Historische Sehhilfen - DER SPIEGEL
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Historische Sehhilfen Augen auf und durch

Hingucker zum Ablachen: Mit grellen Farben und irren Formen kämpfen Brillenmacher seit Jahrhunderten um die Gunst der Massen. Ein neuer Bildband zeigt die schrägsten Modelle der Brillengeschichte - und verrät, dass die Sehhilfe ihren Erfolg gar nicht Designern verdankt. Sondern der Billardkugel.
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Sehen zweitrangig: Diese Anzeige aus den sechziger Jahren warb für ihre neuesten "wilden, wilden, wilden" Brillenmodelle - mit natürlich passend wilden Namen wie "Diskothek" und "Donnervogel". Bei so viel Wildheit am Strand war es wohl eher egal, dass man durch die schmalen Schlitze sicher kaum was erkennen konnte.

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Augen auf! Diese Sonnenbrille aus den sechziger Jahren stammt offenbar aus der Damenkollektion - und war sicherlich beliebt bei all jenen, die über zu kurze Wimpern klagten.

Foto: Taschen Verlag
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Ausgezeichnetes Design: Diese XXL-Sonnenbrille mit der auffallenden Goldumrandung und den lila getönten Gläsern wurde 1974 mit dem Design Award der Eyewear Group of America ausgezeichnet. Große Brillen waren in den sechziger und siebziger Jahren sehr modern - und sind es mittlerweile wieder.

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Schatten für die Augen: Wenn die zarte Tönung dieses holländischen Sonnenbrillenmodells nicht reicht, gibt es ja zum Glück noch die kleinen Stoffmarkisen für die gestressten Äuglein - Sonnenbrand auf dem Lid nahezu ausgeschlossen.

Foto: Taschen Verlag
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Flatterhafte Mode: Oh nein, ein riesiger Tropenschmetterling hat sich auf das Gesicht dieser jungen Frau gesetzt. Oder hat die sich das Ding wirklich freiwillig auf die Nase gesetzt? Dafür guckt sie eigentlich zu unentspannt.

Foto: Getty Images
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Binokel mit Tentakeln: Ein Sonnenbrillenmodell aus den fünfziger Jahren mit lang geschwungenen Fühlern in Blattform über den Gläsern.

Foto: Taschen Verlag
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Auffallen um jeden Preis: Manche Designer wollten mit aller Gewalt weg von der klassischen runden Form der Brille - wie etwa hier Pierre Cardin mit zwei kantigen Brillenmodellen aus den siebziger Jahren.

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Für Fern-Sichtige: Eine Sonnenbrille des Spielzeugwarenherstellers A.C. Gilbert, deren Gläser die Form von TV-Geräten haben - so bekommt die Warnung vieler Eltern, ihre dauerglotzenden Kinder könnten vom Fernsehen viereckige Augen bekommen, gleich eine ganz andere Bedeutung.

Foto: Taschen Verlag
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Cooler Nasenschmuck: In den fünfziger Jahren hatte sich das Image der Brille endgültig gewandelt - von der schnöden Sehhilfe zum kultigen Modeaccessoire. Und auch Rauchen galt in jener Zeit als schick und durchaus damenhaft.

Anzeige der Zigarettenmarke Chesterfield, 1957

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Das Runde ins Eckige: Bei diesem Entwurf aus den sechziger Jahren haben französische Designer mit geometrischen Formen gespielt - das Ergebnis passte gut zu den ausgeflippten Outfits der Flower-Power-Ära.

Foto: Taschen Verlag
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Schnöde Sehhilfen? Von wegen! 1964 führten diese drei Models in London ausgefallene Designerentwürfe der neusten Brillenkollektion vor.

Foto: Getty Images
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Lasst Brillen sprechen: Die Brillenmode spiegelt oft Entwicklungen in Kunst, Musik und Gesellschaft wider - wie diese beblümte Kunststoffbrille eines unbekannten Herstellers aus den sechziger Jahren.

Foto: Taschen Verlag
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Der neueste Tierschrei: Ein Mannequin führt Gestelle in Form von Katzenaugen vor, die in den fünfziger Jahren sehr modern waren. Betrachtet man das Schlangen-Modell auf dem linken Arm des Models und auf dem rechten die Fisch-Brille, haben die Designer jener Zeit offenbar gern in der Tierwelt Inspiration gesucht.

Foto: Getty Images
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Eskimo-Brille: Bei diesem Modell haben sich die Designer an den traditionellen Schneebrillen der Inuit orientiert, die sich durch feine Sichtschlitze auszeichnen, um vor dem grellen Sonnenlicht zu schützen. Die erste Sonnenbrille der Welt soll vor Jahrtausenden ein Inuit erfunden haben, als er in einen Seehundknochen einen schmalen Guckschlitz schnitzte.

