Holocaust-Überlebender Coco Schumann - DER SPIEGEL
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Holocaust-Überlebender Swing gegen das Grauen

Er spielte um sein Leben: Als KZ-Häftling wirkte Coco Schumann in dem SS-Propagandafilm "Theresienstadt" mit - in Auschwitz musste er zur Unterhaltung der Nazi-Schergen "La Paloma" intonieren. Begegnung mit einem Unbeugsamen.
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Jubeln statt jammern: Der Gitarrist Coco Schumann während eines Konzerts in Berlin (Aufnahme von 2005). "Ich jammere nicht, dass ich im KZ war. Ich jubele, dass ich rausgekommen bin", sagte der 90-jährige Musiker im einestages-Interview.

Foto: imago
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Tagsüber Klempner, nachts Swing-Star: 1936 bekam Coco Schumann (hier bei einer Gedenkveranstaltung im Jahr 2013) seine erste Gitarre geschenkt - und mauserte sich schnell zum talentierten Musiker. Auf Betreiben seiner Eltern hatte er als junger Mann zwar den Klempner-Beruf erlernt - seine Passion jedoch galt dem Swing und Jazz.

Foto: imago
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Dreimal illegal: Seit den späten Dreißigerjahren verbrachte Coco Schumann seine Nächte regelmäßig in Berliner Kneipen wie der Rosita-Bar und Arndts Bierbar, wo er mit Musikern wie Tullio Mobiglia (Foto von 1942) auftrat. Dass der Swing von den Nationalsozialisten verboten worden war, störte ihn nicht. "Ich befand mich damals sozusagen in der dreifachen Illegalität: Ich war Jude, minderjährig - und spielte Swing!", sagte Schumann im einestages-Interview.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz / Josef Donderer
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Deportation nach Theresienstadt: Im März 1943 flog Coco Schumanns illegales musikalisches Engagement auf. Sein Vater, der im Ersten Weltkrieg als Soldat gedient hatte, konnte verhindern, dass der damals 18-jährige Schumann sofort nach Auschwitz deportiert wurde: Schumann kam zunächst nach Theresienstadt. Hier schloss er sich der Lagerband Ghetto Swingers an.

Foto: dpa Picture-Alliance / ctk/ picture-alliance / dpa
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Als Statisten missbraucht: Coco Schumann und andere Häftlinge mussten in einem SS-Propagandafilm mitwirken, der im Sommer 1944 in Theresienstadt gedreht wurde - und das Getto als vermeintliches Idyll verklärte. Das Szenenbild zeigt gut gekleidete Häftlinge, die durch die herausgeputzten Straßen des Lagers bummeln. Die Wahrheit hinter dieser perfiden Lüge jedoch sah anders aus: Von den 141.000 Juden, die nach Theresienstadt deportiert worden waren, starben etwa 33.500 Menschen vor Ort - und 88.000 Häftlinge wurden in Vernichtungslager im Osten deportiert.

Szene aus dem SS-Propagandafilm "Theresienstadt. Ein Dokumentarfilm aus dem jüdischen Siedlungsgebiet" von 1944/45

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"Ich wurde dirigiert": Ende September 1944 wurde Coco Schumann ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Wie bereits in Theresienstadt musizierte Schumann auch hier - seine Virtuosität und Chuzpe retteten ihm das Leben. Über die Gräuel sagt er im einestages-Interview: "Das Denken hatte ich mir längst abgewöhnt. Ich wurde dirigiert. Abends war ich froh, dass ich noch am Leben war."

Foto:

DPA/ Wiener Library

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Stationen des Schreckens: Anfang 1945 kam Coco Schumann mit einem Transport nach Kaufering, in ein Nebenlager des KZ Dachau (Foto). Der junge Mann überlebte auch diese Station des Schreckens. Völlig ausgezehrt und vom Fleckfieber befallen, wurde er im April 1945 auf einem Todesmarsch Richtung Innsbruck von US-Soldaten befreit.

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Prominente Musikerkollegen: Coco Schumann, der mehrfach zum besten deutschen Jazz-Gitarristen gewählt wurde, spielte mit zahlreichen internationalen Größen, darunter Louis Armstrong, Ella Fitzgerald und Dizzy Gillespie. Zudem fuhr er mehrere Jahre lang auf Passagierschiffen, etwa der "Hanseatic", als Musiker mit.

Foto: ddp images
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Der Ghetto-Swinger: 2012 brachte der Schauspieler und Autor Kai Ivo Baulitz das Leben des Coco Schumann als Schauspiel auf die Bühne. Das Bühnenbild aus dem Rennaissance-Theater Berlin zeigt eine Szene mit Konstantin Moreth (l.) und Christoph Tomanek (Aufnahme von 2014). Titel des Theaterstücks: "Der Ghetto-Swinger". Den gleichen Titel trägt die Biografie über Coco Schumann, die 1996 erschien.

Foto: imago
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