Hochtief: Botschaften im Übernahmekampf - DER SPIEGEL
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Hochtief Botschaften im Übernahmekampf

Die Übernahmeschlacht um Hochtief ist auch ein Kampf der PR-Strategen: Mit Aktionen, Protesten und öffentlichen Statements versuchen beide Parteien, Aktionäre, Mitarbeiter und Politiker für sich zu gewinnen.
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ACS-Chef Florentino Pérez kündigt am 16. September an, Hochtief übernehmen zu wollen. Für fünf Hochtief-Anteilsscheine sollen die Aktionäre acht ACS-Aktien erhalten, heißt es. Viele Analysten vermuten, dass ACS tatsächlich eine "schleichende Kontrollübernahme" plant.
Die Botschaft: Hier könnte es Hochtief mittelfristig an den Kragen gehen. Diese Informationen verbreitet nicht Hochtief, sind aber im Sinne des Konzerns.

Foto: ? Sergio Perez / Reuters/ REUTERS
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Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter stuft tags darauf die ACS-Offerte als "feindliches Übernahmeangebot" ein. Er könne nicht erkennen, wo die Vorteile für die Aktionäre liegen. Außerdem weisen Marktteilnehmer darauf hin, dass Aktienkurs von Hochtief tatsächlich darüber liegt.
Die Botschaft: Anleger lassen sich über den Tisch ziehen, wenn sie an ACS verkaufen.

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa
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Zusätzlich zur Crédit Suisse engagiert Hochtief Abwehrspezialisten von Goldman Sachs, melden verschiedene Medien.
Die Botschaft: Wir ergeben uns nicht kampflos.

Foto: A2800 epa Justin Lane/ dpa
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Am 27. September wird eine Kurzinformation an zahlreiche Politiker verteilt, die erklärt, warum Hochtief für den Standort Deutschland wichtig sein könnte. Neben dem obligatorischen Hinweis auf Arbeitsplätze wird dargestellt, wie stark das Unternehmen mit dem Land verwoben sei, als Entwickler von Stadtquartieren, als technische Betreiber und Verwalter von Gebäuden, als Dienstleister der öffentlichen Hand.
Die Botschaft: Tut was!

Foto: aurelis
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Michael Knipper, Hauptgeschäftführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie springt für Hochtief in die Bresche: Der Wettbewerb bei Bauaufträgen auf Auslandsmärkten sei alles andere als fair. Wenn nun Hochtief von den Spaniern übernommen würde, gäbe es nur noch Bilfinger Berger als großen, international tätigen Baukonzern - zu wenig für die Wirtschaftsmacht Deutschland.
Die Botschaft: Wenn schon andere Länder nicht fair agieren, muss die deutsche Politik eingreifen, auch wenn sie das sonst ablehnt.

Foto: Peter Förster/ picture alliance / dpa
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Am 4. Oktober werden die spanischen Aufsichtsratsmitglieder im Hochtief-Haus mit Buhrufen begrüßt.
Die Botschaft: Hier ist Protestpotential!

Foto: Bernd Thissen/ dpa
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Die deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz und eine spanische Schwesterorganisation lassen bei der EU-Kommission prüfen, ob das Übernahmeangebot europäischem Recht entspricht. Das von ACS angekündigte Angebot sei nur eine "simulierte Übernahme-Offerte".
Die Botschaft: ACS macht kein ehrbares Angebot.

Foto: ddp
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Am 5. Oktober lässt Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle ausrichten, er gedenke nicht, sich in den Fall einzumischen.
Die Botschaft: Die unsichtbare Hand des Marktes wird's schon richten.

Foto: Fredrik von Erichsen/ dpa
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Eine ACS-Sprecherin gibt der Zeitung "Die Welt" ein Interview - mit der Hauptnachricht, dass die Spanier keine Zerschlagung von Hochtief planten.
Die Botschaft: Hier droht kein Arbeitsplatzabbau, Hochtief wird Teil eines zuverlässigen Konzerns.

Foto: A3512 Roland Weihrauch/ dpa
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ACS weist bei Berichten über seinen hohen Verschuldungsstand darauf hin, dass sich die Verbindlichkeiten im branchenüblichen Rahmen bewegen.
Die Botschaft: Ja, wir haben Schulden, aber alles ist im grünen Bereich.

Hochtief antwortet mit dem Hinweis, dass die ACS-Verbindlichkeiten zu einem kleinen Teil von laufenden Großprojekten herrühren und somit schlecht besichert sind.
Die Botschaft: ACS will sich mit dem Geld von Hochtief sanieren.

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Hochtief mokiert sich über niedrige Sozialstandards bei ACS. So seien 85 Prozent der Mitarbeiter nur als Leiharbeiter beschäftigt. Die Unfallquote liege ungleich höher als bei Hochtief.
Die Botschaft: Auch Arbeitnehmer, Gewerkschafter und Sozialpolitiker sollten gegen die Übernahme sein, denn all das blüht uns dann auch.

ACS erklärt dagegen, dass die Mehrheit seiner Mitarbeiter gewerkschaftlich organisiert sei (81 Prozent) und nach Tarif vergütet werde (92 Prozent).
Die Botschaft: Auch die Arbeitnehmer und ihre Familien müssen sich keine Sorgen machen.

Foto: dapd
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?