Hitlers Nachfolger Reichsregierung ohne Reich
Ersatzregierung: Obwohl der Weltkrieg längst verloren war, regierten die Mitglieder des international nicht anerkannten Kabinetts Dönitz nach Hitlers Suizid einfach weiter - in einem kleinen Restreich in Norddeutschland. Am 23. Mai 1945 fand das Intermezzo in der Regierungszentrale in Flensburg sein Ende. Die Regierungsmitglieder wurden von den britischen Alliierten festgesetzt. Die Aufnahme zeigt Wirtschaftsminister Albert Speer, Karl Dönitz, den Nachfolger Adolf Hitlers als Reichspräsident, und Generaloberst Alfred Jodl, von links, nach ihrer Verhaftung.
Dönitz mit Stabsoffizieren: Admiral Karl Dönitz bei der Lagebesprechung mit Offizieren am Kartentisch, um 1942. Dönitz, ab Januar 1943 Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, wurde von Adolf Hitler in dessen Testament vom 30. April 1945 zum Reichspräsidenten ernannt.
Von Krosigk: Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk war innerhalb der Regierung Dönitz Leitender Reichsminister. Er hatte zudem die Posten Reichsminister der Finanzen und des Auswärtigen inne. Das Bild zeigt ihn am 23. Mai 1945 bei seiner Gefangennahme durch die Briten. Von Krosigk wurde 1949 im Rahmen der Nürnberger Prozesse als Kriegsverbrecher verurteilt. Nach seiner Haftentlassung 1951 arbeitete er als Publizist.
Unterzeichnung der Kapitulation: Am 7. Mai 1945 unterschreibt Generaloberst Alfred Jodl als Beauftragter des neuen Staatsoberhauptes Dönitz im französischen Reims die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht.
Kapitulation in Reims: Nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht im französischen Reims gibt Generaloberst Alfred Jodl, links, am 7. Mai 1945 vor Vertretern der alliierten Streitkräfte eine Erklärung ab. Rechts neben Jodl: Major Wilhelm Oxenius, verdeckt Admiral Hans-Georg von Friedeburg. In der hinteren Reihe 2. von links Frederick Morgan, rechts daneben François Sevez, Bedell Smith und Ivan Susloparov.
Regierungssitz: Die Marineschule Mürwik in Flensburg, hier ein Bild vom 29. April 2005, war im Mai 1945 Sitz der letzten geschäftsführenden, aber nicht anerkannten Regierung des "Dritten Reichs" um Reichspräsident Dönitz.
Karl Dönitz mit Adolf Hitler: Am 30. November 1944 empfängt Hitler Karl Dönitz, den Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, im "Führerbunker". Kurz vor dem militärischen und politischen Zusammenbruch des "Dritten Reichs" und seinem Selbstmord übertrug Hitler Dönitz die Leitung des Deutschen Staates. Einen Tag nach Hitlers Tod übernimmt Dönitz das Amt des Reichspräsidenten am 1. Mai 1945.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-V00538-3
Auf dem Weg zur Kapitulation: Die deutsche Delegation betritt am 8. Mai 1945 das Gelände des sowjetischen Hauptquartiers in Berlin-Karlshorst - vorne links Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel, neben ihm Generaladmiral Hans-Georg von Friedeburg. In der Nacht zum 9. Mai unterschreibt Keitel als seine letzte Amtshandlung die bedingungslose Kapitulation der deutschen Streitkräfte - wie bereits zwei Tage zuvor Generaloberst Jodl in Reims im Beisein der Vertreter der westlichen Alliierten.
"Unbedingter Gehorsam": Nach Hitlers Tod wird am 1. Mai 1945 mit diesem Tagesbefehl die Übernahme der Regierungsgeschäfte durch Großadmiral Karl Dönitz bekanntgegeben. Dem von Hitler bestimmten Nachfolger sei "unbedingter Gehorsam zu leisten". Unterzeichnet wurde der Befehl von Generaloberst Georg Lindemann.
Kanzler Goebbels: NS-Propagandaminister Joseph Goebbels, hier 1936 auf Hitlers Berghof, war am 29. April 1945 am Ziel seiner politischen Träume angelangt, als ihn Hitler zum Reichskanzler ernannte. Zwei Tage später, am 1. Mai 1945, nahm sich Goebbels das Leben.
