Horrorfilmklischee "Scream Queen" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

"Scream Queens" im Horrorfilm Der letzte Schrei

Fürchten, rennen, schreien: Der Job der "Scream Queens" im Horrorfilm klang gefährlich, doch das Blut war gar nicht echt. Der Sexismus schon.
1 / 20

Einschneidendes Erlebnis: Der billig produzierte Horrorfilm "Halloween" (1978) war der erste Film von Jamie Lee Curtis - und zugleich ihr Durchbruch. Als Babysitterin Laurie Strode wurde sie darin von dem Psychopathen Michael Myers verfolgt. Nach dem "Halloween"-Erfolg verfolgten in einer Reihe ähnlicher Slasher-Filme übermenschlich starke, männliche Gewalttäter mit Messern ihre meist jungen, weiblichen Opfer. Die hatten ihnen wenig entgegenzusetzen - außer Schreien. So kam Curtis zum fragwürdigen Ehrentitel "Scream Queen".

Foto: imago/ Cinema Publishers Collection
2 / 20

Dieser Job ist der Horror: Durch ihren Erfolg in "Halloween" war Curtis jahrelang vor allem auf Horrorfilme abonniert. Auch in Filmen wie "The Fog - Nebel des Grauens" (1980), "Prom Night - Die Nacht des Schlächters" (1980) oder "Monster im Nacht-Express" (1980) gab es für sie reichlich Anlass zum Schreien.

3 / 20

Besonders aber die zahlreichen Fortsetzungen von "Halloween" sorgten dafür, dass ihr Schreck nicht so schnell nachließ: 1981 kreischte Curtis sich durch "Halloween 2 - Das Grauen kehrt zurück", 1982 durch "Halloween 3 - Die Nacht der Entscheidung". Nach längerer Pause wurde 1998 in "Halloween H20 - 20 Jahre später" (im Bild) weitergeschrien, und jüngst...

Foto: Archive Photos/ Getty Images
4 / 20

...kehrte Jamie Lee Curtis für einen Auftritt in "Halloween" (2018) zurück. Hauptfigur Laurie Strode ist allerdings, 40 Jahre nach ihrem erlittenen Trauma, deutlich wehrhafter geworden. "Wir leben heute in einer Welt", so Curtis 2018 in einem "Variety"-Interview, "in der Frauen endlich sagen: Genug ist genug, die Zeit ist um, #MeToo. Und Laurie Strode ist eine dieser Frauen. (...) Sie ist eine Überlebende."

Foto: imago/ Cinema Publishers Collection
5 / 20

Das Böse mit dem Ringelpulli: 1988 wurde Schauspielerin Lisa Wilcox in "Nightmare on Elm Street 4" zur "Scream Queen". Auch im folgenden Titel der Freddy-Krueger-Filmreihe kreischte sie sich ein Jahr später durch eine der Hauptrollen.

Foto: ddp images
6 / 20

Sägenreich: Eine Gruppe junger Hippies fährt durch das erzkonservative Texas und wird mitten im Nirgendwo von einer Gruppe degenerierter Rednecks abgeschlachtet - so übersetzte 1974 der Film "Blutgericht in Texas" (Originaltitel: "The Texas Chain Saw Massacre") weltanschauliche Spannungen der USA in einen Horrorfilm, der sein Genre prägte. "Scream Queen" Marilyn Burns spielte darin die Rolle von Sally Hardesty, die am Ende als Einzige dem Grauen entkommt.

Foto: ddp images/ Turbine Medien
7 / 20

UUUUÄÄÄÖÖÖÖ! Als der unangefochtene König der "Scream Kings" darf wohl Bruce Campbell gelten, dessen Physiognomie einfach eine, sagen wir mal: natürliche Affinität zum Schreien zu haben scheint. Jedenfalls wurde dem US-Schauspieler seit seinem ersten Auftritt als Ash Williams in Sam Raimis "Tanz der Teufel" ("The Evil Dead", 1981) im Kino und Fernsehen mehr als reichlich Gelegenheit zum Schreien gegeben. Dabei griff man mitunter...

