Hitler-Attentäter Maurice Bavaud - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Hitler-Attentäter Maurice Bavaud Der Theologe, der den Tyrannen jagte

Im Herbst 1938 reiste der Schweizer Maurice Bavaud durch Deutschland. Sein Ziel: Hitler zu töten. Mehrere Anläufe scheiterten, dann wurde ihm eine Fahrkartenkontrolle zum Verhängnis. In der Nachkriegszeit geriet der mutige Student in Vergessenheit - weil seine Motive bis heute unklar sind.
1 / 9

Held oder Verrückter? Der Schweizer Student Maurice Bavaud wurde in seiner Heimat von seiner Familie und seinen Freunden "le Pacifique" - der Friedfertige - genannt. Doch 1938 nahm der 22-Jährige die Ersparnisse seiner Mutter und reiste nach Deutschland, um Hitler zu töten. Seine Beweggründe konnten durch widersprüchliche Aussagen bis heute nicht eindeutig geklärt werden.

Foto: Filmkollektiv Zürich
2 / 9

Weite Ziele: Maurice Bavaud - rechts neben der Fahne in der Mitte von oben nach unten gesehen - besuchte drei Jahre eine Missionsschule bei Saint-Brieuc in der Bretagne. Während seines Theologiestudiums träumte er davon, als Missionar nach Afrika zu gehen.

Das Bild stammt aus dem Film "Es ist kalt in Brandenburg" vom Filmkollektiv Zürich AG.

Foto: Filmkollektiv Zürich
3 / 9

Angeblicher Kurier: Mit dem gefälschten Empfehlungsschreiben eines französischen Politikers, das ihn als Überbringer einer wichtigen Nachricht ausgab, fuhr Bavaud zunächst nach Oberbayern. Das Gebiet hatte sich durch den Bau der "Kleinen Reichskanzlei" 1937 und Hitlers Sommerresidenz dem Berghof am Obersalzberg - hier steht Hitler auf der Terrasse des Berghofs - zu einem zentralen Ort der nationalsozialistischen Regierung entwickelt.

4 / 9

Gescheitertes Attentat: Am 9. November 1938 bekam Maurice Bavaud Hitler tatsächlich zu Gesicht. Bavaud hatte sich als Journalist ausgegeben und so einen Tribünenplatz in der ersten Reihe beim Hitler-Putsch-Gedenkmarsch ergattert. Adolf Hitler ging neben Hermann Göring an der Spitze der Parade, doch die jubelnde Menge versperrte Bavaud die Sicht. Außerdem war der Abstand zu seinem Ziel zu weit - Bavaud verfügte nur über eine Kleinkaliberwaffe.

5 / 9

Kalte Gefängnismauern: Im Dezember 1938 wurde Maurice Bavaud für den Versuch dem "deutschen Volk seinen Retter zu nehmen" zum Tod durch die Guillotine verurteilt. 17 Monate lang saß Bavaud daraufhin in der Todeszelle der Jugendstrafanstalt Berlin-Plötzensee. In einem Brief an seine Familie klagt er im späten Sommer: "Hier, in Brandenburg, herrscht ein ewiger Winter. Es regnet, es ist kalt. Und in der Schweiz?" Das Zitat von Bavaud wird 40 Jahre später als Titel für einen Film über den gescheiterten Attentäter verwendet.

Das Bild stammt aus dem Film "Es ist kalt in Brandenburg" vom Filmkollektiv Zürich AG.

Foto: Filmkollektiv Zürich
6 / 9

Ohne Beistand: Während seiner Zeit in Haft hoffte Bavaud auf die Unterstützung des Schweizer Botschafters Hans Frölicher, hier links neben dem Kölner Oberbürgermeister Georg Schmidt im März 1939. Frölicher bezeichnete die Tat Bavauds jedoch als "verabscheuungswürdig" und lehnte eine Unterstützung durch einen Begnadigungsgesuch oder einen Gefangenenaustausch ab.

Das Bild stammt aus dem Dokumentarfilm "Es ist kalt in Brandenburg" vom Filmkollektiv Zürich AG.

Foto: Filmkollektiv Zürich
7 / 9

Verfilmung: In dem Film "Es ist kalt in Brandenburg" erzählen die drei Schweizer Filmemacher Hans Stürm, Villi Hermann und Niklaus Meienberg die Geschichte von Maurice Bavaud durch Aussagen von Angehörigen und Zeitzeugen nach. Dazu besuchten sie auch Schauplätze in der Schweiz und in Deutschland und stellten Ereignisse nach.

Maurice Bavaud selbst wird von dem Schauspieler Roger Jendly verkörpert, der hier in Bavauds Zelle den Brief vorliest, den Bavaud kurz vor seiner Hinrichtung mit den Worten beendete: "Ich umarme Euch, ganz fest, ganz fest, denn es ist das letzte Mal... Ich möchte weinen, aber ich kann es nicht. Mein Herz wird zerspringen. Euer Kind, Euer Bruder. Maurice Bavaud."

Foto: Filmkollektiv Zürich
8 / 9

Weitere Attentate: Zwischen 1933 und 1945 wurden zahlreiche Attentate auf Hitler verübt. Darunter auch der Versuch des Schreinergesellen Johann Georg Elser, hier auf einem Bild der Gestapo, das im November 1939 im Konzentrationslager Sachsenhausen aufgenommen wurde. Er hatte am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller einen Anschlag auf Adolf Hitler verübt, dem der Diktator nur knapp entging. Nach fast fünf Jahren Haft im KZ wurde Georg Elser am 9. April 1945 in Dachau erschossen.

Foto: AP
9 / 9

Operation "Walküre": Claus Schenk Graf von Stauffenberg versuchte am 20. Juli 1944 Hitler auf dem Gelände der Wolfsschanze in die Luft zu sprengen. Von Stauffenberg wurde im Juli 1944 zusammen mit anderen Widerstandskämpfern in Berlin hingerichtet.

Foto: AP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?