Historische Tapeten Wahnsinn an der Wand
Florale Verirrung: Braun und Orange waren in den Siebzigern die Signalfarben für moderne Gemütlichkeit.
Alptraum in Grau und Lila: Eine absolut unverzeihliche Kombination blasser Pastelltöne und goldener Armaturen aus der Mitte der achtziger Jahre.
Rosen ohne Dornen: Der senffarbene Hintergrund soll wohl goldig wirken und der Struktureffekt an Baumrinde erinnern. Heute löst dieses einst edle Tapetendekor aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bei den meisten Zeitgenossen einen Fluchtreflex aus.
Tapeten-Trip: Neuerdings sind die wie im Drogenrausch designten Formen und Farben der Siebziger-Jahre-Tapeten wieder angesagt - meist schmücken sie aber Retro-Bars, nicht Wohnzimmer. Daheim bevorzugt der reizüberflutete Mensch des Internetzeitalters visuell entspanntes Dekor an der Wand.
Terror-Tapete: Mutti, Vati, Kind und tausend bunte Blumen - der wilde Mustermix der siebziger Jahre weckte in der nachfolgenden Generation den dringenden Wunsch nach weißen Wänden.
Sag mir, wo die Blumen sind: Psychedelische Blütenpracht auf einer Tapete der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Elvis' Wand: Diese Tapete soll der "King" in seinem Haus in Memphis, Tennessee, höchstselbst montiert haben.
Kopfschmerztapete: Wenn man dieses Muster lange genug anstarrt, meint man irgendwann, eine Rehfamilie auf einer Waldlichtung zu erkennen.
Schräge Vögel: Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges sorgten expressionistische Tapeten für Aufsehen. Mit ihren leuchtenden, starken Farben und dynamischen Zickzacklinien galten sie als Ausdruck der neuen, modernen Zeit. Die neuen Dekore waren weniger für Privaträume gedacht als vielmehr für Kinos, Theater oder Lokale. Zu Hause hatte man es dann doch lieber klassisch.
Irritierende Sumpfblume: Tapeten, die aussehen wie Kacheln, die aussehen wie Tapeten, wurden in den siebziger Jahren gerne in Küchen angebracht.
Hymer-Bad: Die Tapete fährt mit in den Urlaub - hier verleiht sie den Wänden einer Wohnwagennasszelle einen Kachel-Look.
Wiese an der Wand: Dieses klassiche Muster war unter anderem für Taschentücher, Sommerkleider, Kopftücher, Tragetaschen, Schuhsohlen, Tischtücher, Mantelfutter und Geschirrhandtücher zu haben - und natürlich für die Wand, als prototypische Blümchentapete.
Gute Stube: Gemütliches Beisammensein zwischen Karos und Kreisen in Frankfurt 1981.
Scholz ist stolz: Hermann Scholz präsentiert in seinem Hamburger Geschäft eine Auswahl an Siebziger-Jahre-Tapeten in Beige und Gelb. Die Retro-Welle sorgt dafür, dass auch bis vor Kurzem noch unverkäufliche Dekore wieder Abnehmer finden.
Tierhaltung an der Wand: Diesen netten Viechern droht das Schicksal aller Kinderzimmertapeten - irgendwann mit Bravo-Postern überklebt zu werden.
Monetentapeten: Das Geld wurde im Inflationsjahr 1923 so wenig wert, dass es günstiger war, die Wände mit Scheinen zu tapezieren als Tapete zu kaufen.
Fleck weg: Eine ideale Tapete für Wohnzimmer kinderreicher Familien - auch größere Flecken werden vom Muster vollkommen absorbiert.
Bombig in Form: Viele Tapeten der siebziger Jahre dehnten den Begriff des guten Geschmacks beträchtlich.
Winterspiele in Lake Placid: Ein Reporter macht sich bei den Olympischen Winterspielen von 1980 in einer der spartanischen Unterkünfte der Olympioniken Notizen. Manche Zimmer hatten nicht einmal ein Fenster - als Ersatz mussten Fototapeten herhalten.
