Virtual Reality Diese Spiele gibt es für die HTC Vive
Achtung, Angreifer: Zu was die HTC Vive mit ihren zwei Handcontrollern fähig ist, zeigt die Gratis-Demo-Sammlung "The Lab", eins von vielen Vive-Programmen, von denen wir hier einige beispielhaft vorstellen. Im "Longbow"-Minispiel kämpft man per Bogen gegen anstürmende Gegnergruppen. Das Zielen per Kopfbewegung und das Bogenspannen per Controllerbewegung gelingt intuitiv.
In weiteren "The Lab"-Demos kann man zum Beispiel einen Roboter reparieren und mit einem Tech-Hund interagieren. Alle Minispiele sind nur sehr kurz, aber so eindrücklich, dass man sich ausgebaute Versionen von ihnen wünschen würde.
Für Vive-Vorbesteller kostenlos ist das Bastelspiel "Fantastic Contraption", eines der innovativsten VR-Spiele. Hier muss man aus einzelnen Bauteilen kleine Maschinen bauen, das Spiel ist ein Mix aus Denk- und Puzzlespiel. Immer wieder gibt es lustige Momente, wenn man im Praxistest merkt, wie das gerade gebaute Fahrzeug halb auseinander fällt oder in alle Richtungen durch die Gegend rollt, nur nicht in die gewünschte.
Die Steuerung funktioniert gut, man kann seine Werke leicht modifizieren und durch Im-Raum-Umherlaufen oder Bücken aus jeder Perspektive betrachten. Es dauert jedoch eine Weile, sich in das Bastelsystem hineinzufuchsen. "Fantastic Contraption" macht letztlich vor allem Lust auf kommende Bastelspiele. Wer träumt nicht davon, per Handcontroller imposante "Minecraft"-Bauwerke zu errichten?
Ein Spiel, bei dem man immer wieder über sich selbst schmunzelt, ist der "Job Simulator", denn darin hat man Spaß an Dingen, die in echt langweilig sind. Hier kann man in Cartoon-Optik vier Berufe nacherleben, vom Verkäufer bis zum Koch. Alle Objekte, die man sieht, lassen sich anfassen, hochheben, runterwerfen. Das Spiel ist ebenfalls ein Geschenk für Vorbesteller.
Toll ist, wie schnell man dank der Handcontroller die Steuerung versteht: Man braucht ein Spiegelei? Kühlschranktür per Handgriff auf, Ei rausnehmen, aufschlagen und dann auf den Grill werfen - fertig. Die einzelnen Jobs sind nett umgesetzt, nach jeweils circa 15 Minuten begeistertem Ausprobieren ist allerdings die Luft raus.
Viel öfter könnte man sicher "Tilt Brush" spielen, ein VR-Malprogramm, das für Vorbesteller kostenlos ist, aber auch seine 28 Euro wert wäre. Hier kann man einen virtuellen Raum mit allerlei Farben und Effekten ausstatten, sodass im Idealfall ein echtes Kunstwerk herauskommt. Durch diese VR-Bilder kann man sich später sogar bewegen, etwa, um an zunächst schlecht erreichbaren Stellen einen Pinselstrich zu ziehen.
In "Tilt Brush" zu malen, hat fast etwas Meditatives. Der linke Handcontroller dient als Farbpalette, damit kann man über Strichart, -größe und -farbe bestimmen. Der Controller in der rechten Hand ermöglicht das Malen. Jeder unserer Tester hatte binnen Sekunden verstanden, wie "Tilt Brush" funktioniert.
Noch im "Early Access"-Status, also noch nicht ganz fertig, ist "Vanishing Realms", ein Rollenspiel, das für 20 Euro angeboten wird. Schon jetzt ist es beeindruckend, sich durch dunkle Gänge zu schleichen und etwa in Kisten nach nützlichen Gegenständen zu suchen. Und hinter jeder Ecke könnte ein Gegner lauern.
Im Gemäuer kommt man per Teleport-Funktion voran, die unmittelbare Umgebung lässt sich dann auch per echter Bewegung im Raum absuchen. So intensiv das Erlebnis ist, perfekt ist "Vanishing Realms" noch lange nicht: So ist etwa das Inventar nervig zu bedienen und mitunter hat man den Rand einer Kiste im Gesicht, was bei VR-Spielen ein sehr unangenehmes Gefühl ist.
