Horrormeister John Carpenter - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

John Carpenter "Lachen, weinen, Angst haben"

Massenmörder, Monster, Marsgeister: Schock-Regisseur John Carpenter lehrte die Welt das Gruseln. Jetzt wird der König des Horrors 70 Jahre alt. Und hat die Kamera gegen die Synthesizer eingetauscht.
1 / 30

John Carpenter am Set: "Christine"-Hauptdarsteller Keith Gordon erinnert sich: "Auch wenn Dinge schiefgingen oder es Konflikte gab, hat er nie die Fassung oder seinen Sinn für Humor verloren. John hat so eine Zen-Haltung - er war ein lachender Buddha. Ihm zuzuschauen, war ungeheuer lehrreich, er war und ist ein meisterhafter Stilist." Horrormeister John Carpenter feiert am 16. Januar 2018 seinen 70. Geburtstag.

Foto: Moviestore Collection/face to face
2 / 30

Durchbruch: "Halloween" war ein Riesenerfolg - aber erst mit dem apokalyptischen Actionfilm "Die Klapperschlange" von 1981 (Szenenfoto) etablierte Carpenter sich als Regisseur in Hollywood. Der Häftling Snake Plissken (Kurt Russell) muss den amerikanischen Präsidenten aus dem zum Hochsicherheitsgefängnis umfunktionierten New York befreien. "Der Film war der erste seiner Art", sagt der damalige Regieassistent Jeffrey Chernoc. "John nahm das Genre, brachte es durcheinander und verwandelte es in etwas Einzigartiges." Der Film "Die Klapperschlange" ist einer der düstersten Actionfilme der Achtzigerjahre.

Foto: Constantin Film Verleih
3 / 30

Plagiat: John Carpenters Stil wurde oft kopiert. In einem Fall ging dem Regisseur das Epigonentum zu weit: 2016 verklagte Carpenter den französischen Filmemacher Luc Besson, der in dem Film "Lockout" von 2012 (Szenenfoto) den Plot von "Die Klapperschlange" geklaut hatte. Das Gericht gab Carpenter recht - Besson musste fast 450.000 Euro zahlen.

Foto: ddp images/Universum Film
4 / 30

Einer der erfolgreichsten Horrorfilme aller Zeiten: "Halloween" von 1978 war John Carpenters dritter Kinofilm - das Szenenfoto zeigt Schauspieler Tony Moran kurz vorm Zustechen. "Meine ganze Kino-Philosophie besteht darin: Filme sind nicht intellektuell, sind keine Ideen", sagte John Carpenter damals. "Filme sind emotional, das Publikum muss weinen oder lachen oder Angst bekommen." Das Rezept ging auf: "Halloween" spielte alleine in den Kinos 70 Millionen Dollar ein.

Foto: Corbis/Getty Images
5 / 30

Hommage an Alfred Hitchcock: Die Hauptrolle ging an die damals 18-jährige Jamie Lee Curtis, die Tochter von Janet Leigh - hier 1978 am Set mit Carpenter zu sehen. Leigh spielte 1960 in Alfred Hitchcocks "Psycho" das kurz darauf berühmteste Mordopfer der Filmgeschichte. Nicht die einzige Verneigung vor den alten Meistern in "Halloween": Während Michael Myers ums Haus schleicht, schauen die Kinder "Das Ding aus einer anderen Welt" im Fernsehen - einen Science-Fiction-Klassiker aus den Fünfzigerjahren, zu dem Carpenter später ein Remake drehen sollte.

Foto: imago/Cinema Publishers Collection
6 / 30

"Big Trouble in Little China": Die quietschbunte Actionkomödie von 1986 mit Kurt Russel (Szenenfoto) ist Carpenters teuerster Film. Auf der Zusammenarbeit mit 20th Century Fox lag kein Segen. An den Kinokassen fiel der Film durch und spielte nur einen Bruchteil seines Budgets wieder ein. Der Regisseur sah es abgeklärt: "Warum sollte mehr Geld die Filme besser machen? Es macht sie teurer, so viel steht fest."

Foto: imago/United Archives
7 / 30

"Jagd auf einen Unsichtbaren": Ein Film, über den John Carpenter nur selten spricht. Die Science-Fiction-Komödie mit Chevy Chase sollte 1992 die Karrieren ihres Hauptdarstellers und des Regisseurs wieder in Gang bringen. Doch auch dieser Film war kein Erfolg. "Chevy Chase war der Produzent", erzählt Carpenter. "Er wollte diesen Film. Er wollte weg von der Komödie und etwas mit mehr Tiefe machen. Also weigerte er sich, komisch zu sein."