Hinter Gittern: Geometrisch, aber dennoch verspielt - das Geheimrezept vieler Siebziger-Jahre-Tapeten bestand wohl darin, den menschlichen Ordnungssinn einerseits zu bedienen, ihn andererseits visuell ein wenig zu unterlaufen.
Die Welt zu Gast daheim: Die Motivreihe "Zonen der Erde" zählt zu den großen Panoramatapeten, die im 19. Jahrhundert vor allem in Frankreich entstanden. Die Firma Zuber im elsässischen Rixheim druckte auf 31 Bahnen fünf sehr gegensätzliche Landschaften: das Eismeer, die Schweiz, Algerien, Bengalen und Kanada. Das Panorama verbindet sie zu einem Kontinuum und lässt die Alpen unmittelbar ins Eismeer übergehen.
Schlacht im Wohnzimmer: Mit der wachsenden Napoleonverehrung nach dessen Tod 1821 kamen in Frankreich Schlachtendarstellungen in Mode. Um Zeit zu sparen, reproduzierten die Tapetenmanufakturen im Handdruckverfahren Gemälde großer Künstler. Dieser Ausschnitt ist Teil eines Panoramas, das sich über 15 Meter Wand erstreckt.
Toys for Boys: Mit einem Tapeten-Brummi an der Wand lässt es sich doch gleich viel besser einschlafen.
Heim-Safari: Die Fortschritte der Drucktechnik für Tapeten machten auch das Halten von wilden Großkatzen in Zweizimmerwohnungen und Doppelhaushälften unproblematisch.
Wachstuchtapete: Im 18. Jahrhundert wurden die teuren Ledertapeten von preisgünstigeren Wachstuch- und Leinwandtapeten abgelöst.
Schwarz-Rot-Gold: Diesse Tapetendekor stammt nicht aus längst vergangenene Zeiten, sondern wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts produziert.
Falscher Vorhang: Da drapierte Wandbespannungen Anfang des 19. Jahrhunderts zwar sehr en vogue waren, aber schnell staubig und unansehnlich wurden, schufen die Tapetenhersteller mit "Trompe l'oeil"-Tapeten Abhilfe. Im Handdruck in 13 Farben hergestellt, gibt dieses Exemplar vor, eine kunstvolle Draperie zu sein.
Goldiger Lederdrache: Das kleine Ungeheuer speit nicht etwa Feuer, sondern tränkt Pflanzen mit einem Wasserstrahl. Das verspielte Motiv dieser Goldledertapete ist typisch für den Tapetengeschmack der Mitte des 18. Jahrhunderts.
Ete Petete Tapete: Wer in der Renaissance auf sich hielt, ließ seine Wohnräume mit schicken Goldledertapeten ausstatten. Cordoba im Süden Spaniens war damals die Hauptstadt der Tapezierergilde.
Königin der Tapeten: Diese Rosentapete wurde einst als weltweit schönste bezeichnet und war ein wahrer Kassenschlager. Sie wurde 1860 entworfenund war bis 1913 erhältlich. 67 Holzmodeln waren nötig, um das aufwändige Rosenmuster zu drucken.
Bad der Psyche: Für den frühen Tapetendruck mussten für jede einzelne Figur und jede Farbe gesonderte Holzmodel geschnitten werden. Dieses Tapetenpanorama zeigt die antike Liebesgeschichte von Amor und Psyche. Die Figuren waren so aufwändig, dass man sich auf acht Farben beschränkte. Es war trotzdem eines der erfolgreichsten Panoramen seiner Zeit.
Viele Kühe machen Mühe: Diese Tapete mit Kuh-Motiv im New Yorker Museum of Modern Art stammt von Andy Warhol. Zeit seines Lebens war der Künstler von der Idee des Kopierens und der konsequenten Abfolge fasziniert - wie man sieht.
