Alcatraz Gruseltour im Superknast
Geschlossenes Abendbrot: Anfangs mussten die Gefangenen allein in ihren Zellen essen. Erst später durften die Sträflinge gemeinsam im Speisesaal ihre Mahlzeiten einnehmen. Auch die Wärter saßen hier oft zu Tisch. Die mit Tränengas gefüllten Sprinkleranlagen an der Decke des Saales kamen nie zum Einsatz.
Uniformer Bau: Jede Zelle auf der ehemaligen Gefängnisinsel Alcatraz ist 1,5 Meter breit und 2,7 Meter lang. Sie waren mit einer harten Matratze, einem Regal und einen klappbaren Tisch samt Stuhl ausgestattet. Daneben gab es eine Toilette und ein kleines Waschbecken.
Neueröffnung: Am 19. August 1934 besichtigte US-Justizminister Homer S. Cummings das neue Gefängnis Alcatraz. Eine Woche zuvor waren die ersten 137 Häftlinge auf der Insel angekommen.
Alter Wachturm: Offiziell ist in der 29-jährigen Geschichte des Gefängnisses keinem Insassen die Flucht gelungen. Doch trotz der massiven Bewachung wagten 36 Häftlinge den Ausbruch - die meisten starben bei dem Versuch, dem "Fels der Verzweiflung" zu entkommen. Entweder sie sind von dem Wachpersonal erschossen worden oder, wie es auch bei Frank Morris und seinen Kumpanen vermutet wird, im kalten Wasser der San Francisco Bay ertrunken.
Knast-Kost: Auf der Menükarte von 1956 an der Essensausgabe des Gefängnisses stehen unter anderem Sauerkraut und Frankfurter Würstchen. Die Insassen durften von den Gerichten so viel nehmen, wie sie wollten. Wenn sie allerdings nicht aufaßen, wurde das "Vergehen" sogleich der Gefängnisleitung gemeldet.
Freigang: Der Gefängnishof - ein betoniertes "Gehege" ohne Schatten und Sitzplatz - war von allen Seiten abgesichert. Rechts neben dem Zellengebäude steht der Wasserturm.
Dunkel, kalt und feucht: Aufmüpfige Häftlinge, die sich nicht an die etlichen Haftregeln hielten, wurden in den mit Mauern abgetrennten Block D verlegt. Die D-Insassen blieben den ganzen Tag in den maroden Zellen, auch während der Mahlzeiten. Nur zum Duschen hatten sie Ausgang, allerdings in einem separaten Waschraum. Den Gang vor den Isolierhaftzellen nannten die Gefangenen ironisch "Sunset Strip".
Gangster an Bord: Häftlinge aus dem Bundesgefängnis Atlanta, Georgia - darunter berüchtigte Schwerverbrecher wie Al Capone - wurden im August 1934 in einem Zug per Schiff nach Alcatraz verfrachtet. Capone blieb bis zum 6. Januar 1939 auf der Insel. Wegen guter Führung wurde er vorzeitig entlassen.
Weg in die Freiheit: Am 11. Juni 1962 waren die Alcatraz-Insassen Frank Morris und die beiden Brüder John und Clarence Anglin von der Insel geflohen. Die drei Männer gruben sich mit Gabel und Messern, die sie aus dem Speisesaal entwendet hatten, durch die Belüftungsgitter einen Tunnel nach draußen - hier zeigt ein Polizist den "Ausgang".
Kreative Straftäter: Die drei Häftlinge hatten ihre Flucht sorgsam vorbereitet. In ihren Zellen im Block B legten die gewieften Gefangenen eine Kopfattrappe ins Bett, damit ihr Verschwinden den Wärtern erst später auffiel. Die Dummys hatten sie aus Zementstaub, Seife und Klopapier gebastelt.
Mit einem Gummiboot, das sie aus Regenmänteln und Klebstoff zusammengeschustert hatten, verließen die drei schließlich das Eiland - und konnten nicht mehr ausfindig gemacht werden. Das Foto wurde einen Tag nach der Flucht aufgenommen.
Opfer der Häftlingsrevolte: Im Mai 1946 hatten sechs Sträflinge mehrere Aufseher als Geiseln genommen, um mit einem Transportschiff zu fliehen. Mit Handgranten und Schusswaffen bekämpften Polizei und Marines die aufständischen Häftlinge. Bei der sogenannten Schlacht um Alcatraz starben zwei Gefängniswärter und drei Insassen - hier die Leichen der Gefangenen Joseph Cretzer, Marvin Hubbard und Paul Coy.
Weggesperrt im "Loch": Die Türen zu den Zellen für die Isolationshaft, von den Gefangenen "das Loch" oder "Bunker" genannt, wurden elektrisch verriegelt. Am gefürchtetsten in diesem Trakt waren die "Strip Cells", die härteste Bestrafungsmethode auf Alcatraz. In diesen Zellen mussten die Häftlinge nackt ausharren, meist zwei bis drei Tage. In den vollkommen dunklen Kammern gab es kein Waschbecken und nur ein Loch im Boden als Toilette. Lediglich nachts wurde dem Insassen eine Matratze gewährt.
Umnutzung: Von links nach rechts ist die Wäscherei, das Kraftwerk und das Versorgungslager auf der Fort-Insel zu sehen. Das Foto entstand 1933, als die militärische Nutzung des Eilands aufgegeben wurde. Im Oktober des Jahres begannen die Umbauarbeiten der Anlage zum Hochsicherheitsgefängnis.
