Hörspiel-Kult - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Die drei Fragezeichen Jungdetektive in einer heilen Welt

Karpatenhunde und Pornoskandale: Seit 1979 begeistert die Hörspielserie "Die drei ???" um drei junge Detektive Millionen von Hörern. Ihr Erfolgsgeheimnis: die nostalgische Sehnsucht nach einer heilen Welt. Dabei war die Welt hinter den Fassaden der Produktion alles andere als heil.
1 / 19

Die Folge, mit der Alles begann: Am 12. Oktober 1979 erschien die erste Folge der "Drei ???"-Hörspielreihe - "Die drei Fragezeichen und der Super-Papagei". Papagei Black Beard spielt darin eine entscheidende Rolle bei der Aufklärung eines Gemäldediebstahls. Von diesem Fall an war der sprachbegabte Vogel in der Zentrale der "Drei ???" auf dem Schrottplatz der Familie Jonas zu Hause.

2 / 19

Die drei Hobbyschützen: Seit mehr als 30 Jahren sprechen Jens Wawrczeck (links), Andreas Fröhlich (Mitte) und Oliver Rohrbeck die Rollen der Hobby-Detektive Peter Shaw, Bob Andrews und Justus Jonas. Während ihrer Pubertät trieben die drei Sprecher, hier auf einer Aufnahme von 1979, die Produzentin Körting machmal an den Rand der Verzweiflung: Etwa, als sie im Hamburger Studio aus einem Requisitenschrank ein Luftgewehr klauten und damit um die Alster zogen.

3 / 19

Ewige Jugend: Über dreißig Jahre Hörspielgeschichte wurden die Sprecher der Hauptfiguren nie ausgetauscht. Und auch, wenn die Sprecher Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich (von links), hier auf einem Foto aus dem Jahr 2002, mittlerweile deutlich älter aussehen als die Teenager-Detektive, denen sie ihre Stimmen leihen, sind sie für viele Fans Rockstars der Hörspielszene.

Foto: Jan Steinhaus/photo-active
4 / 19

Erfinder der "Drei ???": Mit Blick auf den Jugendbuchmarkt der Sechziger beschloss der amerikanische Autor Robert Arthur, selbst eine Mystery-Romanreihe für junge Menschen verfassen zu können, die die Konkurrenz in den Schatten stellen könnte. Er kontaktierte seinen persönlichen Bekannten Alfred Hitchcock und erwarb die Lizenz, seinen Namen für die Buchreihe "Alfred Hitchcock and the Three Investigators" verwenden zu dürfen. Ab 1962 verfasste er die ersten zehn Originalfolgen der Krimiserie, bevor ein Autorenteam die Serie übernahm. Er starb am 2. Mai 1969.

5 / 19

Eigenständiges Coverdesign: Das Design-Konzept der "Drei Fragezeichen"-Cover der Stuttgarter Grafikerin Aiga Rasch ist für eine Kinder- und Jugendserie ungewöhnlich. Statt auf einen realistischen oder kindlich-naiven Stil setzte sie auf grobe, möglichst gleichmäßige Farbflächen und entwarf so einige fast expressionistisch anmutende Hüllen. Etwa auf diesem Cover von "Die drei Fragezeichen und der Doppelgänger" aus dem Jahr 1982.

6 / 19

Gespenstisch schön: Ein weiteres Cover, das besonders charakteristisch für den eigenständigen Stil Raschs ist, war die Hülle von "Die drei Fragezeichen und die Geisterinsel". Die Geschichte erschien als Folge 18 der Hörspielreihe am 1. Oktober 1980.

7 / 19

Das Auge hört mit: Die Illustratorin Aiga Rasch, hier mit Hündin Bella, hat das unverwechselbare, bunte Gestaltungsprinzip für die Cover der Hörspielfolgen und Buchtitel der Serie "Die drei Fragezeichen" entwickelt. 1999 verließ sie den Kosmos Verlag, Heiligabend 2009 verstarb Rasch.

Foto: Matthias Bogucki
8 / 19

Unvollendetes Meisterwerk: Das Cover zur dritten Folge der Hörspielserie "Die drei Fragezeichen" ist ein unvollendetes Werk der Illustratorin Aiga Rasch. Doch die Geschäftsführung des Europa Verlags war von dem Titelbild bereits in diesem unvollendeten Zustand so überzeugt, dass es als Cover augewählt wurde.

9 / 19

Gründervater: Der Hamburger Musikwissenschaftler Andreas Beurmann, hier auf einer Aufnahme von 2007, ist einer der Gründer des Hörspiellabels Europa. Seit 1979 ist er mit der ehemaligen Rechtsanwälting Heikedine Körting verheiratet, die als Hörspielregisseurin für Europa tätig wurde.