8 / 20

...auch auf Spezialeffekte zurück, um Campbells charakteristischem Schreigesichtsausdruck noch größere Expressivität zu verleihen, etwa in dieser Szene von Sam Raimis Horrorkomödie "Armee der Finsternis" (1992).

Foto: ddp images/ pwe
9 / 20

Königinnen unter sich: Vornehm hält sich Abigail Breslin (links) beim Schreien die Hand vor den Mund. Co-"Scream Queen" Skyler Samuels (im Hintergrund) versucht es derweil mit der freihändigen Variante, während Dritt-"Scream Queen" Billie Lourd lieber die Augen zuhält. Richtig überzeugend wirkt eigentlich aber nur "Scream Queen" Keke Palmer (rechts). Die Szene stammt aus der treffend betitelten TV-Serie "Scream Queens", die 2015 in den USA anlief. Auch "Scream Queen"-Queen Jamie Lee Curtis spielte mit - als Universitätsdekanin Cathy Munsch.

Foto: action press
10 / 20

Unglückstag: Der Slasher-Film "Freitag, der 13." wollte 1980 recht unverhohlen als Trittbrettfahrer am Erfolg von "Halloween" (1978) teilhaben. An die Stelle eines Teenagermörders in weißer Gummimaske trat hier ein Teenagermörder mit weißer Eishockeymaske; statt um einen von seiner fummelnden Schwester vernachlässigten kleinen Jungen ging es um einen von fummelnden Feriencamp-Aufsehern vernachlässigten Jungen. Die Unterschiede waren klein. Dennoch wurde der Film sehr erfolgreich - und machte Darstellerin Adrienne King als "Scream Queen" bekannt.

11 / 20

Kreisch! Kein klassischer Slasher-Film war "Hellraiser - das Tor zur Hölle" von 1987. Er handelt von Dämonen, die auf der Jagd nach einem der Hölle Entflohenen die Erde heimsuchen - und zwar in BDSM-Lederkluft. Hauptdarstellerin Ashley Laurence erkreischte sich dennoch in der Rolle des Teenagers Kirsty Cotton den Titel einer "Scream Queen".

Foto: action press
12 / 20

Sex und Gewalt: Berühmtheit erlangte Horrorregisseur Wes Craven mit den Slasher-Filmen seiner "Nightmare on Elm Street"- und "Scream"-Filmreihen. Die ersten Schritte als Filmemacher hatte er unter Pseudonymen gemacht - als Pornoregisseur. Sein erster Kinofilm unter eigenem Namen wurde 1972 "Das letzte Haus links", der Sandra Peabody bekannt machte. Der Film handelte von der Entführung, Vergewaltigung und Ermordung zweier Teenager, die in ebenso brutale Racheakte ihrer Eltern münden. Aufgrund der drastischen Darstellungen von Sex und Gewalt löste der Film international hitzige Kontroversen aus.

13 / 20

Achterbahn der Gefühle: Klar, Gesichtsausdrücke wie den von Highschool-Schülerin Wendy Christensen (Mary Elizabeth Winstead) sieht man in der Loopingbahn öfter. Doch im Fall von Christensen ist die Angst berechtigt - durch eine Vision entgeht sie dem drohenden Tod in dem defekten Fahrgeschäft. Der Nachteil: Der Tod verfolgt fortan alle Überlebenden und holt sie durch absurde Unfälle ins Jenseits. Ihr Auftritt in "Final Destination 3" (2006) neben mehreren anderen Horrorfilmen brachte auch Mary Elizabeth Winstead zwischenzeitlich einen Ruf als "Scream Queen" ein - doch dann verlegte die Schauspielerin sich auf weniger blutige Filme.

