Hongkong Proteste begleiten Lams Wahl zur ersten Regierungschefin
Carrie Lam ist zur neuen Regierungschefin der chinesischen Sonderverwaltungsregion gewählt worden. Sie bekam mit 777 Stimmen erwartungsgemäß die Mehrheit des mehrheitlich Peking-freundlichen Wahlkomitees.
Bei der öffentlichen Auszählung der Stimmen in einem großen Saal des Kongresszentrums kam es zu Pfiffen und Buhrufen aus dem Publikum. Tausende Polizisten waren mobilisiert worden, um die Abstimmung zu schützen. Die unangemeldeten Proteste blieben friedlich.
Auch vor dem Gebäude gab es Proteste. Hunderte prodemokratische Demonstranten durchbrachen eine Polizeisperre, wurden aber schließlich von einer Kette von Sicherheitskräften vor dem Gelände aufgehalten. Demonstranten beklagten "Wahlschwindel".
Die Protester riefen in Sprechchören: "Wir wollen allgemeines Wahlrecht." Einige hatten Regenschirme dabei, das Symbol der Demokratie-Bewegung. 2014 hatte die "Regenschirm-Bewegung" Teile der asiatischen Wirtschafts- und Finanzmetropole wochenlang lahmgelegt.
Der Protestzug wurde angeführt von dem jungen Studentenführer Joshua Wong, dem prominenten Abgeordneten Leung Kwok-hung und Hongkongs jüngstem Parlamentarier, dem 23-jährigen Nathan Law. Die Polizei stoppte die Demonstranten vor dem Kongresszentrum.
Diese Frau ruft vor der Polizeiabsperrung Slogans. Kritiker fürchten nach der Wahl neue Spannungen in der Stadt mit rund 7,3 Millionen Einwohnern.
Schon am Abend vor der Abstimmung kam es zu Protesten. Hier hält eine Frau ein Plakat mit der Aufschrift "Nein zu Jedem" unter dem Foto von Carrie Lam. Hinter ihr ist der Studentenführer Wong zu sehen.