Riesenflugboot "H-4 Hercules" Hirngespinst aus Holz
"Schweiß meines Lebens": Die Ausmaße der "Spruce Goose" (hier bei ihrem ersten und einzigen Einsatz am 2. November 1947) waren gewaltig: Das Flugboot war knapp 67 Meter lang sowie 25 Meter hoch und besaß eine Flügelspannweite von 98 Metern. Es war darauf ausgelegt, 750 voll ausgerüstete US-Soldaten zu transportieren und 5000 Kilometer weit nonstop zu fliegen. Als der US-Senat...
...dem Erfinder Howard Hughes 1947 vorwarf, Steuergelder verschwendet zu haben, entgegnete dieser: "Ich habe den Schweiß meines Lebens in dieses Ding gesteckt und sieben Millionen und 200.000 Dollar meines eigenen Geldes. Mein Ruf hängt davon ab."
"Es ist mein Geld": Der Milliardär Howard Hughes im Cockpit seines Holzflugzeugs "Spruce Goose". Als der Hangar der "H4-Hercules" 1953 von einem Schiff gerammt wurde und voller Wasser lief, wurde das Flugboot stark beschädigt. Manager Noah Dietrich drängte Howard Hughes daraufhin, die "Spruce Goose" endlich zu verschrotten - doch der ließ seine Erfindung aufwendig reparieren. "Es ist mein Geld und meine Sache, was ich damit anstelle", lautete das harsche Statement des Flugzeug-Fanatikers.
Birken-Ungetüm: Das noch im Bau befindliche Holzflugzeug "Spruce Goose" um 1945. Insgesamt waren rund acht Tonnen Nägel nötig, um das in einem speziellen Verfahren (Duramold) laminierte Birkensperrholz zusammenzuhalten. Als der Klebstoff ausgehärtet war, wurden die Nägel wieder aus dem Flugboot herausgezogen.
"Nicht wie andere Menschen": An Weihnachten 1905 als einziges Kind von Allene und Howard senior in Humble, Texas, geboren, war der "Spruce-Goose"-Vater Howard Hughes (hier im Innern seiner "Hercules") schon mit 18 Jahren Vollwaise - und Milliardär.
Mit dem Geld, das die Firma seines Vaters abwarf, produzierte er in Hollywood Filme, vor allem aber ging er der Fliegerei nach, seinem Hobby und Lebenselixier. "Ich bin nicht wie andere Menschen. Die meisten interessieren sich für andere Menschen", charakterisierte Hughes sich einmal selbst. In Hollywood...
...turtelte Hughes mit Filmdiven wie Ava Gardner, Katherine Hepburn und Bette Davis herum - von den Brüsten der Schauspielerin Jane Russels soll der Tüftler so begeistert gewesen sein, dass er einen Metall-BH entwarf, um die kostbaren Rundungen zu schützen.
2004 verfilmte Regisseur Martin Scorsese das Schicksal des exzentrischen Milliardärs in "Aviator", die Hauptrolle spielte Leonardo DiCaprio (Foto)
Schulfrei für die "Fichtengans": Um die "H-4 Hercules" am 2. November 1947 zu Wasser zu lassen (Foto), musste sie erst von ihrem Fertigungsort Culver City zum Hafen von Long Beach transportiert werden. Obwohl die Entfernung nur 45 Kilometer betrug, brauchten die Arbeiter zwei volle Tage. Mehr als 2000 Telefonleitungen mussten gekappt, Brücken verstärkt und Bäume gefällt werden. Die Kinder längs der Strecke bekamen schulfrei, um das Spektakel zu verfolgen.
"Sie fliegt!": Am 2. November 1947, um genau 13.30 Uhr, erhob sich die "Fichtengans" aus dem Wasser und flog zum ersten und einzigen Mal. Mit nur 20 Metern Höhe blieb das Flugboot jedoch im Bereich des Bodeneffekts - ein freier Flug erfolgte nie. Daher ist es zweifelhaft, ob die schon im Leerzustand 122,5 Tonnen schwere, zu 95 Prozent aus Holz gefertigte "H-4 Hercules" jemals ernsthaft abgehoben wäre.