Foto: Andreas Beurmann
10 / 19

Gründermutter: Heikedine Körting arbeitete ursprünglich als Anwältin für Urheberrecht, bevor sie zum Hörspiellabel Europa stieß. Ab 1973 übernahm sie dort die Leitung der Hörspiel-Produktionen. Auf die "Drei ???"-Buchserie wurde sie durch den Hinweis eines der Kinder in ihrem Tonstudio aufmerksam, der die Jugendkrimis liebte.

Foto: Heikedine Körting
11 / 19

Rekord-Märchenkönigin: Bis heute hat Heikedine Körting beim Europa Hörspielverlag über 1500 Hörspiele produziert - darunter nicht nur die "Drei ???", sondern auch Klassiker wie "TKKG", "Fünf Freunde" oder "Hui Buh, das Schlossgespenst" Ihr wurden über 150 Goldene Schallplatten verliehen und 1985 schaffte sie es sogar ins Guinness-Buch der Rekorde als erfolgreichste "Märchenregisseurin". Sogar eine Rosenart wurde ihr zu Ehren "Märchenkönigin" getauft.

Foto: Heikedine Körting
12 / 19

Kampf der Musikpiraterie: Stets bemühte sich die Serie, auch aktuelle Themen aufzugreifen - wie in Folge 52 aus dem Jahr 1991, in der Justus, Bob und Peter Händlern illegaler Musikkassetten-Raubkopien auf die Schliche kommen - aus heutiger Sicht ein hoffnungsloser Anachronismus, der aber wie so vieles im "Drei ???"-Universum zum nostalgischen Charme der Serie beiträgt.

13 / 19

Musikkult: Mit seinem markanten Jazzrock-Soundtrack lieferte der Hamburger Musiker Carsten Bohn - hier auf einem Foto von 2009 - das musikalische Markenzeichen der Serie. Da er sich von Europa um seine Tantiemen betrogen fühlte, zog Bohn Mitte der Achtziger gegen seine Arbeitgeber vor Gericht und ficht dort bis heute einen erbitterten Rechtsstreit aus. Infolge des Prozesses wurde 1999 die Original-Musik von Bohn aus den Hörspielfolgen entfernt - weshalb die Erstauflage noch heute vielen Fans als die einzig "echte" Version gilt.

Foto: Uwe Toelle
14 / 19

Sehspiel: Die Entscheidung, "Die drei ???" auch live vor Publikum aufzuführen, ging von den Sprechern der Serie, Andreas Fröhlich, Oliver Rohrbeck und Jens Wawrczeck (von links nach rechts) aus. Entstanden sei die Entscheidung, da sie ohnehin bei ihren Aufnahmen stets sehr lebhaft mitspielten, einander rüttelten und herumsprangen. Das funktionierte auch auf der Bühne prächtig - wie die Sprecher hier bei einem Auftritt vom 3. November 2009 unter Beweis stellen.

Foto: Jan Steinhaus/photo-active
15 / 19

Gespenstisch gut: "Die drei Fragezeichen und das Gespensterschloss" aus dem Jahr 1980 basierte auf dem ersten Roman der Buchreihe, wurde aber erst als Folge elf des Hörspiels veröffentlicht - wodurch es zu einigen Ungereimtheiten in der Serienhandlung kam: Hatten sie ihren Rolls Royce nun in einem Preisausschreiben gewonnen, wie hier behauptet wurde - oder war er ihnen von einem Klienten zur Verfügung gestellt worden, wie es im "Super-Papagei" behauptet worden war?

16 / 19

Einfach phantastisch: Ein großer Teil der Faszination, den die Hörspielserie ausübte, waren ihre sanften Grusel-Elemente und die übersinnlichen Ereignisse, die am Ende immer strikt rational aufgeklärt werden konnten - wie in "Die drei Fragezeichen und der Phantomsee" aus dem Jahr 1979, in dem es die drei Detektive in eine verlassene Geisterstadt verschlägt.

17 / 19

Serienautor: H. G. Francis, der lange Autor für die "Perry Rhodan"-Serie, für "TKKG" und "Fünf Freunde" war, schrieb auch zahlreiche Drehbücher für "Die drei ???"-Hörspiele. Trotz seines englischen Namens stammte Francis aus Itzehoe in Schleswig-Holstein - sein richtiger Name lautete Hans Gerhard Franciskowsky.

18 / 19

Ausflug ins Filmgeschäft: Unter der Mitarbeit von Oliver Rohrbeck und Andreas Fröhlich entstand 2007 der Kinofilm "Die drei Fragezeichen - Das Geheimnis der Geisterinsel" als Auftakt einer Trilogie. Den Erfolg der Hörspielserie konnte der Film jedoch nicht übertrumpfen.

19 / 19

Tiefflug im Weltraum: Besonderen Ruhm erwarb die 92. Folge der Serie - "Todesflug" aus dem Jahr 2000. Sie gilt unter vielen Fans als schlechteste jemals produzierte Folge. Zu abstrus und unglaubwürdig war ihnen die Story um einen größenwahnsinnigen Weltraumforscher und um Bobs alleinigen Flug ins All in einem geklauten Raumschiff.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?