Horrorkindheit in Australien "Wir brauchen euch zum Erhalt der weißen Rasse"
Auf nach Australien: An einem Morgen im Februar 1951 starten diese Jungen ihre lange reise vom Londoner Bahnhof St. Pancras nach Australien. Die Vorfreude auf das Abenteuer ist ihnen anzusehen - dass es eine Reise ohne Wiederkehr sein würde, wurde ihnen bewusst verschwiegen.
Junge Emigranten: Ein Beamter unterhält sich am 18. Dezember 1948 mit zwei jungen Kindern, die von England nach West-Australien gebracht werden sollen, an Bord des Schiffes "Ormonde". Rund 7000 britische Kinder wurden von 1930 bis 1967 von speziellen Agenturen nach Down Under vermittelt.
Vorlesestunde: Eine Lehrerin liest am 30. März 1948 ihren Schülern in Stevenage, England, vor. Diese Kinder sollen demnächst nach Australien gebracht werden. Auf der Fairbridge Farm School in Molong im Bundesstaat New South Wales begann für viele von ihnen ein regelrechtes Martyrium.
Abfahrt nach Australien: Englische Kinder am 18. Dezember 1948 vor ihrer Abreise nach Australien. Die Kinder erwarteten einen Abenteuerurlaub, später log man ihnen vor, ihre Eltern seien gestorben. Den Angehörigen wiederum wurde erzählt, dass ihre Kinder in Australien adoptiert worden seien.
Fairbridge-Kinder: Schüler der Fairbridge Farm School bei Pinjarra in Australien verfolgen am 2. Oktober 1934 eine Rede des Duke of Gloucester. Die Schule besuchten auch einige britische Waisen, die die Child Emigration Society in London vermittelt hatte - mit dem Ziel, die "weiße Rasse" auf dem Fünften Kontinent zu erhalten.
Kinder als Arbeitssklaven: Dieses Bild von 1953 zeigt Jungen des Heims Melrose House bei der Gartenarbeit. Viele der nach Australien verschifften Kinder, die in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen waren, führten faktisch das Leben von Arbeitssklaven. Die australische Regierung freute sich über solche billigen Arbeitskräfte, die britische war froh, Sozialfälle aus dem Land zu haben.
Durchboxen in der Fremde: Der Duke of Gloucester beobachtet am 2. Oktober 1934 einen Boxkampf zwischen zwei Schülern der Fairbridge Farm School bei Pinjarra, Australien. Für die Regierung waren die Kinder vor allem billige Arbeitskräfte und formbare Immigranten aus "guten weißem Bestand".
Ablenkung: Schüler auf einem Bolzplatz der Fairbridge Farm School in Pinjarra, Australien, im Mai 1933 Viele von ihnen wurde misshandelt, geprügelt, vergewaltigt. Wer Glück hatte, durfte seinen Namen behalten - andere bekamen wie Häftlinge nur eine Nummer.
Posieren in der Fremde: Britische Waisen posieren 1953 vorm Melrose House in der Nähe von Parramatta, Australien. Tausende Meilen von Zuhause entfernt mussten viele Kinder ein von Gewalt geprägtes Schicksal erleiden. Liebe und Zuneigung lernten nur die wenigsten kennen.
Vergessene Heimkinder: Das australische Kinderheim Melrose House bei Parramatta nahm zahlreiche britische Kinder auf. Ihr Alltag war von strenger Disziplin, drakonischen Strafen und Lieblosigkeit geprägt. Kontakt zu den Eltern in Europa aufzunehmen, war für sie unmöglich.
Entschuldigung vom Premierminister: Für die Jahre des Missbrauchs und des Schmerzes entschuldigte sich Australiens Regierungschef Kevin Rudd (l.) am 16. November 2009 vor rund tausend überlebenden Opfern im Parlament in Canberra. Insgesamt rund 500.000 Kinder erlitten zwischen 1930 und 1967 ein regelrechtes Martyrium in australischen Kinderheimen und Waisenhäusern, darunter 7000 Kinder aus Großbritannien, die von ihren Familien getrennt und nach Australien verschifft wurden.
Spätes Sorry: Erst entschuldigte sich die römisch-katholische Kirche 2001 bei den Opfern, 2009 zog Australiens Premierminister Kevin Rudd nach. "Dies ist eine hässliche Geschichte", sagte er vor rund tausend "vergessenen Kindern" in Canberra.