Ab in den Kerker: Bei dem Betonquader hinten in dem Gang - die "Sunrise Alley" im Block A - handelt es sich um die Einfassung der Treppe, die in die Überreste der Zitadelle aus der Bürgerkriegszeit hinabführt. Insassen in Isolationshaft wurden dort bis 1938 in die alten Vorratsräume gesperrt, wo absolute Dunkelheit und Stille herrschte.
In Flammen: Nach der Schließung besetzten ab dem 20. November 1969 eine Gruppe junger Indianer die Insel Alcatraz. Die "Indians of All Tribes" beriefen sich auf einen Vertrag von 1868, der jedem Indianer die Nutzung von Bundesgebiet zusagte, falls es keine Verwendung mehr für das Land gebe. Während der Besetzung brach in der Nacht zum 2. Juni 1970 unter mysteriösen Umständen ein Feuer aus.
Im Bildvordergrund ist Sioux John Trudell zu sehen, der als Sprecher der Besetzer fungierte. Er lebte 19 Monate lang mit seiner Familie auf "the Rock", bis US-Präsident Richard Nixon 1971 die Zwangsräumung der Inselbewohner befahl.
Inselruine: Der Brand von 1970 zerstörte das Leuchtturmwärterhaus, das Haus des Gefängnisleiters, ein weiteres Wohnhaus und den "Officer's Club" (vorne im Bild), in dem die Wohnungen der Wärter untergebracht waren. Das Betreten des Geländes ist hier verboten.
Beste Lage: Auch das "Building 76" fiel dem Feuer zum Opfer. In dem 1929 erbauten Gebäude wohnte der erste Anstaltsleiter James A. Johnston, der von hier den freien Blick auf die Skyline von San Fransisco genießen konnte. Gefangene mit guter Führung durften bei Johnston im Haushalt helfen.
Verrostet: Das Wasser aus dem Wasserturm wurde hauptsächlich für die inseleigene Wäscherei verwendet. Links daneben an der Mauer des Gefängnishofes ist der Stahlkäfig zu sehen, dessen Stützstrebe von Rost zerfressen ist.
Stillgelegt: Alcatraz war das erste Gefängnis, das über ein eigenes Heiz- und Elektrizitätswerk verfügte - und auch die erste staatliche Einrichtung, in der es in jeder Zelle elektrisches Licht gab - ein Luxus, der damals nur wenigen Haushalten in den USA vergönnt war.
Die undatierte Aufnahme zeigt die außer Betrieb gesetzten Dampfkessel im Heizwerk.
Selbstversorgung: Die Gefängnisinsel Alcatraz konnte sogar mit einer eigenen Bäckerei aufwarten. Im Inneren des Gebäudes...
...lassen nur noch ein paar Gerätschaften den einstigen Zweck der heruntergekommenen Gebäude erahnen.
Häftlingshospital: Nicht selten kam es in den Duschräumen oder auf dem Hof zu Schlägereien. Gefangene, die sich bei den Auseinandersetzungen verletzt hatten, wurden im Krankenhaustrakt von Alcatraz behandelt.
Das Foto vom Operationssaal wurde durch das Fenster einer verriegelten Hochsicherheitstür aufgenommen.
Neubau als Fort: Der Leuchtturm, der erste im gesamten amerikanischen Pazifikbereich, links im Bild wurde 1852 auf der Insel Alcatraz gebaut. Mit dem Bau des Forts wurde erst ein Jahr später begonnen. 1859, als diese Aufnahme entstand, waren die Arbeiten abgeschlossen.
Einchecken auf Alcatraz: Jeder Besucher musste beim Betreten des Eilands als Erstes die Kontrolle am Fähranleger passieren. Mit Metalldetektoren vergewisserte sich das Wachpersonal, dass die Gäste keine Waffen oder andere gefährliche Gegenstände bei sich hatten (Foto von 1956).
Abgang in Handschellen: Im Blitzlicht der Pressefotografen verlassen die letzten Insassen am 21. März 1963 Alcatraz. Berüchtigte Gangster wie George Machine Gun Kelly oder The Scarface Al Capone waren in dem Hochsicherheitsgefängnis untergebracht.
Verlassen: Ein Aufseher auf Alcatraz geht am 21. März 1963 durch den leeren Speisesaal, nachdem die letzten Insassen von der Insel gebracht wurden. Justizminister Robert F. Kennedy hatte die Schließung angeordnet, weil die Betriebs- und Instandhaltungskosten der Einrichtung zu hoch geworden waren. Seitdem ist die Insel in der San Francisco Bay unbewohnt.
Und Action: Die ehemalige Gefängnisinsel Alcatraz diente schon etlichen Hollywood-Produktionen als Filmkulisse. Unter anderem wurden auf dem Eiland "The Rock - Fels der Entscheidung" (1996) mit Nicolas Cage und Sean Connery sowie "Dirty Harry III" (1976) und "X-Men - Der letzte Widerstand" (2006) gedreht.
Vermoostes Museum: 1972 wurde das Gefängnis Alcatraz als Teil der Golden Gate National Recreation Area, ein Erholungsgebiet rund um die San Francisco Bay, für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Fast zehn Jahre lang waren die Gebäude ungenutzt.