Foto: imago/United Archives
8 / 30

"The Eyes of Laura Mars": Nach dem Ende seines Studiums an der Filmhochschule arbeitete John Carpenter als Drehbuchautor. 1978 drehte der Regisseur Irvin Kershner ("Das Imperium schlägt zurück") den Thriller "The Eyes of Laura Mars" nach einem Skript von Carpenter. "Ich musste Geld verdienen, und die einfachste Möglichkeit war das Schreiben. Ich hatte zwei, drei Monate Zeit, manchmal auch weniger, also hab ich mich hingesetzt und einen Entwurf fabriziert. Dann habe ich zwei Monate gefeiert. Und wenn die Deadline sich näherte, habe ich alles in einer Woche in die Tasten gehauen." Obwohl er den Film nicht mochte, wird "The Eyes of Laura Mars" häufig im Rahmen von John-Carpenter-Retrospektiven gezeigt.

Foto: imago/United Archives
9 / 30

Heirat: Am Set von "Elvis" lernte John Carpenter seine spätere Ehefrau, die Schauspielerin Adrienne Barbeau, kennen - hier zu sehen im Film "Klapperschlange" von 1980. "Als ich gemeinsam mit ihm zum ersten Mal 'Halloween' anschaute, war sein Bein danach grün und blau", erinnert sich Barbeau. "Ich hatte solche Angst. John wollte die Zuschauer nicht zum Nachdenken bringen. Er wollte Emotionen." Adrienne Barbeau spielte in einigen Filmen ihres Mannes mit, der letzte war "Fürsten der Dunkelheit". Das Paar ließ sich 1984 scheiden.

Foto: ddp images/Constantin Film
10 / 30

Hommage an Howard Hawks: Mit seinem zweiten Kinofilm "Assault - Anschlag bei Nacht" huldigte John Carpenter seinen großen Vorbildern. Während die meisten deutschen Kritiker den Film nur als eine filmische Gewaltorgie sahen, erkannte Hans C. Blumenberg in der "Zeit" nach "vertrauten Mustern entworfene Figuren auf der Leinwand, die so reden wie John Wayne oder Dean Martin in 'Rio Bravo' und manchmal auch wie Bogart und Bacall in 'To Have and Have Not'". Der Film "Assault - Anschlag bei Nacht" erinnere an einen Inszenierungsstil, den "Hollywood mit seinen Multi-Millionen-Dollar-Budgets fast vergessen hat".

Foto: imago/United Archives
11 / 30

Zurück zur Unabhängigkeit: Nach dem Flop "Big Trouble in Little China" kehrte Carpenter zu kleineren Budgets zurück. Für seine nächsten beiden Filme - "Fürsten der Dunkelheit" (Szenenfoto) und "The Live" - hatte er wesentlich weniger Geld zur Verfügung, ließ sich aber von den Produzenten die alleinige künstlerische Kontrolle zusichern.

Foto: imago/United Archives
12 / 30

Horrorklassiker: Im Gegensatz zu vielen Kollegen setzte Carpenter nur selten auf Splatter-Effekte. Der filmisch perfekte "The Fog - Der Nebel des Grauens" von 1979, in dem ein kleiner Küstenort buchstäblich von den Geistern der Vergangenheit eingeholt wird, setzt ganz auf eine unheimliche Atmosphäre.

Foto: ddp images
13 / 30

"Kotztütenfilm": John Carpenter hatte es mit den Filmkritikern nicht leicht. "Das Ding aus einer anderen Welt" etwa gilt heute als einer der großen Horrorfilme der Achtzigerjahre. Nach seiner Premiere aber wurde der Film als effekthascherisch und plump verrissen. Der populäre amerikanische Filmkritiker Roger Ebert formulierte es vergleichsweise freundlich: "Das Ding aus einer anderen Welt" sei zwar "enttäuschend", aber immerhin ein "großartiger Kotztütenfilm".

Foto: ddp images
14 / 30

"Das Dorf der Verdammten": Auch später wurden Carpenters Arbeiten immer wieder unterschätzt. "Das Dorf der Verdammten" war 1995 sogar für eine Goldende Himbeere in der Kategorie "Worst Remake or Sequel" nominiert.