Wilhelm Stuckart: Der Staatssekretär im Reichsinnenministerium war maßgeblich am Entwurf der "Nürnberger Rassengesetze" beteiligt, mit denen die Nationalsozialisten ihre antisemitische Ideologie juristisch zu legitimieren versuchten. Stuckart, seit 1936 Mitglied in der SS, wurde in der Regierung Dönitz zum Reichsinnenminister und Kulturminister berufen.
In den Nürnberger Prozessen wurde Stuckart zwar als Kriegsverbrecher verurteilt, bekam aber aus gesundheitlichen Gründen eine milde Haftstrafe. Seine Inhaftierung während des Prozesses wurde auf die Strafe angerechnet, sodass er nach der Urteilsverkündung entlassen wurde. In der Bundesrepublik wurde er als "Mitläufer" eingestuft.
Albert Speer: Am 8. Februar 1942 hält Albert Speer seine erste Rede vor dem Reichskriegsministerium nach seiner Ernennung zum Reichsminister. In der Hitler-Nachfolgeregierung um Karl Dönitz war er Wirtschaftsminister, hielt die letzte Reichsregierung aber für überflüssig. Am 15. Mai bat er vergeblich um seine Entlassung, am 23. Mai wurde er von den britischen Alliierten schließlich verhaftet.
Herbert Backe: Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Mitte, am 7. Juli 1944 im Gespräch mit niederländischen Unternehmern, behielt sein Amt auch in der Hitler-Nachfolgeregierung. Er wurde am 15. Mai 1945 im Hauptquartier der amerikanischen Alliierten in Reims verhaftet. Backe hatte nicht erwartet, inhaftiert zu werden, sondern ging davon aus, die Amerikaner in agrarpolitischen Fragen zu beraten. Im zaristischen Russland geboren, befürchtete er während der Haft, an die Sowjetunion ausgeliefert zu werden und nahm sich im April 1947 in seiner Zelle das Leben.
Otto Meissner: Adolf Hitler gratuliert dem Staatsminister und Leiter der Präsidialkanzlei, Otto Meissner, im März 1940 zum 60. Geburtstag. Meissner erhielt nach Hitlers Tod noch im Mai 1945 eine Schenkung vom "Führer" - 100.000 Reichsmark für treue Dienste. In der Regierung Dönitz behielt Meissner seine Ämter. Auch er wurde von den britischen Alliierten am 23. Mai 1945 in Flensburg verhaftet und nach Nürnberg überstellt. Der Prozess gegen ihn endete 1949 mit einem Freispruch. Ein weiteres Verfahren wurde 1952 - ein Jahr vor seinem Tod - eingestellt.
Franz Seldte: Der Reichsarbeitsminister von 1933 bis 1945, hier 1946 in seiner Zelle im Nürnberger Gefängnis, blieb auch während der Regierung Dönitz in seinem Amt. Noch bevor Anklage gegen ihn erhoben werden konnte, verstarb er in einem US-amerikanischen Militärkrankenhaus in Fürth.
Otto Ohlendorf: Der stellvertretende Staatssekretär im Wirtschaftsministerium der Reichsregierung Dönitz, Otto Ohlendorf, aufgenommen um 1945, agierte de facto als Reichswirtschaftsminister, obwohl Albert Speer offiziell dieses Amt innehatte. Ohlendorf wurde 1948 zum Tod durch den Strang verurteilt und 1951 hingerichtet.
Verhaftung: Alfred Jodl, Albert Speer und Karl Dönitz, von links, werden am 23. Mai 1945 durch englische Soldaten in Flensburg begleitet. Mit der Verhaftung der Kabinettsmitglieder findet die Regierung Dönitz ihr Ende. Die "New York Times" titelte am nächsten Tag: "Heute starb das Deutsche Reich."
Signatur im Bundesarchiv: Bild 146-1985-079-31
Auf der Anklagebank: Die Nazigrößen Hermann Göring, Rudolf Hess, Joachim von Ribbentrop, Wilhelm Keitel und Ernst Kaltenbrunner in der Gerichtssitzung vom 1. Januar 1946 in Nürnberg. Hinter ihnen sitzen Karl Dönitz, Erich Raeder, Baldur von Schirach und Fritz Sauckel. Sie alle hatten im Gefängnis noch eifrig an den Rollen gefeilt, die sie hier spielen wollten. Dönitz wurde schließlich wegen "Durchführung eines Angriffskrieges" zu zehn Jahren Haft verurteilt.