesarchiv/Schremmer
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SS-Offizier Dirlewanger: Der Kommandeur des 1940 aufgestellten "Sonderkommandos Dirlewanger" war promovierter Kaufmann und Steuerberater. 1934 war er wegen Kindesmissbrauchs und 1936 wegen Veruntreuung zu Haftstrafen verurteilt worden, wurde aber dank der Fürsprache eines alten Freundes in die SS aufgenommen. Die überwiegend aus Schwerverbrechern bestehende Dirlewanger-Einheit war verantwortlich für zahllose Massaker in Polen und Weißrussland mit Zehntausenden Toten.

Foto:

DER SPIEGEL

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Dirlewangers Erkennungsmarke: Die Metallmarke mit der eingeprägten Personenkennziffer wird von Soldaten um den Hals getragen und dient zur Identifizierung Gefallener. Um Gerüchte zu widerlegen, Oskar Dirlewanger habe den Zweiten Weltkrieg überlebt und sei in Diensten arabischer Staaten tätig, wurde dessen Leiche in den sechziger Jahren exhumiert. Die gerichtsärztliche Untersuchung ergab eindeutig, dass es sich bei dem Bestatteten um Dirlewanger handelte. Der SS-Offizier war vermutlich von befreiten polnischen Zwangsarbeitern in einem Racheakt zu Tode gefoltert worden - während des Warschauer Aufstandes 1944 hatte Dirlewanger mit seiner SS-Sonderformation mehrere Zehntausende Menschen getötet.

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Blutspur durch den Osten: Unter dem Vorwand der "Partisanenbekämpfung" ermordete das SS-Sonderkommando Dirlewanger zwischen 1940 und 1944 in den besetzten Gebieten Polens und Weißrusslands Zehntausende von unschuldigen Zivilisten. Bei Kämpfen an der Front wurde die vorwiegend aus Schwerkriminellen bestehende Truppe kaum eingesetzt.

Foto: DER SPIEGEL
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