Foto: ddp images
15 / 30

Gesellschaftskritik: 1988 nutzte John Carpenter die wiedergewonnene künstlerische Freiheit, um den satirischen Actionfilm "Sie leben" zu drehen. Ein Obdachloser, gespielt vom Wrestler "Rowdy" Roddy Piper, findet eine Sonnenbrille, die ihn die Welt sehen lässt, wie sie wirklich ist: "Ich kam auf die Idee, dass die gesamte Ära Reagan in Wirklichkeit von Außerirdischen gelenkt wird", erklärt Carpenter, "dass all die Dinge, die sich momentan in Amerika abspielen - die Reichen werden reicher, die Armen ärmer, die Mittelklasse löst sich derweil auf - in Wahrheit Teil dieser enormen außerirdischen Verschwörung sind."

Foto: ullstein bild
16 / 30

Tearjerker: Für John Carpenter untypisch ist der romantische Science-Fiction-Film "Starman" mit Jeff Bridges und Karen Allen (Szenenfoto). Ein Außerirdischer nimmt den Körper des verstorbenen Ehemannes einer jungen Witwe an. Bridges wurde für den Oscar nominiert. "Das ist der freundlichste von Carpenters Filmen", schrieb 1984 ein Kritiker vom "Christian Science Monitor". "Er lässt eine neue Reife erkennen." Carpenter gelang es zwei Jahre später mit "Big Trouble in Little China" diesen Verdacht zu zerstreuen.

Foto: imago/United Archives
17 / 30

Parodie: John Carpenters Karriere begann 1974 mit "Dark Star", einer Parodie auf Stanley Kubricks sechs Jahre zuvor erschienenen "2001 - Odyssee im Weltraum". Der gemeinsam mit seinem Kommilitonen Dan O'Bannon geschriebene Film handelt von drei Hippie-Astronauten, die in einem schrottreifen Raumschiff durchs All fliegen, um Planeten zu zerstören, die der Erde gefährlich werden könnten. Das Set stand in einem Schuppen auf dem Universitätscampus und war gerade mal drei Meter breit. "O'Bannon und ich waren geradezu verblendet damals", erinnerte sich John Carpenter 2016. "Wir dachten, alles sei ganz einfach, und wir machen einen großartigen Spielfilm. Gott sei Dank, denn wenn wir dieser Illusion nicht erlegen gewesen wären, dann hätten wir es auch nicht im Filmbusiness geschafft."

Foto: interTOPICS/mptv
18 / 30

Killerauto: 1983 verfilmte John Carpenter den Stephen-King-Roman "Christine". Trotz der an sich nicht sonderlich gruseligen Prämisse - ein Killerauto bringt alle um, die zwischen sich und seinen Besitzer geraten - gelang Carpenter ein charmanter Horrorfilm. Wie bei den meisten seiner Filme schrieb John Carpenter den Soundtrack selbst. Seine minimalistische Synthesizer-Musik erlebt zurzeit eine Renaissance. Carpenters erste filmische Arbeit seit sieben Jahren ist das 2017 erschienene Musikvideo zur Wiedereinspielung des Titelstücks von "Christine".

Foto: ddp images
19 / 30

"Ghosts of Mars": Der krude Genremix aus Science-Fiction, Western und Horror sollte für fast ein Jahrzehnt der letzte Kinofilm von John Carpenter bleiben. "Ich habe seit 1970 ununterbrochen als Regisseur gearbeitet", sagte Carpenter damals in einem Interview. "Das ist eine lange Zeit. Ich war ausgebrannt. Ich musste aufhören. Dass mein vorheriger Film nicht gut gelaufen ist, war außerdem nicht hilfreich. Aber es ging um mehr als das."

Foto: ddp images
20 / 30

Apokalypse: Der 1994 erschienene Film "Mächte des Wahnsinns" erzählt von der Suche nach dem Horror-Bestseller-Autor Sutter Crane, der kurz vor der Veröffentlichung seines neuen Buches verschwunden ist. Ein Versicherungsdetektiv soll ihn finden und wird an dem Auftrag verrückt, während um ihn herum die Welt untergeht. John Carpenter sieht "Mächte des Wahnsinns" als letzten Teil seiner "Apokalpyse-Trilogie" nach "Das Ding aus einer anderen Welt" und "Fürsten der Dunkelheit": Alle drei Filme handelten "auf die eine oder andere Weise davon, dass Dinge zu Ende gehen, dass alles zu Ende geht, vom Ende der Welt, wie wir sie kennen."

