Honeckers Elitesiedlung - DER SPIEGEL
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Politikerviertel Wandlitz Bananen und Miele

Linientreuer Genosse oder Rächer aller Betrogenen? Mit seiner legendären Wandlitz-Reportage über die geheimnisumwitterte Wohnsiedlung der DDR-Elite wurde der Reporter Jan Carpentier im Herbst 1989 schlagartig berühmt. Im Rückblick würde er den Beitrag am liebsten ungeschehen machen.
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Am Ortsschild von Wandlitz: Der junge Reporter Jan Carpentier hatte sich im Herbst 1989 aufgemacht, um für die DDR-Sendung "Elf 99" über die streng abgeschottete Wohnsiedlung der SED-Politbüromitglieder nahe Berlin zu berichten.

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An der Mauer der Mächtigen: Als Reporter Jan Carpentier das erste Mal in Wandlitz auftauchte, wurde er abgewiesen. Am nächsten Tag kam er wieder - und wurde eingelassen. Begleitet von einem wachhabenden Offizier durfte er sich umsehen.

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Freundlicher Empfang: In der bis auf die Reporter fast menschenleeren Siedlung traf Jan Carpentier das Rentnerehepaar Hager. Kurt Hager, zuvor im Politbüro für Kultur und Wissenschaft zuständig, freute sich über das Interesse an Wandlitz. Die Siedlung sei für ihn ein "Internierungslager", in dem er leben und sich den "Beschlüssen von oben" hatte beugen müssen, sagte er vor laufender Kamera.

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Wohnhaus in Wandlitz: Die meisten Bewohner hatten die Waldsiedlung bereits verlassen, als die Reporter hier eintrafen. Viele Gebäude auf dem weitläufigen Areal standen leer.

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Ansturm: Nicht nur Jan Carpentier und sein Team von "Elf 99" erforschten in diesen Tagen im Herbst 1989 die Polit-Siedlung Wandlitz. Auch andere Reporter stürmten neugierig die verlassenen Wohnungen.

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Langeweile statt Luxus: Statt des womöglich erwarteten glitzernden Prunks bot sich den neugierigen Reporter in Wandlitz ein eher biederes Bild - Wohnzimmer mit Schrankwänden, in denen mehr Bierkrüge als Bücher aufbewahrt wurden.

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In Häbers Küche: Die angereisten Reporter wurden im November 1989 durch die leerstehende Wohnung des ehemaligen Politbüromitglieds Herbert Häber geführt. Stolz wies der Offizielle in der Küche darauf hin, dass alle verwendeten Einrichtungsgegenstände aus DDR-Produktion seien - bis auf die Armaturen.

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Eine Miele für Mielke: Ein bisschen Luxus in der präsentierten Wandlitzer Küche - eine Miele-Spülmaschine. Darüber hinaus unterschied sich die Wohnungseinrichtung vermutlich kaum von der der übrigen DDR-Bevölkerung. Ein paar Vorteile hatte das Leben in der Waldsiedlung aber doch: In der örtlichen Verkaufsstelle erspähten die Reporter jede Menge Bananen und Ananas, von denen man im Rest der Republik nur träumen konnte.

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Haus im Grünen: Die Bewohner der Waldsiedlung bei Wandlitz genossen einige Privilegien. In diesem Haus etwa wohnten der DDR-Staatsratsvorsitzende Erich Honecker und seine Frau Margot.

Foto: AP
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Flaschen über Flaschen: Die Verkaufsstelle in Wandlitz. Außer DDR-Produkten wurden den SED-Funktionären hier auch Importgüter wie Bananen, frische Birnen und Tomaten sowie Alkohol aus West-Berlin angeboten.

Foto: AP
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Ulbrichts Bibliothek: Als die DDR-Größen nach der Wende die Politbürosiedlung verlassen hatten, blieb einiges zurück. Mit dem Aufbau einer Klinik auf dem Gelände wurden zurückgelassene Bücher und Schallplatten in zwei Räumen von Walter Ulbrichts ehemaligen Gemächern gesammelt.

Foto: dpa
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Haus von Egon Krenz: Seine deutschlandweite Bekanntheit verdankt der kleine Ort Wandlitz bei Berlin den prominenten Mitgliedern des Politbüros der SED, die in der nahe gelegenen Waldsiedlung wohnten - unter anderem Egon Krenz. In seinem früheren Haus sind nach Umbau und Renovierung Klinikpatienten eingezogen.

Foto: Klaus_Franke/ dpa
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Schwimmbad in Wandlitz: In der Waldsiedlung bei Wandlitz nördlich von Berlin wohnten von 1950 an streng bewacht hochrangige SED-Funktionäre mit ihren Familien hinter 2400 Metern Mauer und Zaun. Nach dem Mauerfall sollten auch die Schüler des nahe gelegenen Dorfes das Schwimmbad nutzen dürfen.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-1989-1123-032

Foto: Das Bundesarchiv/Peter Zimmermann
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Kuren in der Waldsiedlung: Im Februar 1990 verbringen die ersten 70 Patienten ihre Kur in Wandlitz. In dem im Aufbau befindlichen Rehabilitationssanatorium Bernau-Waldfrieden waren in jenem Jahr 1500 bis 2000 vierwöchige Genesungsaufenthalte geplant. Die Schwimmhalle wurde bereits kurz nach dem Mauerfall von Schülern der Erich-Weinert-Oberschule genutzt.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-1990-0124-025

Foto: Das Bundesarchiv/Peter Zimmermann
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Einblicke in den Honecker-Bunker: Knapp 19 Jahre nach dem Fall der Mauer ist die Kommandozentrale "Objekt 5001" des Nationalen Verteidigungsrates 2008 erstmals für Besucher geöffnet. Zum Schutz vor Vandalismus wurde der denkmalgeschützte Bunker später mit Beton verschlossen.

Foto: dpa
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Schutz im Kriegsfall: Von 1978 bis 1983 wurde der unterirdische Bunker für die DDR-Führung gebaut. An Komfort fehlte es nicht - es gab auf den drei Ebenen des Bauwerks sogar eine Großküche.

Foto: dpa
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Schalten und walten: Die Schaltzentrale, das Herzstück des kostspieligen sogenannten Honecker-Bunkers an der Ützdorfer Straße bei Prenden nördlich von Berlin.

Foto: dpa
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