Fotostrecke Der Deportation entkommen
Auf offener Straße: Margot Friedländer (rechts) mit zwei Bekannten auf dem Kurfürstendamm im Herbst 1943. Nur wenige Monate später wurde sie dort von »Greifern« enttarnt, von Juden, die mit der Gestapo kollaborierten.
Auf der Flucht: Im Frühjahr 1943 wurden in Berlin die letzten verbleibenden Juden verhaftet. Margot Friedländer, damals noch Margot Bendheim, tauchte unter, um der Deportation zu entgehen. Diese Aufnahme zeigt von Nationalsozialisten 1943 in Berlin festgenommene russische Mädchen, die in ein Arbeitslager deportiert werden.
Als Christin getarnt: Margot Friedländer im Frühjahr 1943. Zu diesem Zeitpunkt lebte sie bereits einige Monate im Untergrund und trug zur Tarnung eine Halskette mit dem christlichen Kreuz, das sie zuvor von einem Helfer geschenkt bekommen hatte.
Wichtiges Erinnerungsstück: Das Notizbuch ihrer Mutter bewahrte Margot Friedländer ihr Leben lang auf. Es enthält zahlreiche Adressen im Ausland und dokumentiert die jahrelangen, letztlich erfolglosen Bemühungen der jüdischen Familie, das nationalsozialistische Deutschland zu verlassen. Als sich Margots Mutter der Gestapo stellte, war das Notizbuch einer von drei Gegenständen, die sie ihrer Tochter hinterließ – in der Hoffnung, dass es ihr nützlich sein könnte. Der letzte Appell der Mutter: Versuche, dein Leben zu machen.
Auguste Groß um 1919: Die Mutter von Margot Friedländer kam während des Ersten Weltkriegs aus Oberschlesien nach Berlin und eröffnete in der Nähe des Hausvogteiplatzes ein Knopfgeschäft. Kurz darauf heiratete sie Arthur Bendheim, einen jüdischen Kriegsveteranen, von dem sie sich allerdings 1937 scheiden ließ. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor: Anni Margot, geboren 1921, und ihr Bruder Ralph, geboren 1925, der mit 17 Jahren in Auschwitz ermordet wurde.
Großfamilie: Die Aufnahme zeigt Cousins, Onkel und Tanten von Margot Friedländers Mutter.
Tage auf dem Land: Margot Friedländer als junge Frau mit einem Freund der Familie in der Sommerfrische am Brandenburger Scharmützelsee (um 1937), wo zwei ihrer neun Onkel ein Landgut besaßen, auf dem sie regelmäßig ihre Wochenenden verbrachte.
Unbeschwertere Momente: Margot Friedländer (2 v.r.) mit Freunden der Familie am Scharmützelsee. Das Mädchen links ist Steffie Mandowsky, eine Freundin von Margot. Bis Steffie 1939 mit ihrer Familie nach Australien auswanderte, wohnte Margots Familie in der Pension ihrer Eltern.
Aufbruch in eine neue Heimat: Adolf und Margot Friedländer bei der Schiffspassage in die USA im Juli 1946. Die beiden hatten sich schon vor der Deportation während ihrer Arbeit beim Jüdischen Kulturbund in Berlin kennengelernt und 1945 nach der Befreiung im Lager Theresienstadt geheiratet. Sie lebten mehr als 50 Jahre gemeinsam in New York, bevor Adolf Friedländer 1997 starb. Er wollte Deutschland nach dem Krieg nie wieder besuchen. 2010 schließlich entschied sich Margot Friedländer, die USA zu verlassen und in ihre alte Heimatstadt Berlin zurückzukehren.
Familie des Mannes: Adolf Friedländer (rechts) mit seinen Eltern und der Schwester Ilse. Das Foto entstand um 1915, als der Vater als deutscher Soldat im Ersten Weltkrieg kämpfte, weshalb er mit Pickelhaube und Gewehr posiert. Friedländers Mutter wurde später in Auschwitz ermordet. Die Schwester Ilse war in die USA ausgewandert und holte Adolf und Margot Friedländer nach Kriegsende zu sich.
Zurück in Deuschland: Margot Friedländer bekam am 9. November 2011 im Schloss Bellevue in Berlin das Bundesverdienstkreuz verliehen. Sie schrieb als Achtzigjährige eine preisgekrönte Biografie und berichtete Schülern von ihren Erfahrungen.