Foto: ddp images
21 / 30

Vom Kinderstar zum Actionhelden: Für seinen Fernsehfilm "Elvis" castete John Carpenter 1989 den ehemaligen Disney-Kinderstar Kurt Russell als düsteren Antihelden. Russell war damals vor allem für Filme wie "Superdad - Papa ist der Größte" bekannt. Bereits 1975 versuchte er mit "Turm des Schreckens", in dem er den Amokläufer Charles Whitman spielte, einen Imagewechsel. Der gelang aber erst mit seiner Rolle als Snake Plissken in "Die Klapperschlange".

Foto: imago/Cinema Publishers Collection
22 / 30

Noch nicht gelüftetes Geheimnis: John Carpenters allererster Film, den er an der Universität drehte, war "Godzilla vs. Gorgo". Den in Schwarz-Weiß gedrehten Super-8-Film hält er bis heute unter Verschluss. Er wird seine Gründe haben.

23 / 30

Oscar: Die Begrüßung der neuen Filmstudenten an der University of Southern California (USC) war ernüchternd: "Nur zwei oder drei von euch werden es schaffen." Es wurde sehr früh klar, dass John Carpenter einer der drei sein würde: Der von ihm geschriebene Film "The Resurrection of Bronco Billy", zu dem Carpenter außerdem die Musik schrieb, erhielt überraschend den Oscar für den besten Kurzfilm. Ein Vertreter der Universität nahm die Statue entgegen, und ein Dozent brachte sie mit in die Klasse, damit die Studenten einmal draufschauen konnten. Carpenter verließ die Uni kurz darauf.

24 / 30

Western: 1998 drehte John Carpenter die Independent-Produktion "Vampires". Das Angebot kam, als er wieder einmal überlegte, seine Karriere als Regisseur zu beenden. "Vampires" ist der Film in Carpenters Filmografie, der einem Western am nächsten kommt.

Foto: imago/Entertainment Pictures
25 / 30

"Blood River": Ein Script, das Carpenter in den Siebzigerjahren für John Wayne und Elvis Presley schrieb, wurde erst 1991 verfilmt, naturgemäß mit anderen Schauspielern. In der kaum gesehenen Fernsehproduktion "Blood River" ist von Carpenters Handschrift nicht mehr viel zu spüren.

26 / 30

Videospiele: In den letzten Jahren begann Carpenter sich für Videospiele zu interessieren. "In meinem Alter, warum nicht? Das hält mich von Schwierigkeiten fern." Bereits 2002 erschien das Spiel "The Thing", in dem der Regisseur einen kleinen Cameo-Auftritt hat.

27 / 30

Musik: Zuletzt hat John Carpenter vor allem als Musiker für Aufsehen gesorgt. Bereits in den Achtzigerjahren gründete er gemeinsam mit den befreundeten Regisseuren Tommy Lee Wallace und Nick Castle die Band The Coupe de Villes (Foto). Wallace und Castle hatten bereits an "Halloween" mitgearbeitet, Castle steckt damals unter der Maske von Michael Myers. Die Band The Coupe de Villes nahm 1985 eine einzige Platte auf, die nur im Freundeskreis verteilt wurde.

Foto: Sygma/Getty Images
28 / 30

"Lost Themes": So heißt Carpenters erstes Solo-Album, das 2015 erschienen ist. Gemeinsam mit seinem Sohn und seinem Patensohn hat er mittlerweile drei CDs eingespielt und geht mitsamt Band auf Tour. "Es ist total befreiend, weil es nicht um Filme geht", verriet Carpenter 2014 dem "Rolling Stone". "Musik ist eine der reinsten Kunstformen. Sie ist nicht so vergiftet wie der Film."

Foto: imago/Pacific Press Agency
29 / 30

Heirat: 1990 heiratete John Carpenter die Filmproduzentin Sandy King, mit der er seit 1988 zusammenarbeitet.

Foto: Gabe Ginsberg / Getty Images
30 / 30

Der letzte Film: 2010 erschien "The Ward", ein von Kritikern wie auch Fans durchweg ungeliebtes Spätwerk. Das Foto zeigt Carpenter und Schauspielerin Amber Heard am Set. Es bleibt abzuwarten, ob auch dieser Filme eine Wiederentdeckung erfahren wird wie bereits "Fürsten der Dunkelheit" oder "Mächte des Wahnsinns". John Carpenter scheint es eher egal zu sein. Der Regisseur Guillermo del Toro hat es auf den Punkt gebracht: "John Carpenter doesn't give a fuck whether we like his films or not."

Foto: AP/Warner Bros. Pictures
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?