Barocke Stofftapete: Diese, ehemals mit Golfäden durchwirkter Stofftapete hängt in Schloß Eckhartsau in Niederösterreich. Während der Besatzung durch die Russen 1945-1955 wurden leider alle der goldummantelten Seidenfäden herausgezogen und der ursprüngliche Charakter verfälscht. Dennoch gibt sie die Pracht wieder, mit der die Betrachter durch das Verschleudern von Luxusartikeln erfreut werden sollten. Diese Tapete wurde unter Kaiserin Maria Theresia im Schloß fixiert, um dort standesgemäß den Frühling mit ihrer immer größer werdenden Familie zu verbringen.
Barocke Stofftapete: Diese schon etwas ausgebleichte Tapete hängt im sonnenseitigen Trakt der Damen in Schloß Eckhartsau in Österreich. Sie zeigt auf cremeweißen Untergrund ehemals bunte Seidenstickereien mit Blumranken, Girlanden und Vögeln. Es ist selten, solche Stücke in einem so guten unrestaurierten Zustand zu sehen.
Seidentapisserie 19. Jahrhundert: Eine der wenigen stoffbespannten Mauern in ihrem Originalzustand aus der Zeit als der Erherzog Franz Ferdinand von Österreich mit seiner Frau Sophie von Chotek das Schloß Eckhartsau, neben dem Wiener Belvedere nutzte. Abgesehen von dem riesigen Blumenmuster das vier Wände bedeckt und man sich, selbst in großen Räumen, ein wenig erdrückt fühlt, war es die Angewohnheit des Erzherzoges die Wände mit unzähligen Geweihen der von ihm erlegten Hirschen zu schmücken. Aufgrund der offensichtlichen Bessesenheit zu jagen (Franz Ferdinand erlegte im Laufe seines Lebens 272.511 Stück Wild, wie seine Jagdbücher wiedergeben), hängte er an die Mauern aller seiner Schlösser Hirschgeweihe. Ein etwas gruseliger Eindruck durch die Gänge zu spazieren, wohl die unangenehmste Form eines Wandschmuckes und optisch noch schlimmer als die mit lackiertem Leder behängten Wände feiner Landsitze aus der Zeit des frühen Barock.
Florale Lust: Wer Blumen und Vögel in Klecksen mit blassgestreiftem Hintegrund mag, ist hier richtig. Bestechend ist auch die pastöse Art des Farbauftrags mit reliefartiger Struktur. Naturmotive waren also auch noch in den wilden Zwanzigern beliebt.
Florale Betäubung: Wieder sind es Blumen und Vögel, diesmal in einer Fülle und Größe das einem ganz schwindelig wird. Nach 1900 waren solche Tapeten (meist aus England) en Vogue. Man musste schon große Möbel und Bilder besitzen um dem Muster Herr zu werden.
Blumenmix: In den achtziger Jahren waren Blumen an den Wänden immer noch nicht wegzudenken. In den verschiedensten Variationen von Größe, Dichte und Farbe kennt sie ein jeder von uns noch aus der Verwandschaft oder dem Bekanntenkreis der Eltern. In irgendeiner spießigen Wohnung war diese hier immer zu finden und hängt heute noch, teils vergilbt oder vergessen in manchen Zimmern Europas.
Retrotapete: Mit dem Malerwerkzeug der fünfziger Jahre wurde 2011 diese Wandgestaltung ausgeführt. Ein grauer Grundanstrich, danach hellere Musterung mit dem typischen abstrakten Design der Nachkriegszeit. Darauf wurden mit einem 3-Kammer Walzapparat die farbigen "Streusel" aufgetragen. Typischerweise direkt auf die Wand.
Mit historischen Musterwalzen gestaltete Wand: Die Musterwalzen stammen aus den späten fünfziger Jahren von der Nürnberger Firma Karl Reuss, die auch Musterblätter mit
Originalaufstrichen und Aufdrucken bereitstellte. So konnte der beauftragte Maler seiner Kundschaft verschiedene Vorschläge zur Gestaltung vorlegen. Diese Arbeit von 2011 wurde nach so einem Musterblatt ausgeführt.