Ein Spiel, das es einem trotz vieler Stärken nicht leicht macht, es zu mögen, ist "Hover Junkers". Hier kann man sich online mit anderen Spielern duellieren. Man kann mit seinem Wagen - sogar im Team mit einem anderen Spieler - das Ödland im Spiel erkunden und sich dann Schießduelle mit menschlichen Gegnern liefern. Gezielt und nachgeladen wird dabei mit den Handcontrollern. Per Körperbewegung kann man Schüssen ausweichen.
Hat man das Spiel einmal verstanden, ist es intensiv - sogar ein virtueller Suizid per Kopfschuss ist möglich, obwohl dieses Erlebnis manche Spieler verstören könnte. Das Hauptproblem an "Hover Junkers" ist sein Einstieg: So wird etwa die nicht ganz simple Steuerung des Spiels schlecht erklärt und es ist gar nicht so leicht, herauszufinden, wie man eine Multiplayer-Schlacht startet.
Ein hübsch aussehendes, aber auch spielerisch interessantes VR-Spiel ist "Final Approach" für 23 Euro. Hier lotst man per Handbewegung Flugmaschinen und versucht vor allem, eine Landereihenfolge zu finden, bei der es keine Unfälle gibt. Dazu gibt es Minispiele aus anderen Perspektiven, bei denen man zum Beispiel ein brennendes Flugzeug löschen muss.
Die Spielwelt von "Final Approach" sieht auch aus der Nähe betrachtet gut aus, die Entwickler lassen viel Liebe zum Detail erkennen. Wer früher gern mit Spielzeug-Flugzeugen gespielt hat, der dürfte an diesem Spiel eine Menge Spaß haben, zumal es abwechslungsreicher ist als im ersten Moment gedacht.
Ein simples, wenngleich ebenfalls unterhaltsames Spiel ist "Audioshield", das Vive-Vorbesteller kostenlos bekommen. Hier dienen die beiden Handcontroller als Schilde, mit denen im Takt der Musik heranrasende Farbbomben geblockt werden müssen. Welche Songs laufen, kann der Spieler selbst bestimmen.
Besonders die ersten Runden "Audioshield" machen viel Spaß - mitunter erwischt man sich dabei, nicht nur seine Hände zu bewegen, sondern sogar im Raum herumzutanzen. Ein wenig erinnert das Spiel auch an Sportspiele wie "Wii Sports Tennis". Auf Steam berichten einige Nutzer von technischen Problemen mit der App.
Für zehn Euro angeboten wird "theBlu", eine Unterwasser-Erfahrung, bei der man zum Beispiel einem riesigen Wal oder vielen Schildkröten begegnen kann. Die App ist kein Spiel, sondern mehr ein visuelles Erlebnis. Umherschwimmen zum Beispiel kann man nicht.
"TheBlu" macht deutlich, zu was ein Spielerechner mit einer HTC Vive grafisch in der Lage ist - und das ist sehr beeindruckend. Gut geeignet ist die App mit drei verschiedenen Szenarien auch als Einstieg für VR-Neulinge, da hier die Handcontroller nicht zwingend benötigt werden.
Dass nicht jedes VR-Spiel etwas taugt, beweist "Selfie Tennis", ein simples Sportspiel. Man schlägt den Ball per Handcontroller von einer Seite des Felds auf die andere, dann wechselt die Perspektive und man kann seinen eigenen Schlag parieren. Das verliert schnell an Reiz.
Bemerkenswert ist allerdings der Verkaufspreis des auch grafisch unspektakulären Spiels: 20 Euro für "Selfie Tennis" sind ganz schön happig, wenn man sieht, wie viel mehr Abwechslung und Spaß andere Titel bieten.
Dass VR langfristig nicht nur für Gamer spannend ist, machen Apps wie das kostenlose "Realities" deutlich. Hier kann man echte Orte virtuell besuchen, man ist also gewissermaßen Teil eines VR-Streetviews. Noch gibt es erst wenige besuchbare Orte. Man ahnt nach dem Test allerdings, wie VR-Tourismus aussehen könnte.