Foto: imago/ Cinema Publishers Collection
14 / 20

Slasher-Doppelpack: Gleich mit zwei klingenschwingenden Psychopathen des Genres sehen sich die Teenager in "Freddy vs. Jason" (2003) konfrontiert. "Elm Street"-Antagonist Freddy Krueger macht darin den "Freitag, der 13."-Schurken Jason Voorhees zu seinem Lakaien, um eine Kleinstadt zu terrorisieren. Reichlich Teenager schreien, am Ende kriegen sich beide Mörder jedoch in die Wolle und metzeln sich gegenseitig nieder. Es war einer der zahlreichen Horrorfilmauftritte von Katherine Isabelle (2. von links), die als eine der größten "Scream Queens" nach der Jahrtausendwende gilt.

Foto: imago stock&people
15 / 20

Die Wissende: Teenager haben einen Autounfall, werfen ihr totes Unfallopfer ins Meer und werden ein Jahr später von einem mysteriösen Mörder dahingemetzelt. So weit der Plot von "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast" von 1997, der die zuvor aus Komödien und einer Teenie-Fernsehserie bekannte Jennifer Love Hewitt zur "Scream Queen" machte. Der Film sollte offenbar Profit aus dem Erfolg von "Scream" (1996) schlagen - so wurde derselbe Drehbuchautor engagiert. Doch dem Film fehlte letztlich der selbstreflexive Dreh seines Vorbilds.

Foto: ddp images
16 / 20

Freddy mit den Scherenhänden: Der Killer der Slasher-Filmreihe "A Nightmare on Elm Street" rannte zur Abwechslung mal nicht mit Schlachtermessern hinter Teenagern her - er hatte die Klingen gleich in seinen Handschuh integriert. Der durch Brandverletzungen entstellte Psychopath Freddy Krueger lauerte seinen Opfern in ihren Träumen auf - so auch dem Teenager Nancy Thompson, gespielt von Heather Langenkamp. Sie wurde durch den ersten Film der Reihe "Nightmare - Mörderische Träume" als "Scream Queen" bekannt.

Foto: New Line/ The Elm Street Venture/ Kobal/ REX/ Shutterstock
17 / 20

Fest der Liebe: In "Stille Nacht - Horror Nacht" (OT: "Silent Night, Deadly Night") wird ein traumatisierter Teenager nach der Ermordung seiner Eltern selbst zum Mörder und zerhackstückt unschuldige Opfer im Weihnachtsmannkostüm. Genretypisch wird das Blutbad dadurch ausgelöst, dass der Psychopath ein Pärchen beim Sex beobachtet. Der Film machte Linnea Quigley als "Scream Queen" bekannt.

18 / 20

Bollywoods "Scream Queen": Die indische Schauspielerin Bipasha Basu ist bekannt für ihre Auftritte in Hindi-Horrorfilmen wie "Raaz" (2002), "Aatma" (2013) und "Alone" (2015).

19 / 20

Alle Jahre wieder begehen nicht nur verkleidete US-Amerikaner, sondern auch Regisseure erneut Halloween. 2007 war es Splatter-Regisseur Rob Zombie, der mit seiner "Halloween"-Version Menschen auf und vor der Leinwand zum Kreischen brachte. Darstellerin Danielle Harris brachte die nötige Erfahrung mit - schon 1988, 1989 und 1995 hatte sie in anderen Filmen der Reihe mitgespielt.

Foto: action press
20 / 20

Blut und Wachs: Teenager bleiben mit ihrem Auto liegen, betreten ein verwaistes Wachsfigurenkabinett in einer menschenleeren Stadt und werden nacheinander gemeuchelt - auch "House of Wax" erfand 2005 den Horrorfilm nicht neu. Die als entführte Agententochter in der Serie "24" bekannt gewordene Elisha Cuthbert erspielte sich mit ihrer Hauptrolle als Carly Jones auch im schreienden Fach einen Namen.

Foto: ullstein bild - United Archives / PictureLux / T
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?