Horst Köhler Der schweigende Bundespräsident
Bundespräsident Horst Köhler wirbt im Land für Zusammenhalt, doch im eigenen Haus schwindet dieser. Sein Sprecher und der Chef des Bundespräsidialamtes lieferten sich einen Machtkampf, wichtige Beamte haben ihre Posten aufgegeben. Doch Köhler schweigt.
Köhler scheint derzeit weggetaucht - einzig sein Besuch in Winnenden am 11. März bei der Gedenkfeier für die Opfer des Amoklaufs in der Albertville-Realschule fand zuletzt in der überregionalen Presse Erwähnung.
Zum Bundespräsidenten wird Köhler 2004 gewählt - als gemeinsamer Kandidat von Union und FDP.
Die Wahl Köhlers ist das "Meisterstück" der damaligen CDU-Chefin Angela Merkel und des FDP-Chefs Guido Westerwelle. Köhler soll Vorbote einer schwarz-gelben Koalition werden - die allerdings erst fünf Jahre später gelingt.
Köhler achtet aber darauf, Distanz zu den Würdenträgern der Republik zu halten - im Volk macht ihn das umso beliebter. Manche feiern ihn gar als "Bürgerkönig".
Köhler kann sehr gewinnend sein, er hat eine direkte, unverstellte Art, sich den Menschen zu nähern. Er wirkt nie huldvoll oder von oben herab. So wurde er vom unbekannten Technokraten zum populärsten Politiker Deutschlands. Auf dem Foto posiert er mit Schülern und Lehrern, die sich über den Deutschen Schulpreis 2008 freuen.
Die Bürger sollen sich in ihm wiedererkennen können. Der Bundespräsident zeigt sich mit seiner Frau Eva Luise schon mal beim 50-Meter-Sprint im Berliner Olympiastadion.
Auch zu großen Sportveranstaltungen - wie hier zu den Winterspielen in Turin 2006 - kommt Köhler.
Köhler engagiert sich stark für Afrika, er unternimmt häufig Reisen dorthin. Auf dem Bild sitzt er im Februar 2008 mit seiner Frau Eva Luise zwischen Schülern in Ruanda, sie nehmen an der Einweihung eines neuen Schulgebäudes teil.
Im November 2008 braust Köhler auf einem Schnellboot durch den Hafen von Nigerias größter Stadt Lagos.
Im Mai 2009 wird Köhler wiedergewählt. Er setzte sich gegen die Kandidatin der SPD, Gesine Schwan, durch.
Zu den Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November 2009 versammeln sich Europas Spitzenpolitiker in Berlin - in ihrer Mitte Horst Köhler. Vor dem Brandenburger Tor stehen (von l.) Großbritanniens Premier Gordon Brown, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russlands Präsident Dmitrij Medwedew. Rechts von Köhler winkt Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit.
Horst Köhler ist promovierter Wirtschaftswissenschaftler. Er arbeitete einst im Bundeswirtschaftsministerium, wurde 1990 Staatssekretär von Finanzminister Theo Waigel, später Wirtschaftsberater Helmut Kohls. 1993 wechselte er als Präsident zum Deutschen Sparkassen- und Giroverband, fünf Jahre später wurde er Chef der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung.
Im Jahr 2000 wurde er geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), auf diesem Posten blieb er vier Jahre, bevor er Bundespräsident wurde.