Foto: Taschen Verlag
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Die Drei von der Brillenmode: In den fünfziger und sechziger Jahren erlebten Farbintensität und Extravaganz in der Brillenmode einen Höhepunkt - hier präsentieren 1966 drei Models auf einer Show des Optical Information Council in London den neuesten Brillen-Schrei.

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Poppiges aus Paris: Die Modelle des französischen Brillendesigners Alain Mikli, hier "Plume" ("Feder"), aus den achtziger Jahren sind so teuer, dass sie sich meist nur Promis und Neureiche leisten können. Aber auch die wagen sich mit den stromlinienförmigen Gestellen nur dann auf die Straße, wenn sie auch wirklich unbedingt auffallen wollen - selbst auf dem Zebrastreifen.

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Bügel? Nein, danke! Dieses Brillengestell namens "Cling" (1960) ist eine Erfindung der New Yorker Kono Manufacturing Company. Mit einem kammähnlichen Überstand oberhalb der Gläser wird es in die Augenlidfalte eingeklemmt - und hält so auch ohne Ohrenbügel die Balance auf der Nase.

Damit ging dieses Modell wieder zu den Tragegewohnheiten in den Urzeiten der Brille zurück, denn erst im 18. Jahrhundert hatte ein britischer Optiker die Bügel für die Brille erfunden.

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Spitzen-Entwurf: Grace Kelly, John Lennon und Audrey Hepburn hatten sie - eine Brille des britischen Designers Oliver Goldsmith, dessen 1926 gegründetes Unternehmen mittlerweile seine Urenkelin Claire weiterführt. Dieses futuristisch anmutende Modell in Dreiecksform entwarf Claires Urgroßvater 1968 für die Vidal-Sassoon-Kampagne.

Foto: Taschen Verlag
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Auf geht's: Nach den düsteren Weltkriegsjahren setzten viele US-Modedesigner nach 1945 auf neue Gefühlswelten - Zuversicht, Lässigkeit, Lebensfreude. Besonders die Brille, dieses lange Zeit verhasste Hilfsmittel für Menschen mit Augenleiden, schaffte es, zu einem Symbol der Freiheit und des neuen Optimismus zu werden.

Cover der US-Frauenzeitschrift "McCall's" von August 1946

Foto: Taschen Verlag
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Feinmaschig gesichert: Solche Brillengestelle mit seitlichen Drahtgitterkörbchen trugen um die Jahrhundertwende zum Beispiel Lokomotivführer, um die Augen vor dem Kohlestaub zu schützen.

Foto: Taschen Verlag
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Mit Nerz und Seele: Ein Mannequin präsentiert eine Brille, deren Bügel mit plüschigem Hermelin-Pelz ummantelt sind, passend zu ihrem Nerz. Für Tierliebhaber sicher keine Freude - für die Trägerinnen hat das leicht dekadente Modell hingegen sicher den großen Vorteil, auch bequem mit der Brille am Ohr einschlummern zu können.

Foto: Getty Images
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Hinter Gittern: In den sechziger Jahren brachte das Unternehmen New Product Enterprises eine Brille mit integrierter Jalousie auf den Markt - durchgesetzt hat sich das ausgefallene Modell namens "Sun-Slatz" nicht.

Foto: Taschen Verlag
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Brillen-Promi-Raten: 1965 startete der US-amerikanische Brillenhersteller Foster Grant eine der 100 erfolgreichsten Werbekampagnen des 20. Jahrhunderts - so schrieb es zumindest später die Fachzeitschrift "Ad Age". In den Anzeigen traten beliebte Filmstars unter der Überschrift "Wer verbirgt sich hinter diesen Foster Grants?" auf. Sie alle trugen, mal in lässiger, dann wieder in erotischer Pose, die neusten Grant-Modelle und machten den Brillenproduzenten damit dauerhaft bekannt. Außer der Schauspielerin Raquel Welch (1968) gaben unter anderen auch Peter Sellers, Woody Allen, Mia Farrow und Anthony Quinn ihr Gesicht für die PR-Aktion her.

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Der Stoff, aus dem Sonnenbrillen sind: Die Gläser dieses Modells aus den fünfziger Jahren sind mit Blütenblättern aus Stoff umrandet - ein wenig erinnert die Brille an eine Karnevalsmaske.

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Bunt bebrillt: In den sechziger Jahren nahm die Farbenvielfalt in der Brillenmode deutlich zu - hier ein noch relativ zurückhaltendes Modell des italienischen Designers Emilio Pucci aus dem Jahr 1965.

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