"Wie ein kleines Kind": Nach dem kurzen Hüpfer seiner "Spruce Goose" war Howard Hughes so glücklich wie nie zuvor. "Im Cockpit saß Howard wie ein kleines Kind. Er grinste und plapperte jede Menge, vor Freude sprang er auf und ab", erinnert sich Joe Petrali, eines der Crew-Mitglieder. Der US-Senat hingegen
war weniger begeistert: Er warf Hughes vor, ein Kriegsgewinnler zu sein. Mit 18 Millionen Dollar hatten die USA während des Zweiten Weltkrieges ein Projekt finanziert, das erst 1947 fertig wurde und nie in Serie ging.
Das Foto zeigt Senator Harry Cain aus Washington (links), der 1947 zu Howard Hughes (rechts) nach Los Angeles reiste, um das umstrittene hölzerne Flugboot "Spruce Goose" zu begutachten.
Schicksals-Gans: Howard Hughes 1947 vor dem Untersuchungsausschuss des US-Senats, der ihn der Verschwendung von Steuergeldern bezichtigte - keines seiner vom Staat gesponserten Rüstungsprojekte war von Erfolg gekrönt. Hughes wies die Vorwürfe zurück und verknüpfte sein Schicksal mit dem der "Spruce Goose": "Wenn das Flugboot nicht fliegen wird, werde ich dieses Land wohl verlassen", so Hughes am 6. August 1947 in Washington.
"Fliegendes Holzlager": Obwohl die "H-4 Hercules" aus Birkenholz gefertigt ist, wurde sie in der Öffentlichkeit als "Fichtengans" geschmäht - ein anderer Spitzname für das Flugboot lautete "Fliegendes Holzlager".
Herzensangelegenheit: Nachdem das hölzerne Flugboot am 2. November 1947 einmal kurz abgehoben war, flog es nie wieder. Statt den Prototypen der US-Regierung zu übergeben, ließ Howard Hughes seine Kreation in einen gigantischen Hangar transportieren und bezahlte bis zu 300 Arbeiter, die an dem Flugboot weiterarbeiten sollten. Erst 1962...
...wurde diese Crew auf 50 Mann reduziert, die das Flugboot warteten und die Motoren der "Spruce Goose" bis zum Tode Hughes' 1976 einmal im Monat warm laufen ließen. Allein für die Reinigung der gigantischen Heckflosse benötigten drei Arbeiter zwei bis drei Tage.
Geheimnisumwittert: Jahrzehntelang durfte niemand die "H-4 Hercules" besichtigen, weshalb sich die wildesten Gerüchte um das hermetisch abgeriegelte Holzmonstrum rankten. So hieß es etwa, der Milliardär wolle einen Film über seine "Fichtengans" drehen, das Flugboot in einen siebenflügeligen Jet verwandeln und es mit einem Atomreaktor ausstatten.
Erst nach dem Tod von Howard Hughes erhielt die Öffentlichkeit Zutritt zu dem Flugboot. Das Foto zeigt Flugexperte Jack Real (links) 1978 im Interview mit dem CBS-Reporter Walter Cronkite. Die beiden sitzen im Innern der gigantischen "Spruce Goose".
Museumsattraktion: Nach dem Tod von Howard Hughes 1976 sollte die " Spruce Goose" zunächst zersägt und in verschiedenen Museen ausgestellt werden. Doch rettete der südkalifornische Aero Club das Flugboot vor der Zerstörung. Später wurde es zerlegt und im Evergreen Aviation Museum in McMinville, Oregon, wieder zusammengebaut, wo es seit 2001 zu bewundern ist.
Legendäres Gefährt: Gemeinsam mit seiner Entourage besuchte Prinz Andrew (rechts) am 16. April 1984 die berühmte "Spruce Goose" in Long Beach, Kalifornien. Mit seinen gigantischen Ausmaßen ist die "H-4 Hercules" das weltweit größte jemals gebaute Flugboot.
Holzmonstrum: Blick ins Innere des noch nicht fertig gestellten Rumpfs der "Spruce Goose" im Oktober 1945. Der US-Senat hatte das Mammut-Projekt im Jahr 1942 bewilligt und den Unternehmer Howard Hughes verpflichtet, das Flugboot binnen 24 Monaten fertig zu stellen. Tatsächlich jedoch...
...wurde Hughes "Hercules" erst nach fünf Jahren Bauzeit fertig (Foto von 1947). Als die "Fichtengans" am 2. November 1947 endlich erstmals in die Luft hüpfte, war der Zweite Weltkrieg längst zu Ende - und das Gefährt seit Jahren überflüssig.